Mehr grüne Leidenschaft
Neue Grünen-Chefin Glawischnig lotet Stimmung in Kärnten aus. "Keine Schonfrist für Große Koalition."

Foto © APAEva Glawischnig
Seit sechs Wochen ist sie die Grüne Klubobfrau im Parlament, als designierte Bundes-Sprecherin muss sie erst von der Basis bestätigt werden: Am 17. Jänner wird sich weisen, ob die Grünen Delegierten Eva Glawischnig das Vertrauen aussprechen, die Partei nach dem Rücktritt Alexander van der Bellens gestärkt in die Zukunft zu führen. Dass es einen Gegenkandidaten geben wird, konnte Glawischnig gestern bei einem Redaktionsbesuch in der Kleinen Zeitung nicht ausschließen. So oder so: Die Wahl wird für die gebürtige Kärntnerin zum Heimspiel. Denn der Parteitag findet in Klagenfurt statt.
Mehr Leidenschaft. Gestern warb Glawischnig gemeinsam mit Landesparteichef Rolf Holub in Kärnten für eine "Neuausrichtung der Partei" nach dem für die Grünen enttäuschenden Nationalratswahlergebnis. Solche "Dialog-Tage" hatte sie bereits in sechs anderen Bundesländern absolviert. Was sie mitnehmen konnte? Glawischnig: "Der Tenor ist überall der gleiche." Grüne Politik sei in den letzten Jahren kopflastig geworden. "Wir brauchen mehr Bauch, mehr Leidenschaft." Und: "Mehr direkte Kommunikation mit der Bevölkerung." Nur so könne man die Generation der Unter-Dreißigjährigen, bei denen zuletzt FPÖ und BZÖ gemeinsam 40 Prozent erzielt hatten, ansprechen.
Ankurbelung der Konjunktur. Zugleich kündigt Glawischnig einen angriffigeren Kurs gegenüber der Bundesregierung an: "Es wird wenig Schonfrist für ÖVP und SPÖ geben." An der geplanten Straßenbau-Offensive zur Ankurbelung der Konjunktur lässt Glawischnig kein gutes Haar. "Wir müssen in soziale Infrastruktur investieren: in Bildung und Pflege, nicht in Baumaschinen." Eine Analyse, in der sie sich von Ökonomen und Wirtschaftstreibenden bestätigt fühlt: "Die Wirtschaft ist da viel weiter als die Politik."
Bedingungen für Ortstafel-Ja. Wenig zuversichtlich ist Glawischnig hinsichtlich einer Lösung der Kärntner Ortstafelfrage. Hier peilt die Koalition eine Regelung im Verfassungsrang an - was nur mit einer Zweidrittel-Mehrheit (also mit mindestens einer Oppositionspartei) möglich ist. Die Grünen Forderungen für eine Zustimmung: Zum einen müssten sich alle Volksgruppen-Vertretungen mit dem Lösung einverstanden erklären. Zum anderen verknüpft Glawischnig die Unterstützung mit der Forderung nach einer Stärkung der Oppositionsrechte im Parlament. "Dann können wir über alles reden."













