"Wunderharfe" im Kampf gegen Windmühlen
Fabio Luisi und seine Staatskapelle Dresden.
Miguel Cervantes hat ihn im Roman unsterblich gemacht, den fahrenden Ritter, der im Wahnsinn die reale Welt erhöht und sie damit gleichzeitig parodiert. Richard Strauss hat ihn in tragikkomischer Persiflage vertont: "Don Quichotte, phantastische Variationen über ein Thema ritterlichen Charakters" ist zudem ein Solostück für einen Cellisten, der den Ritter von der traurigen Gestalt darstellt. Und der war beim Abschlusskonzert des Carinthischen Sommers im Congress Center Villach mit Jan Vogler vorzüglich gewählt. Der Deutsche spielte mit bestechender Virtuosität, großer Farbigkeit und innigem Ausdruck das mit Dissonanzen und rhythmischen Verschiebungen gespickte Werk. Neben ihm brillierte Sebastian Herberg als "Sancho Pansa" auf der Solobratsche.
Niveau. Unter ihrem sonst üblichen Niveau begann die Staatskapelle Dresden unter Fabio Luisi: Man kämpfte nicht nur gegen Windmühlen, sondern auch gegen Unsauberkeiten und unexakte Einsätze. Erst im Laufe des zugegeben extrem diffizilen Werkes und uneingeschränkt bei der 4. Symphonie von Johannes Brahms wurde klar, warum die Musiker aus Sachsen gerne als "Wunderharfe" bezeichnet werden: Wunderbar farbig und warm hörte man die Streicher insbesondere im harmonisch reichen Seitenthema des 2. Satzes. Strahlend erklangen Blech und Holz. Ein quirliger und stets befeuernder Luisi, seit einem Jahr Generalmusikdirektor des Orchesters, zog alle denkbaren Register an Dynamik und Nuancen und wurde dem Spätstil Brahms voll gerecht.
Wiedersehen. Ein Wiedersehen mit dem italienischen Maestro wird es übrigens nächsten Jänner anlässlich seines 50. Geburtstages mit den Wiener Symphonikern im Konzerthaus Klagenfurt geben.













