Eintauchen in die Macht der Bilder
Prädikat sehenswert: Der Filmexperte Horst Dieter Sihler lässt im Klagenfurter Künstlerhaus jetzt die Bilder laufen und führt vom Animations- zum Propagandafilm.

Foto © JustHorst Dieter Sihler
Eine Woche vor Weihnachten! Wenn 20 kommen, bin ich froh." Horst Dieter Sihler stapelt tief. Im Rahmen der Ausstellung 19682008 im Künstlerhaus Klagenfurt präsentiert er erstaunliche Film-Dokumente, die - müßig zu erwähnen - "nie bei uns im Kino laufen". Allen, die sich am Wochenende nicht in den Kunstverein verirren, entgeht also wirklich was. Weil sich der Filmexperte, mit 70 Jahren erstmals im Kreis der Kulturpreisträger (Anerkennungspreis für Elektronische Medien, Fotografie und Film) den Festakt im Casineum Velden nicht entgehen lässt, hat Sihler sein exquisites Filmseminar von drei auf zwei Abende umgebaut. Sein Programm zieht er trotzdem durch.
"Wieder aufgeweckt". "Diesmal lege ich Wert auf die bildende Kunst im Film," erklärt er und skizziert zunächst die Entwicklung des Animationsfilms. Welche neue Ästhetik ergibt sich durch Computertechnik? Welche Bilder entstehen? Wer kennt die Kärntner Animationsfilmerin Bärbel Neubauer?Die Erkenntnis, dass im Hintergrund wahre Künstler am Werk sind, hat Sihler nach einer krankheitsbedingten Absenz von fünf Jahren "wieder aufgeweckt". Gewissermaßen im Schnell-Durchlauf ist der Filmjournalist und -kritiker fasziniert in diese neue Welt der technischen Möglichkeiten eingetaucht, freut sich, dass er via Computer jetzt direkt an der Quelle sitzt und keinem Verleih mehr nachrennen muss.
Sternstunden. Auch nicht bei seinem Lieblingsthema, dem phantastischen Kino. Allerdings: Hinter dem originalen Mondlandungsfilm "Footprints On The Moon" ist Horst Sihler Sihler bis jetzt vergeblich her. "Diese Bilder, das sinnliche Gefühl im Weltraum zu sein, auf einem anderen Himmelskörper und die Erde aufgehen zu sehen," schwärmt er und hofft, dass die NASA zum 40-Jahr-Jubiläum 2009 den Film wiederauflegt.
Raritäten. Sinnliche Erlebnisse sind garantiert, wenn der Filmexperte vom Makro- in den Mikrokosmos lotst, schließlich "ist die Technik so weit, dass man die Atomstruktur sichtbar machen kann". Auch da kann Sihler mit Raritäten aufwarten. So hat er sich den Zeichentrickfilm "Kosmic Zoom" extra aus Kanada schicken lassen: "Ein kleiner Animationsfilm, den ich 1968 beim Science fiction Festival in Triest gesehen habe. In einem einzigen Zoom geht es von einer Gelse in den Kosmos und dann in eine Zelle."
Riefenstahl. Hinter dem dritten Programmpunkt "Die Macht der Filmbilder" steckt eine Gegenüberstellung von Propagandafilmen (u. a. Szenen aus Leni Riefenstahls "Triumpf des Willens"). Mit Ausschnitten aus Blockbustern will Sihler beweisen, dass "man uns immer eine Ideologie verkaufen will". Nachsatz: "Vieles könnte auch von Riefenstahl sein." Allein, um die Versuchung durch die Macht der Bilder zu demonstrieren, bräuchte Horst Dieter Sihler "eine ganze Woche". Im Kunstverein tun's fürs erste zweimal zwei Stunden mit jeweils 90 Minuten Filmmaterial.
Features
Zur Person
H. D. Sihler, geboren 1938 in Klagenfurt.
Stationen: Maschinenbau-Ingenieur, Lyriker, Kunst- und Theaterkritiker, Filmjournalist und Kinomacher. Gründer des Alternativkinos in Klagenfurt














