Voller Spaß im halben Reich
Frech, komisch, kurz und zauberhaft: Mit dem Musical "Cinderella" am Stadttheater Klagenfurt kann die ganze Familie ihren Spaß haben.
Für alle, die es noch nicht wussten: Zum Steppen braucht man eine Steppdecke. Wie schon der Name sagt, hört eine Taube sehr schlecht. Aschenputtels künftiger Schwiegervater König Willi, der Mittelgroße, ist eigentlich Willi, der Mittellose. Er herrscht nämlich nur noch über das ganze halbe Reich, weil jede seiner sieben Töchter ein halbes Reich zur Mitgift bekam. Nebenbei bemerkt: Der Rest sieht ein bissl aus wie Österreich nach dem Zerfall der Habsburger Monarchie.
Linsen statt Brille. Außerdem muss sich der König mit einem Oppositionsführer herumschlagen, dessen Parteiprogramm auf die aktuelle Kernforderung "Schluss mit den Märchen" beschränkt ist. Der Märchenprinz ist kurzsichtig, Cinderella hat beidseitig 6,5 Dioptrien und bekommt von den Tauben beim bekannten "Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen" den Rat, Linsen anstelle der Brille zu tragen.
Parodie. Keine Frage, Thomas Pigor hat das Märchen vom "Aschenputtel" ordentlich auf Parodie umgestrickt. Und Regisseur Alexander Kuchinka, dieser sichere Tipp für flotte, freche Unterhaltung, lässt kaum eine Gelegenheit aus, seinen Schabernack zu treiben. "Ein Ball, ein Ball!", flüstert die Damenwelt aufgeregt und schon rollt einer über die Bühne. Zum Wiehern ist Horst, das steppende Pferd, dessen Vorder- und Hinterteil (Alexander Moitzi, Nora Schleicher) in der Choreographie von Ernst Gabriel Vokurek ein witziges Eigenleben führen. Lieb ist Nadine Zeintl in der Titelrolle, schiach-komisch Erich Schleyer als Stiefmutter, Andreas Wanasek als Prinz ist ein Softie, Angela Schneider und Dagmar Hellberg zeigen im coolen Bühnenbild (Judith Leikauf, Karl Fehringer) zwischen Tauben und "dancing star", was sie drauf haben. Pointiert frisieren die königlichen Hofmusiker unter Führung von Daniel Große Boymann die Melodien. Kaum zu glauben, dass die nur zu viert sind.
Fazit. Kinder ab sechs Jahren werden sich nicht langweilen, ihr Märchen aber unter Umständen nicht wieder erkennen.
Features
Zum Stück Cinderella
Familienmusical von Thomas Pigor. Regie: Alexander Kuchinka. Termine: Bis 23. Jänner. Karten: 0463/54064.














