Vom Klang des Fladenbrots
Brot und Spiele beim Musikforum Viktring: Preisträgerkonzert des Gustav-Mahler-Wettbewerbs mit dem Janus Ensemble Wien.
Wie klingt vertontes Brot? Wie klingt eine verstimmte Zither? Wie klingt ein Papierinstrument? Angetan, mittels ihrer Kompositionen diese Fragen zu beantworten, stellten sich die Preisträger des 14. Gustav-Mahler-Wettbewerbs dem Publikum. Die Vorgabe der Jury - 20minütiges Werk für Orchester und Solo-Zither - hatte den Anstoß zu drei höchst unterschiedlichen Stücken gegeben.
Fladenbrot. Für "Carmu" hatte die Südtirolerin Manuela Kerer den 3. Preis erhalten. "Carmu" steht für "carta di musica", eine andere Bezeichnung für "pan carasau", das Fladenbrot der sardischen Hirten, das auch in größter Hitze lange hält. Selbstgefertigte Okarinas aus Papier geben Anklänge an Hirteninstrumente, fließende Streicherbewegungen haben beruhigende Wirkung. Die flirrende Stille und großzügige Breite - Eigenschaften dieses klanglich interessanten Stücks - erinnern an die Ruhe weiter Landschaft. Kerer, studierte Psychologin und eben mit ihrer Dissertation über Wirkung von Musik bei Krankheit beschäftigt, gelingt es mit "Carmu", beim Zuhörer Ausgeglichenheit zu erzeugen.
Kopflastig. Anders die Komposition "Sfumato" von Clemens Nachtmann, des 2. Preisträgers. Während die Zither bei Kerer kaum Solofunktion bekommt, teilt ihr Nachtmann einen schwierigen Part zu, den Wilfried Scharf zu bewältigen hat. Bei aller Kunstfertigkeit hinterlässt "Sfumato" aber einen sperrigen, kopflastigen Eindruck. Das Stück kommt nie wirklich in Schwung, entwickelt kaum einzuhörende Strukturen, bleibt spröde. Ein Zusammenhang zum Titel - "sfumato" bedeutet "verwischt" und bezeichnet eine Maltechnik aus der Renaissance - stellt sich nicht ein.
Siegerstück. Schon eher passt dieser Eindruck zum Siegerstück "Pidgen - erratischer Block II" von Leopold Hurt aus Hamburg, der die Zither selbst beherrscht. Er stimmt das Instrument auf Vierteltöne, erreicht dadurch verschwommene, spannende Klänge, die bis zum Schluss rätselhaft bleiben, und lässt Zither und Orchester in ein lebendiges Spiel miteinander treten. Ein verdienter 1. Preis!













