"Geld" im Keller und am Dachboden
Wer in schwierigen Zeiten schnelles Geld braucht, kann im Klagenfurter Dorotheum Wertgegenstände versetzen. Von dieser Möglichkeit wird immer häufiger Gebrauch gemacht.
Benzin und Essen werden immer teurer. Die Inflation steigt. Die Zeiten sind schwierig, finanziell gesehen. Menschen, für die es eng wird, haben die Chance auf schnelles Geld - und zwar im Dorotheum. Das ist unter anderem ein Pfandleihhaus, das sich selbst lieber Auktionshaus nennt. Zu den zahlreichen Niederlassungen gehört auch eine in Klagenfurt.
Anstieg in den letzten Monaten. "Es stimmt, in den letzten Monaten ist ein Anstieg von Belehnungen zu verzeichnen", weiß Filialleiterin Claudia Kürbos. Das liege zum Teil sicher am hohen aktuellen Goldpreis, den Kunden für ihren Schmuck erlösen können. Als soziales Barometer läßt sich die Belehnungszahl nur schwer verwenden, da die Kunden nicht über ihre Motive befragt werden. Sie stammen aber aus allen Schichten, Berufsgruppen und Alterstufen. "So kommen die Leute schnell und unbürokratisch zu Geld - im Durchschnitt zu 350 Euro."
20 Prozent werden versteigert. Drei Monate plus sechs Wochen Nachfrist behält das Dorotheum beliehene Gegenstände; wenn sie nicht ausgelöst sind, werden sie versteigert. Das Dorotheum deckt seine Unkosten (bei 350 Euro wären das etwa 8,75 Euro pro Monat). Sollte dann noch Geld übrig bleiben, bekommt es der Kunde. Bis zu 20 Prozent aller Gegenstände erwartet so ein Schicksal, und im Magazin des Dorotheums stapeln sich Güter im Wert von einigen hunderttausend Euro.
Genau geprüft. Dabei kann es ganz schön dramatisch zugehen. "Manche Kunden ärgern sich, weil ihr Angebot nicht unseren Qualitätsanforderungen entspricht", sagt Kürbos. Fernseher und Handys werden grundsätzlich nicht angenommen, gefälschte Edel-Uhren werden von geschulten Schätzern sofort erkannt - und selbst manche Schmuckstücke bringen weniger als erhofft, "weil Fasson oder Qualität nicht gut oder sie einfach unmodern sind".
Unerwarteter Schatz. Doch es geht auch anders herum: "Heuer kam eine Frau mit einem Bild, die keine Ahnung hatte, dass sie einen Dachbodenschatz gefunden hatte. Unser Schätzmeister Christian Tschuk identifizierte es als Werk von Marie Egner, Österreichs bekanntester Stimmungsimpressionistin. Es wurde um 41.800 Euro versteigert." Kürbos nennt auch das ausgefallenste Auktionsobjekt: "Das war ein Hubschrauber, der mehr als 1,2 Millionen Schilling erlöste."
Dachboden und Keller. Es kann sich also durchaus lohnen, mal auf den Dachboden zu klettern oder in den Keller abzutauchen - auch wenn man nicht gleich einen Hubschrauber findet.













