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Zuletzt aktualisiert: 07.03.2009 um 05:01 UhrKommentare

Von der Erotik der Macht

Monteverdis "L'incoronazione di Poppea" findet am Klagenfurter Stadttheater - eine szenisch faszinierende, aber musikalisch monotone Umsetzung.

Amor hat gesiegt!": Nicht erst zum Finale ist jedem klar, dass Vernunft und Moral gegen Macht und Eros nichts auszurichten vermögen. Von diesem zeitlosen, topaktuellen Thema handelt "Die Krönung der Poppea" (UA 1642) von Claudio Monteverdi.

Zeitlos und modern. Und genauso zeitlos und modern wird jetzt sein zukunftsweisendes, letztes und reifstes Musikdrama am Stadttheater Klagenfurt in Szene gesetzt. Laurent Laffargue lässt die ungeschönte, fast zynische Abrechnung über die Zeit des egomanischen Kaisers Nero, der aus Leidenschaft zur Kurtisane Poppea, seine Frau verstößt und auch vor Mordaufträgen nicht zurückschreckt, in einem chicen, heutigen, abstrakten Ambiente (Bühne: Casaban/Eric Charbeau) spielen.

Inszenierung. Weiße oder gestreifte, dreh- und verschiebbare Mauerelemente sowie die viel benützte Drehbühne schaffen immer wieder neue Räume und lassen Szenen ineinander übergehen. Diese filmartige, präzise gearbeitete Inszenierung, bei der man erkennt, dass auch sonst keine Figur ohne Tadel ist, mit spannenden Momenten, raffiniertem Licht und eleganten Kostümen (Hervé Poeydomenge) werden vom französischen Regisseur auch mit einigen modernistischen Gags, wie Telefonsex am Handy, einem TV Interview oder einem Amor als Vampir aufgemotzt.

Sängerische Anforderungen. Den extrem heiklen, sängerischen Anforderungen wird das Ensemble nur teilweise gerecht: Uneingeschränkt freuen kann man sich bei Gábor Bretz (Seneca) mit seinem profundem Bass und bei Julia Hajnóczy (Drusilla u.a.) mit ihrem frischen, sauberen Sopran. Poppea selbst wird von Ana Quintans mädchenhaft, lasziv, emotionsreich gespielt sowie flexibel und mit fallweise angeschliffenen Tönen etwas manieriert gesungen.

Solide. Countertenor Andrew Watts ist ein kraftvoller, oft schrill brüllender Nerone. David Walker darf mit seiner kleinen, blassen Stimme als Ottone die erste Serenade der Operngeschichte singen. Adrineh Simonian ist die betrogene, leidende Ottavia mit dunklem Timbre. Solide in mehreren Rollen: Monica Theiss-Eröd, Sylvia Rieser, Juan Carlos Falcón (mit etlichen unsauberen Tönen) sowie Willi Jeschofnik, Robert Maszl, Michael Gann.

Fehlbesetzung. Als Fehlbesetzung erweist sich Previn Moore (u.a. Amme der Ottavia), der keiner seiner Rollen stimmlich gewachsen ist. Da die vorerst verschollene Partitur der Oper unvollständig notiert ist, gibt es zahlreiche Bearbeitungen. Am Stadttheater wählte man die Fassung von Alan Curtis (1989) aus: Zu hören ist im Gegensatz zu anderen Versionen ein Miniensemble des KSO mit nur acht Musikern, außer einem Fagott ohne Bläser, einem Streichquartett und drei Continuo Instrumenten, wobei bei letzteren der Hauptpart liegt. Da fehlt es an Klang und Farben, zudem wird unter dem wenig fordernden Michael Brandstätter mit viel zu wenig Drive und Leidenschaft musiziert. So schleicht sich eine musikalische Monotonie ein, die den Abend von weit über drei Stunden lang werden lässt und die Publikumsreihen nach der Pause merkbar lichten ließ. Überwiegend hausinterner Jubel!

HELMUT CHRISTIAN

Fakten

Claudio Monteverdi: "L'incoronazione di Poppea" (Die Krönung der Poppea) Termine: 7.,10.,12.,19.,25. März sowie im April. Karten und Infos: Tel: (0463)54064 - e-mail: kartenkasse@stadttheater-klagenfurt.at

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