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Zuletzt aktualisiert: 14.09.2008 um 16:33 Uhr

Vergangenheit mit großer Zukunft

Seit 60 Jahren wird am Magdalensberg professionell und systematisch geforscht. Grabungsleiter hofft, am Gipfelbereich eine norische Stadt nachweisen zu können.

Der Jüngling vom Magdalensberg

Foto © APA Der Jüngling vom Magdalensberg

Schuld ist der Jüngling, in den ein Bauer anno 1502 mit voller Wucht hinein gepflügt hat (die Delle ist heute noch zu erkennen). Da war die idealtypische Männerstatue mit Knack-Hintern und Sixpack-Muskelbauch schon 1600 Jahre alt und dürfte weitaus mehr als 1000 Jahre in erstaunlicher Höhe in der Erde des Magdalensbergs gesteckt haben. Wo so eine Statue ist, da muss noch mehr sein, dachten Interessierte und versuchen seit damals, der Stätte ihre Geheimnisse zu entlocken. Bis heute . . .

Aller Anfang ist schwer. Die Anfänge waren chaotisch. Im 18. Jahrhundert plünderten Bauern die Gräberstraße und verkauften ihre Beute dem Geschichtsverein, der so zu einer stattlichen Sammlung kam. Immer wieder wurde punktuell geforscht. Vor gut hundert Jahren wurde der Tempelbezirk auf dem Gipfel untersucht.

Safari-Zelte. Im Jahr 1948 - vor genau 60 Jahren - begannen die professionellen und systematischen Ausgrabungen am Magdalensberg mit Unterstützung des Landes und des Österreichischen Archäologischen Instituts. "Das war das kulturpolitische Aufbausymbol des Landes nach dem 2. Weltkrieg", erklärt der wissenschaftliche Leiter, Heimo Dolenz vom Landesmuseum. Den rudimentären Charme der Aufbruchszeit hat ein Foto von 1948 eingefangen: Georg Khevenhüller hatte den Mitarbeitern seine Safari-Zelte zur Verfügung gestellt. Die mit einem Dach geschützte Gulaschkanone wurde übrigens bei der 60-Jahr-Feier Ende dieser Woche reaktiviert.

Bedeutend. Die Bedeutung der Ausgrabungsstätte ist gewaltig. Dolenz: "Nach der Okkupation durch die Römer war die Stadt am Fuße des Magdalensberges das Verwaltungszentrum für ein Gebiet, das vom Chiemsee bis knapp an die Karawanken und vom Plattensee bis zum Inn reichte. Man könnte sie als erste Hauptstadt in Österreich bezeichnen."

Heiße Diskussion. Wie lebendig die Stätte bis heute ist, zeigt die heiß geführte Diskussion, ob die Siedlung norische bzw. keltische Grundlagen hat oder römische. Zweifler wie Dolenz' Kollege Paul Gleirscher bestreiten den "Kelten-Mythos", weil aussagekräftige Funde erst aus der Zeit nach dem Jahr 15 v. C. vorlägen, und da waren die Römer schon da. Dolenz hingegen sieht in unzähligen Kleinfunden in den Erdschichten - vor allem Keramik - den Nachweis, dass die Römersiedlung auf älteren norischen Grundlagen fußt.

JOCHEN BENDELE

Magdalensberg

Archäologischer Park. Das Areal am Fuße des Berges ist knapp vier Hektar groß und umfasst 24 Schauräume mit 650 Quadratmetern Fläche. Mitarbeiter. Zeitweise sind bis zu 70 Personen beschäftigt. Zu den Aktivitäten am Berg kamen Aufgaben wie die Observanz des Kernraums "Zollfeld".

Heimo Dolenz Kurzinterview

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