Dunkelkammer-Literat
Er hat Peter Turrini, Juli Zeh und Michael Köhlmeier das Gesicht zerkratzt: Marko Lipus (34) "verfotografiert" Literarisches.
Was haben Peter Turrini, Barbara Frischmuth, Juli Zeh und Michael Köhlmeier gemeinsam? Neben ihrem literarischen Schaffen wurden sie, wie viele weitere Autoren, von Marko Lipus im Rahmen seiner "Verfotografierungen" abgelichtet, einer Fotoserie die sich mit Literatur beschäftigt. Oft werden Texte verfilmt, Marko Lipus sucht Autoren aus und "verfotografiert" einzelne Textseiten als Teil der Serie "Kratzungen". Bei der Technik dieser Fotos werden Schwarz/Weiß-Negative durch Kratzen, Übermalen, Schneiden und Kleben verändert und gebrochen. So entstehen zusammengesetzte Bilder die, anders als herkömmliche Collagen, reproduzierbar sind, da die Veränderung am Negativ selbst stattfindet. "Das ist mir wichtig, da so ein wichtiges fotografisches Merkmal gewahrt bleibt", erklärt der gebürtige Kärntner, der in Wien und Prag Fotografie studiert hat und jetzt in Wien lebt.
Nicht "retro".Auch wenn die Kritik grundsätzlich positiv ausfällt, werden die "Kratzungen" in der fotografischen Welt für Lipus' Gefühl oft falsch verstanden, nämlich als "Retro" abgehandelt. "Was sie aber nicht sind, mir ist nicht bekannt, dass so etwas schon einmal da gewesen wäre", so der Sohn des Schriftstellers Florjan Lipus, der ebenfalls "verfotografiert" wurde. Marko Lipus' Arbeiten seien nicht unbedingt im Trend der jetzigen Fotokunst. Denn dessen Ästhetik "ist abgedroschen bis zum Geht-Nicht-Mehr", bemerkt Lipus, wenn er durch Wiener Galerien geht.
Etabliert. "In Kärnten gibt es durchaus Institutionen und Personen, die gute Arbeit im Bereich Kunst leisten und bereit sind, etwas auf die Beine zu stellen." Sich zu etablieren sei nicht so schwer, aber davon zu leben schon. "Das ist in der Großstadt einfacher", meint der Künstler. Den Unterschied zwischen den Kunstszenen in Wien und Kärnten sieht Lipus in der Offenheit: "Wien ist viel verschlossener. Ländliche Institutionen trauen sich mehr, sind viel unbekümmerter als so manche in Wien."
Stellenwert. "Natürlich hat Wien einen höheren Stellenwert als Kärnten, und Berlin hat einen höheren Stellenwert als Wien", weiß Lipus aus eigener Erfahrung. In Wien passiere nichts Neues in der fotografischen Kunst: "Wiener Galerien sind keine Trendsetter. Mir ist noch keine aufgefallen". Kratzungen. Marko Lipus im Klagenfurter Musilhaus. Ab heute, 19 Uhr, auch im Museumsquartier Wien (Eikon-Schaufenster; bis 4. Dezember)













