Kärntner Soldaten unterm Weihnachtsstern in der Wüste
Im EUFOR-Camp "Star" (Stern) im Tschad feiern 160 österreichische Soldaten - unter ihnen zwölf Kärntner - das Weihnachtsfest bei sengender Hitze und den endlosen Weiten der Wüste.
Es ist Frühsommer im Tschad. Am Tag klettern die Temperaturen auf bis zu 50 Grad plus. Die Sonne verbreitet sengende Hitze. Wenn sie über den endlosen Wüsten und Savannen untergeht, kühlt es auf 20 Grad ab. "Da zieht man gleich gerne den Pullover an. Der Temperaturunterschied suggeriert dem Körper Kälte, obwohl es warm ist", schildert Oberst Gert Schriempf, Leiter der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit im Streitkräfte-Frühungskommando des Bundesheer. Der Offizier, er hat während seiner Berufslaufbahn bereits sieben Jahre bei Auslandseinsätzen verbracht, ist überzeugt: "Die Tschad-Mission ist sowohl körperlich als auch mental die größte Belastung, der jemals österreichische Soldaten bei Auslandseinsätzen ausgesetzt waren."
Sternencamp.
Im dem für rund 3500 Mann ausgelegtem Camp "Star" (Stern) am Rande der Provinzstadt Abeche' weht seit Mitte Februar dieses Jahres die rot-weiß-rote Fahne. Es ist eine Stadt in der rund 120.000 Einwohner zählenden Stadt, in der keine einige Straße asphaltiert ist und die Stromversorgung gerade einmal für 8000 Haushalte reicht.
Zu Weihnachten eingeflogen.
Acht Flugstunden trennen Vizeleutnant Herbert Schurian (52) aus Klagenfurt zu Weihnachten von seinen drei Kindern und vier Enkeln. Er ist seit 17 Jahren Berufssoldat und Sanitätsunteroffizier beim Militärkommando. Dreimal Golan, einmal Afghanistan, einmal Kosovo und Sri Lanka stehen auf seiner langen Auslands-Einsatz-Liste zu Buche. Im Tschad ist Schurian als Koordinator für medizinische Patientenevakuierungen eingesetzt.
Besinnlichkeit.
"Ich war schon öfter zu Weihnachten nicht zu Hause", erzählt der Klagenfurter. "Am meisten gehen mir die Familie, der Schnee und ein wenig Besinnlichkeit ab. Das Weihnachtsfest bedeutet für mich Besinnlichkeit, es kehrt Ruhe ein, jedoch der Winter zu Hause vermittelt mehr Weihnacht als hier die Hitze." Traurig ist der Unteroffizier jedoch nicht: "Ich hoffe, nein, ich weiß, dass alle zu Hause gemeinsam in Frieden Feiern können".
Baumschmücken.
Vizeleutnant Albin Unterzaucher ist 54 Jahre alt, Vater von drei Kindern und wohnt in Spittal. Er ist ausgebildeter Logistiker, sein letzter Job war Kommandogruppenkommandant. Im Tschad dient er als Feldzeugunteroffizier, der sich um die Versorgungsgüter im Einsatzraum kümmert. Seit 1974 ist der Vizeleutnant beim Heer, auch er war schon öfter im Ausland, als es hieß, den Baum zu schmücken. 1981 auf 1982 und 1986 auf 1987 verbrachte er ebenso wie Schurian auf den Golan-Höhen.
Sehnsucht.
Was ihm abgeht? Er lächelt: "Die Familie, die Kinder und natürlich auch die Freunde. Gerade heuer, wo es schon jetzt richtige Weihnachten mit Schnee gibt, ist die Sehnsucht nach Oberkärnten sehr groß. Die Zeit mit der Familie, das Sich-zurückziehen-können, an nichts anderes denken müssen, das funktioniert hier in Afrika nicht. Es ist ein Tag wie jeder andere, schon ein wenig festlicher, aber am nächsten Tag geht es ganz normal weiter."
Christkind und Geschenke.
Für die Familie tut es ihm schon leid, dass er nicht zu Hause ist, allerdings vergeht die Zeit so schnell, dass der 14. Februar - das Heimreisedatum - für Vizeleutnant Unterzaucher schon ganz nahe ist.
Am Heiligen Abend, hatte eine Gruppe Wachdienst im Camp - ganz wie auch sonst. Aber wenigsten konnten die anderen besinnlich Weihnacht feiern. Um 18 Uhr las der evangelische Bischof Michael Bünker ein kurzes Evangelium, danach haben die Soldaten ein wenig gesungen und zu guter Letzt gab es auch eine Bescherung: Presseoffizier Major Michael Mayerböck spielte das "Christkind", Kontingentskommandant Oberst Peter Hofer verteilte die Geschenke - finanziert werden sie vom Streitkräfteführungskommando in Graz, der Heimatbasis für Auslandssoldaten.
Sozialtelefone.
Nicht nur am Heiligen Abend können die Soldaten und Soldatinnen mit ihren Lieben daheim telefonieren, vier Sozialtelefone stehen in den Kanzleien zur Verfügung. Ein Internetcafé mit ebenso vier PC-Rechnern und zwei Telefonzellen sind seit 20. Dezember im Camp geöffnet.
Mitternachtsmette.
Um 22 Uhr fand im multinationalen Camp eine Mette statt, zu Mitternacht wurde im österreichischen Camp die Weihnachtsmette gelesen. Presseoffizier Michael Mayerböck: "Alles ist ein bisschen weniger hektischer an diesem Tag, aber die Uniformen bleiben trotzdem am Mann."












