Dreißig Jahre in drei Stunden
Vom Ex-Sträfling zum liebenden Ziehvater: Ab Donnerstag singt Daniel Prohaska am Stadttheater Klagenfurt den Jean Valjean.

Foto © StadttheaterSzenefot aus "Le Misérables" im Stadtheater
Seine Mutter, eine britische Opernsängerin, hat das Musical einmal als "emotionelle Pornografie" bezeichnet: "Sie kommt vom klassischen Fach und diese Art der Musik geht ihr nicht so nahe, aber sie fand die Produktion trotzdem berührend", erzählt Daniel Prohaska. Der 35-jährige Tenor steht ab Donnerstag als Jean Valjean in "Les Misérables" auf der Bühne des Stadttheater Klagenfurts - eine Produktion, die bereits vor einem Jahr an der Grazer Oper zu sehen war und durchaus das Wohlwollen der Mutter fand. Schließlich ist "Les Misérables" "eine schöne, große, bombastische Geschichte", die "direkt ins Herz geht", so Prohaska, der als Jean Valjean in drei Stunden eine
30 Jahre. Zeitbandbreite von dreißig Jahren abdecken wird: "Das geht vom Enddreißiger bis zum 60jährigen, was sich auch in der Musik wiederspiegelt: Am Anfang ist das Stück für eine jüngere, heldische Stimme geschrieben, dann zieht auch in der Komposition das Alter ein, es wird gesetzter, tiefer, bauchiger im Klang." Also quasi eine Rolle mit Fachwechsel - wenn das keine Herausforderung ist.
Episch gezeichnet. Und auch der "wunderbare, episch gezeichnete Charakter" des Jean Valjean bietet große Möglichkeiten: "Da ist der Ex-Häftling, der schlecht behandelt wird, seine dunkle Seite entdeckt, aber bekehrt wird. Da ist der Mann, der seinen Glauben in seinem Beruf lebt, aber erkennen muss, dass er an die Grenzen des Machbaren stößt. Und da ist der liebende Ziehvater", so der in Klagenfurt und Wien lebende Sänger, der trotz - oder auch wegen der familiären Prägung - nur durch Zufall zur Bühne kam.
"Familienfluch". Denn eigentlich wollte Daniel Prohaska dem künstlerischen "Familienfluch" (der Vater ist Regisseur) entkommen und studierte Sprachwissenschaften mit Schwerpunkt "Skandinavistik". So spricht er zum Beispiel Isländisch, eine "faszinierende Sprache, die in der Isolation sehr altertümlich geblieben ist und heute nicht so viel anders klingt als zu den Zeiten der Wikinger."
Kornisch. Noch ungewöhnlicher: Prohaska hat Kornisch gelernt, eine Sprache, die gerade einmal 500 Menschen sprechen und die in Cornwall zu Hause ist: "Ich habe einmal einen älteren Mann mit seinem Hund Kornisch reden gehört und war fasziniert." Und zwar so sehr, dass er in Sachen Kornisch sogar unter die Autoren gegangen ist: Von ihm stammt das Büchlein "Kornisch. Wort für Wort" (Reise Know-How Verlag 2006). Außerdem spricht Prohaska neben der Vatersprache Deutsch und der Muttersprache Englisch noch Französisch, Niederländisch und Walisisch.
Nervös. Daran, dass aus der Karriere als Sprachwissenschafter nichts wurde, ist ein Schulkollege Schuld, der in Kärnten durch "scherzo" bekannt wurde: Sam Madwar überredete Prohaska zur gemeinsamen Aufnahmeprüfung für das "Musikalisches Unterhaltungstheater" am Wiener Konservatorium: "Am Grad meiner Nervosität habe ich gemerkt, dass mir mehr daran liegt, als ich selbst vermutet hätte", erinnert sich Prohaska, der in Klagenfurt bereits in der Titelpartie von "Jesus Christ Superstar", in der "Meisterklasse" und in der "Gräfin Mariza" zu erleben war.
Traumrolle. Kürzlich hat sich für ihn ein großer Wunsch erfüllt: An der Grazer Oper singt er derzeit seine Traumrolle, den "Tony" in der "West Side Story" (übrigens wie "Les Misérables" eine Inszenierung von Josef E. Köpplinger). Als nächstes steht dann wieder Operette auf dem Plan: Im Herbst wird Prohaska an der Wiener Volksoper den "Adam" im "Vogelhändler" singen.
Features
LES MISÉRABLES
Les Misérables ist ein Musical von Claude-Michel Schönberg (Musik) und Alain Boublil (Text) nach dem gleichnamigen Roman von Victor Hugo.
Premiere: 11. Februar, 19.30 Uhr Stadttheater Klagenfurt.
Termine bis 6. Mai.
Karten: 0463) 54 0 64.












