Deprimierende Tiefblicke in eine Kinderseele
Beklemmende "Ritzen"-Premiere im ((stereo)) - Solostück über Autoaggressives Verhalten.
"Warum fühle ich nichts mehr", fragt der blonde Jüngling auf der kargen Bühne des Klagenfurter ((stereo)) und ritzt sich seine Arme blutig: um sich wieder zu "spüren", sich zu vergewissern, dass es ihn noch gibt. "Stanleymesser ist das Beste", am zweitbesten sei der Bic-Rasierer, erklärt er dem betroffenen Publikum.
Emo. Der einsame Jugendliche auf der Bühne ist ein so genannter Emo. Durch das "Ritzen" lässt er heraus, was an verschütteten Emotionen in ihm steckt: die ganze Verzweiflung einer tristen Kindheit mit Liebeskummer, Drogen, Klinikaufenthalten, Konflikten mit der Polizei.
Gespräche mit Betroffener. Regisseur Michael Sokolar hat das auf Gesprächen mit einer Betroffenen basierende Stück von Walter Kohl weiterentwickelt und für einen männlichen Protagonisten adaptiert. Christian Krall führt diesen beklemmend lebensnah vor Augen, schlüpft in seinem knapp einstündigen Solo in die Rolle des Abenteuer suchenden Internetjunkies, des enttäuschten Liebhabers oder des misshandelten Kindes. "Das Bewusstsein für autoaggressives Verhalten zu schärfen" ist eines der Anliegen des Stücks. Das ist dem 20-jährigen Friesacher deprimierend gut gelungen.
Features
Infos zum Stück
Weitere Aufführung im Klagenfurter ((stereo) am 9.10., 19.30 Uhr.
Am 10.10., 20 Uhr: Stadtsaal Friesach,
Karten: 0676/430 16 61












