Skulpturen-Schau im Klagenfurter Kunstverein
Einmal nicht durch die Blume, sondern durch die Skulptur gesagt: Gegenbesuch des Wiener Künstlervereins im Klagenfurter Künstlerhaus.

Foto © FischerBlick in den Hauptraum: Objekte von Kurt Spitaler (vorne), verformte Kleidungsstücke von Heidi Pichler
Auf dem Weg zur Skulptur kann ein Beinbruch durchaus hilfreich sein: So hat Ona B. die Krücken, mit denen sie sich eine Zeit lang fortbewegen musste, verfremdet, rot lackiert und – in Anspielung auf den behandelnden Arzt – "Salzmann's Secrets" genannt. Derzeit lehnen die Gehhilfen in einer Ecke des Raumes, den die vielseitige Künstlerin als Hauptdarstellerin großformatiger Fotos auf Leinwand beherrscht.
Rot ist tonangebend.
Ona B.s Lieblingsfarbe "Rot" ist auch tonangebend im zweiten singulär bespielten Raum der Schau, in dem Gert Linke in 516 Einzeltäfelchen (rote Ölmalerei hinter Glas) seine Zöglingsnummer 516 veranschaulicht. Außerdem zieht sich die Signalfarbe "als roter Faden durch die Ausstellung", wie Kuratorin Judith P. Fischer betont. Dass die Skulpturen-Schau im Klagenfurter Kunstverein so spannend ist, hat mit dem Farbtupfer nur bedingt zu tun.
Besucherfreundlich.
Die Kuratorin, selbst mit der Arbeit "bouted.chaos" (gestiefeltes Chaos) vertreten, lotst über den Materialzugang, die Natur- und Spurensuche sowie urban-konkrete Strukturen auf die "different.ways.2.Sculpture" und liefert dank lockerer Präsentation eine besucherfreundliche Anleitung zum Schauen, Assoziieren und sinnlichen Spekulieren.
Der Wäsche geht's an den Kragen.
"17 Positionen im Rahmen eines erweiterten Skulpturenbegriffes", bietet Fischer an. Im Hauptraum fesseln sogleich die "Individuen" von Kurt Spitaler. Er hat jeweils zwei Betonkübel zu 16 Objekten zusammengenäht, die einander nur auf den ersten Blick ähneln. An der Wand dahinter geht es der Wäsche an den Kragen: Zu Skulpturen verformte Kleidungsstücke von Heidi Pichler korrespondieren mit dem "Gummiringpolster" (Franziska Stiegholzer) der Wand vis-a-vis.
Trotz des roten Fadens eher kühl wirkt der linke Seitenraum zum Thema urban-konkrete Strukturen (Fridolin Welte, W. M. Pühringer, Silvia Maria Grossmann, Walter Kölbl).
"Sieh dich vor".
Im rechten Seitenraum unterhält Elisabeth Homar mit Miniaturskulpturen – subtile, fein gearbeitete Anspielungen in Augenhöhe. "Sieh dich vor" nennt sie eine winzige Wandskulptur aus Zahnspiegeln. Wie zwei Energieklötze hocken die umgarnten Steine von Eva Gasser auf einem kleinen Podest. Ein Schwimmflügel (ebenfalls von Gasser) entzieht sich als Bronzeguss seiner Bestimmung. Die wie auf einer Bahre liegenden zehn Steinstäbe von Ruppert Klima sind – wenn man den Titel "Vier Quadratmeter" kennt – zumindest mathematisch kein Rätsel mehr.
Pendant.
Die Schau ist das Gegenstück zur Ausstellung des Kunstvereins Kärntens 2005 im Wiener Künstlerhaus. Wenn Retourkutschen nur öfter so munter ausfallen würden.
Features
Ausstellung
different.ways.2.Sculpture/ verschiedene wege zur skulptur. Künstlerhaus Klagenfurt. Bis 29. April.













