In Kärnten ein Sololauf von Jörg Haider
BZÖ-Landeschef sitzt ein Dreivierteljahr vor der Wahl fest im Sattel. Schärfste Konkurrentin ist zurückgetreten, die ÖVP zieht mit ihm. Ein Füllhorn voll sozialer Leistungen übertüncht die tatsächliche Lage.
Platzsprecher sind oft wie Platzregen - unangenehm. Jetzt wisse man, warum Jörg Haider die Jagdprüfung gemacht hat, wollte einer am Samstag beim Arnulffest in Moosburg witzig sein - "damit er Gaby den Blattschuss geben konnte". "Nein, das war Auftragsarbeit der SPÖ", stieg der Kärntner Landeshauptmann darauf ein, statt den Halblustigen in die Schranken zu weisen.
Inserate mit "stabilem Faktor". Gaby Schaunig kümmert die Verhöhnung nicht mehr. Weil sie in der "Unkultur unter Haider" nicht länger Politik machen wolle, trat die SPÖ-Chefin letzte Woche zurück. Damit ist Haider seine schärfste Kritikerin abhanden gekommen. Schaunig war vor drei Jahren angetreten, Haider als Landeshauptmann abzulösen. Dass er jetzt als Gewinner dasteht, nimmt sie in Kauf. Der Rücktritt sei für ihre "persönliche Hygiene unabdingbar" geworden. In ganzseitigen Inseraten in den Kärntner Tageszeitungen rühmte sich Haider gestern, "der einzige stabile Faktor" zu sein. Tatsächlich sitzt er fester im Sattel denn je. Alle Umfragen sehen sein BZÖ über den 42 Prozent bei der Landtagswahl 2004, als Haider noch mit der FPÖ antrat. Die SPÖ liegt fast zehn Prozent hinten. Die ÖVP krebst bei den elf Prozent der letzten Wahl herum. Geht es bis zur Landtagswahl im März 2009 so weiter, könnte er an die absolute Mehrheit anklopfen. Denn bis zur Wahl wird fast jeder zweite Kärntner Bares von Haider bekommen haben.
Teuerungsausgleich.
Babygeld, Kindergeld, Müttergeld, Gratis-Kindergarten, Teuerungsausgleich und Tankgeld gibt es an sozialen Segnungen. Finanziert aus dem Hypo-Zukunftsfonds, der mit dem Verkaufserlös der Landesbank zu Haiders Handkasse und Ersatzbudget geworden ist. Die schlechten budgetären und wirtschaftspolitischen Kenndaten werden davon überlagert.
Allein auf dem Spielfeld. Derzeit ist Haider überhaupt allein auf dem Spielfeld. ÖVP-Chef Josef Martinz ist nach einem schweren Autounfall außer Gefecht. Er ist glücklich, den Frontalzusammenstoß überlebt zu haben. Der Interimschef der SPÖ, Reinhart Rohr, ist mit der Neuordnung der Partei beschäftigt. Der fachlich kompetente und leutselige Landesrat würde auch gerne Spitzenkandidat sein. Weil ihm pointierte Angriffigkeit fehlt, hat das alte Spiel begonnen: im Hintergrund gegen den Vormann quer zu schießen. Seit die SPÖ 1999 gegen Haider die absolute Mehrheit verloren hat, haben die ewigen Kritisanten - darunter die starken direkt gewählten Bürgermeister der Bezirksstädte - eine Legion an Parteichefs verbraucht. Schaunig blieb lange verschont. Zuletzt gärte es aber spürbar. Haider war es gelungen, der SPÖ-Chefin das Image der Streitsüchtigen und Neinsagerin umzuhängen. Zumal sie den Angriff gegen Haider allein führen musste. Die Bürgermeister wollten vom Landeshauptmann immer etwas haben.
HOnorarskandal. Nach dem Verkauf der Hypo, den sie gemeinsam durchzogen, schlug sich ÖVP-Chef Martinz vollends auf Haiders Seite. Sie installierten im Landtag einen Pflege-Untersuchungsausschuss, um Sozialreferentin Schaunig zu quälen. Die ÖVP brauchte Ablenkung. Zeitgleich war nämlich ein Skandal publik geworden. Martinz hatte im Zuge des Hypo-Verkaufs seinem privaten Steuerberater einen Zwölf-Millionen-Euro-Auftrag zugeschanzt. Auch wenn das Honorar nach einem gewaltigen Aufschrei um die Hälfte reduziert wurde, pickt es wie Kaugummi an Martinz.
Veranstaltungsreigen. Während der schwarze Parteiobmann den denkbar schwersten Imageschaden davongetragen hat, kann Haider als großzügiger Landesvater durchs Land ziehen. Das will er den ganzen Sommer über tun. Statt Urlaub steht der Kärntner Veranstaltungsreigen auf seinem Programm. "Weil er sonst nichts hat und weiß, dass er bundespolitisch nie mehr eine Bedeutung haben wird, hetzt er so verbissen durch Kärnten", sagt Schaunig. Sie wird indessen den Sommer im Strandbad Klagenfurt genießen.
Wahlrecht. Vielleicht wird Haider am Wahlabend an sie erinnert. Die SPÖ-Chefin hatte die Initiative zur Demokratisierung des Kärntner Wahlrechtes ergriffen. Mit dem Beschluss einer Fünf-Prozent-Hürde für die Vergabe der Reststimmen gegen den Willen des BZÖ dürften die Grünen mit ihrem engagierten Landessprecher Rolf Holub abgesichert sein. Der FPÖ wurde die Chance eröffnet, in den Landtag einzuziehen. Obmann Franz Schwager will dafür sorgen, dass Haiders "Bäume nicht in den Himmel wachsen". Mehr wird allen vier Parteien wohl auch nicht gelingen. Zumindest aus heutiger Sicht.













