"Wir waren vom Glück verwöhnt"
Mit Peter Shaffers "Amadeus" eröffnet das Klagenfurter Stadttheater am Samstag seine Schauspielsaison. Regie führte Josef Ernst Köpplinger, der mit seiner altbewährten Erfolgsproduktion ein "Wechselbad zwischen Komik und Tragik" verspricht.

Foto © Stadttheater Klagenfurt/Helge Bauer
Es ist etwas mehr als zehn Jahre her, da saß Götz George in einer Berliner "Amadeus"-Aufführung und hatte ein Aha-Erlebnis. "Der hat den Julian Weigend gesehen und gesagt: Das wird mein Partner in Schimanski", erinnert sich Josef Ernst Köpplinger, der damals Regie führte. Während die Inszenierung für den Berliner Theaterpreis nominiert wurde, startete Weigend eine große Film- und Fernsehkarriere, ohne je dem Theater untreu zu werden.
"Glücksfall".
Ab Samstag steht der gebürtige Grazer als Antonio Salieri auf der Bühne des Klagenfurter Stadttheaters, frei nach Köpplingers Motto: "Never change a winning team." Für den 44-jährigen Regisseur ist es bereits die dritte Inszenierung der tiefschwarzen Peter Shaffer-Komödie: "Vier Tage vor meiner Designierung als Intendant des Stadttheaters hatte ich damit in St. Gallen Premiere." Kein Wunder, dass er den "Glücksfall" in Klagenfurt wiederholen möchte. "Ich finde es sehr wichtig, dass man mit bewährten Produkten seinem Publikum Gutes tut, aber nur unter der Voraussetzung, dass die Qualität erhalten bleibt", entgegnet Köpplinger dem Einwand, dass er sich gerne selbst wiederhole.
Offene Frage.
"Amadeus ist eines meiner Lieblingsstücke überhaupt", erklärt der gebürtige Niederösterreicher. Es sei eine "wunderbare Parabel" über das Zusammentreffen zweier unterschiedlicher Menschen, "einen bigotten italienischen Komponisten, der vor Neid platzt und einen verrückten Jungstar, der nicht in die Gesellschaft passt." Was das Stück "so schön" mache, sei "die Sinnlichkeit dahinter, das Wechselbad zwischen Komik und Tragik", wobei Shaffers Botschaft eigentlich ernüchternd ist: "Es bleibt die Frage offen: Hat nur der Mittelmäßige dauerhaft Erfolg?"
Der englische Turrini.
Den 82-jährigen Briten bezeichnet Köpplinger jedenfalls als "einen der brillantesten Autoren der Gegenwart" und fügt überraschend hinzu: "Für mich ist er der englische Turrini. Was bei beiden so erstaunlich ist: Der Inhalt ist verpackt in eine poetisch-sinnliche Theaterarbeit. Sie haben das, was man Theaterpranke nennt."
Köpplinger springt in der Not ein. Neben Weigend in der "Monsterrolle" des Salieri, wird der Schweizer Livio Cecini den Amadeus spielen. Auch Porcia-Prinzipal Peter Pikl ist mit von der Partie, und zwar als Kaiser Joseph II. "Nach so vielen Jahren der Abstinenz war es an der Zeit, dass man ihn zurückholt", meint Köpplinger über seinen Kollegen, der den "Amadeus" erst jüngst in Spittal inszenierte. Mit einer Gegeneinladung rechnet der Stadttheaterchef allerdings nicht: "Ich habe meine Schauspielkarriere beendet und springe ein, wenn Not am Mann ist. Aber ich bin keiner, den es auf die Bühne drängt."
Positive Bilanz.
Mit seinem Start am Stadttheater ist Köpplinger, dem ?auch die Volksoper angeboten“ worden war, übrigens zufrieden: ?Wir waren im letzten Jahr vom Glück verwöhnt.“ Äußeres Indiz dafür: 110.716 Besucher, um 9124 mehr als in der letzten Spielzeit von Dietmar Pflegerl. Wobei Köpplinger relativiert: ?Zu Spitzenzeiten von Wochinz gab es 150.000.“ Was jedoch ?noch nichts über die Qualität“ aussage. Prestigereiche Gastspiele, etwa von ?Ariadne“ an der Staatsoper Nürnberg oder der Volksoper Wien, könnten da schon eher Hinweise geben.
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Zuvor aber wird der Intendant in Klagenfurt eine weitere Neuauflage wagen, mit ?Gräfin Mariza“, die unter anderem am Münchner Staatstheater reüssierte. ?Ich hätte danach, ginge es nach den Angeboten, fünf Jahre lang nur Mariza machen können“, beteuert der gelernte Sänger und Pianist. Allerdings fühle er sich auch einer Bitte seines Vorgängers verpflichtet: ?Dietmar Pflegerl hat einmal zu mir gesagt: Bitte mach die Operette selbst! Da bist du Spezialist.“ Bei der Premiere am 25. Oktober wird dieses Versprechen hoffentlich eingelöst werden.
Features
Infos
Premiere: Samstag, 4.10., 19.30 Uhr; Weitere Termine bis 29. November. Karten-Info: 0 46 3/540 64
Über das Stück
Peter Shaffers "Amadeus" wurde 1979 uraufgeführt und gilt spätestens seit der Verfilmung durch Milos Forman (1984) als Klassiker des zeitgenössischen Theaters. Shaffer greift in seiner schwarzen Komödie auf Gerüchte zurück, wonach der Komponist von seinem heute relativ unbekannten Kollegen, dem Wiener Hofkompositeur Antonio Salieri, vergiftet worden sei.













