Fantasievolle Waldromantik
Vom abgewrackten Wohnmobil in den Märchenwald: Engelbert Humperdincks "Hänsel und Gretel" in einer zauberhaften Ausstattung am Stadttheater Klagenfurt.

Foto © Stadtpresse/Helge Bauer
Unheimliche Waldgeister, weiß glitzernde Feen, bedrohliche Käfer mit orange leuchtenden Augen, blond gelockte Engel in einem moosbewachsenen Naturwald: Ganz auf poesievolle, "deutsche Wald- und Wiesenromantik" setzt man bei "Hänsel und Gretel" von Engelbert Humperdinck am Stadttheater Klagenfurt und lässt die Oper dort, wofür sie erdacht ist, im Märchenreich. Frei von tiefenpsychologischen Deutungen erzählt Ana Christine Haffter die meistgespielte "Kinderoper" (Text von Adelheid Wette, der Schwester des Komponisten nach dem Grimmschen Märchen) klar, lebendig, mit Humor und vor allem kindergerecht.
Fantastisch fantasievoll. In höchstem Maße fantasievoll und ideenreich bezaubert die Ausstattung von Rolf Langenfass: Ein herrlich naturalistischer, von Nebeln dampfender Wald mit knorrigen Bäumen, eine durch die Luft fliegende Hexe mit feuerspeienden Besen, ein knallender Backofen, ein putziges, grellbuntes Hexenhäuschen mit einem Gesicht aus Glühbirnen, aus dem unentwegt Seifenblasen entströmen und das zum Finale donnernd einstürzt. Es mangelt auch nicht an parodistischen Momenten, etwa wenn ein Oberengel mit Wikingerhelm "Walküren-like" die anderen Engel kommandiert oder wenn die Hexe als Köchin gewandet mit Kochlöffel, der auch Zauberstabfunktionen aufweist, erscheint und sich dann in eine furchterregende, pelzige Teufelin verwandelt.
Trist. Im Gegensatz dazu herrscht im ersten Bild beinharter Realismus. Da wird das Leben der "armen Leut'", die Armut der beiden Kinder schonungslos gezeigt: Man lebt in den mit Müll voll gestopften Slums, in einem abgewrackten Wohnmobil als Schlafplatz vor rauchenden Industrieschloten und Fördertürmen.
Idealbesetzung. Die beiden Titelhelden sind ideal besetzt und von natürlicher Jugendlichkeit: Julia Hajnóczy ist eine von Statur und naivem Spiel entzückende und schönstimmige Gretel, Krisztina Szabó ein stimmkräftiger und sicherer Hänsel. Wieland Satter ist ein kraftvoller, wenn auch recht eindimensional orgelnder Vater. Nicht als ideal erweist es sich, Barbara Gilbert als Mutter und als Hexe zu besetzen. Vor allem als Hexe singt sie ziemlich unverständlich und zu wenig fokussiert. Sylvia Rieser ist ein klares, aber etwas reifes Sand- und Taumännchen. Exzellent vorbereitet singt der Kinderchor des Stadttheaters und der Hasnerschule (Einstudierung: Günter Wallner).
Klangvoll. Das Kärntner Sinfonieorchester unter Peter Marschik malt den spätromantischen, üppigen, von Wagner beeinflussten Orchestersatz, der mit Elementen der Volksmusik verbunden ist und Volkslieder einbaut, sehr farbig, blühend und subtil, wobei viele Feinheiten und Schattierungen ausgekostet werden.













