Täuschen und Tarnen mit viel Witz
Die Klagenfurter Stadtgalerie zeigt "Acht frische Positionen" zum Thema Konsum und Werbung.
"Best before - haltbar bis" bezeichnet für gewöhnlich Konsumgüter mit Ablaufdatum. Das Gegenteil - nämlich zeitlos und erfrischend - möchten die acht künstlerischen Positionen sein, die in der Stadtgalerie unter diesem Titel firmieren. "Die gezeigten Arbeiten reflektieren unser Verhältnis zu Konsum und Werbung sowohl in seinen anziehenden, als auch abstoßenden Facetten", erläutert Stephanie Guse, die etwa aus Inlays von Bonbonnieren exklusive Designertaschen fabrizierte.
Billige Fakes. Ist es hier Abfall, der auf den ersten Blick kostbar wirkt, so entpuppen sich gleich um die Ecke Luxusgegenstände, wie etwa ein riesiger Luster, als billiger Fake. Ihn hat die Künstlerin aus Joghurtbechern und Polsterfolie zusammengebastelt. Ähnlich verfährt Heike Weber. Sie zeichnete Kelims auf Papier oder schuf einen Riesenteppich aus Silikon, fein gewirkt wie Brüsseler Spitze.
Übersättigung. Täuschen und Tarnen, Dingen des Alltags eine neue Bedeutung geben, das ist das künstlerische Prinzip, mit dem die acht jungen Deutschen überraschen und amüsieren. Nicht selten auch mit Wortwitz. "Entweder du spülst" heißt beispielsweise ein gemalter Stapel Geschirr von Ralf Edelmann. Eine Holzplastik - offenbar als Geschenk konzipiert - trägt den Namen: "Entschuldigung für das Wochenende mit der Sekretärin".
Ohne Anfang und Ende. Von der Übersättigung durch die Bildschirme erzählen die Arbeiten von Walter Eul, der seine veränderlichen Bilder mittels Computer generierte und riesige Leinwände ohne Anfang und Ende zeigt, Antikompositionen, die durch ihre Überfülle an Details kaum erfassbar sind.
Als Meister des Recycling erweisen sich auch Hans Kotter und Michael Nitsche. Ersterer reanimierte alte Leuchtreklamekästen und baute sie zu hochästhetischen Lichtobjekten um. Bei Nitsche sind es ausrangierte Stofftiere, die durch Verfremdungen - etwa das Übergießen mit Paraffin - zu Wesen einer märchenhaften, im Unbewussten verankerten Schattenwelt mutieren.
"Fassaden äußerer Coolness". Wie barocke Spieluhren gebärden sich die Arbeiten von Jörg Koch, der technische Gerätschaften (Beatmungsgerätes, Säge etc.) zu blinkenden, geräuschvollen "Fassaden äußerer Coolness" montierte und die Frage nach der "Stellung des Menschen in der heutigen Maschinenwelt" stellt.
"Glücksbilder mit vorprogrammierter Enttäuschung" nennt Ulrik "Happy" Dannenberg seine glänzenden Bonbons und Riesenlutscher. Leider sind die Appetitanreger aus Acryl und Gießharz ungenießbar. Weshalb der Künstler zu Recht behaupten darf: "Das wahre Glück findet im Kopf und nicht im Magen statt."














