Hungersnot vor dem Knusperhäuschen
Das Stadttheater zeigt ab Donnerstag Humperdincks Märchenoper "Hänsel und Gretel".

Foto © BauerBei der Klagenfurter Produktion von "Hänsel und Gretel" sollen nicht nur Kinder zum Staunen gebracht werden
Als "altfränkisches Zeug", das "zur Aufführung ungeeignet" sei, bezeichnete 1893 eine Jury die Märchenoper "Hänsel und Gretel", die Engelbert Humperdinck beim Großherzog von Sachsen-Coburg-Gotha eingereicht hatte. Dass der Dreiakter dennoch seinen Siegeszug um die Welt antreten konnte, ist dem damaligen Weimarer Hofkapellmeister Richard Strauss zu verdanken, der das "Partitürchen" trotz aller Widerstände zur Uraufführung brachte. Heute ist "Hänsel und Gretel" nicht nur eine der meistgespielten Kinderopern, sondern zugleich ein willkommener Reibebaum für Theaterexperimente. Giancarlo del Monaco erzählte sie beispielsweise als Geschichte über Kindesmissbrauch, andere schockten mit kannibalistischen Szenen rund um die Hexe.
Kritisch. Im Falle von Ana Christine Haffters Inszenierung sind derlei Experimente nicht zu erwarten. "Ich bin dafür, dass man ein durchkomponiertes Stück so gestaltet wie es gedacht wurde", gibt sich die Klagenfurt-Debütantin kritisch gegenüber dem Regietheater und ergänzt: "Ich war ja jahrelang in Bayreuth und habe es immer gehasst, wenn es hieß ,Wotan mit Speer' und es kam eine Kalaschnikow daher".
Strang der Musik. Anstatt auf tiefenpsychologische Ausdeutungen des Grimm-Märchens will sich die 39-Jährige auf die Darstellung sozialer Not konzentrieren. Haffter: "Es war mir wichtig zu zeigen, was Hunger ist. Die meisten Kinder wissen gar nicht, was das ist". Auf jeden Fall möchte die gebürtige Südafrikanerin "nah am Strang der Musik erzählen", die diesmal in den Händen von Peter Marschik liegt. Gemeinsam mit dem KSO und einem 50-köpfigen Kinderchor wird der Chefdirigent so bekannte Gassenhauer wie "Brüderchen, komm tanz mit mir" oder "Ein Männlein steht im Walde" erklingen lassen. Das Bühnenbild stammt von Rolf Langenfass, der heuer bereits die Seebühne Mörbisch mit üppigem Dekor versorgte.
Features
Fakten
"Hänsel und Gretel" im Stadttheater Klagenfurt.
Premiere: 18. Dezember, 19.30 Uhr.
Karten: 0463/54064














