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Zuletzt aktualisiert: 29.06.2008 um 05:00 UhrKommentare

"Das kleinste Heim ist eindeutig das beste"

Für den kritischen Mediziner und Pflegeombudsmann Werner Vogt ist menschenwürdige Pflege unabdingbar an kleine Heime gekoppelt. Kärnten könne zum Vorbild werden.

Werner Vogt braucht nicht lange nachzudenken, wenn man ihn auf die richtige Größe für ein Pflegeheim anspricht: "Das kleinste Heim ist das beste, das größte Heim ist das schlechteste." Kleinheit bedeute Übersichtlichkeit und das sei sowohl für die Gepflegten wie auch für die Belegschaft am besten.

"Nicht massenverträglich." Der alte Mensch, sagt Vogt, sei nicht besonders "massenverträglich", sehne sich nach Übersichtlichkeit. Deshalb wolle man im Normalfall am Ende des Lebensweges am liebsten zu Hause sein. Ein Heimplatz sollte sich nahe der gewohnten Umgebung befinden, weil Entwurzelung am meisten schade. Genau diese Gefahr beschwören aber große Betreuungseinheiten herauf, weil sie kleine regionale Einheiten zurückdrängen würden. Doch menschenwürdige Pflege kann für Vogt nach nur einem Grundsatz funktionieren: "Dort wo der Mensch gelebt hat, soll er auch gepflegt werden und sterben können. Beherzige ich das, heißt das kleine Einheiten."

Kontakt halten können. Diesen Idealzustand sieht Werner Vogt in der kleinen Vorarlberger Gemeinde Hohenems verwirklicht, wo es ein Pflegeheim am oberen und eines am unteren Ende des Dorfes gebe. "So ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass Menschen Kontakt halten können, als wenn jemand aus einem Kärntner Seitental nach Klagenfurt oder Villach müsse."

"Denken sie an Lainz". Dem Liebäugeln mit großen Betreuungseinheiten - von Heimbetreibern wie Teilen der Politik in Kärnten - erteilt der Experte eine klare Absage. Ins Treffen geführte ökonomische Gründe seien keineswegs bewiesen. "Und denken sie doch an Wien, wo vor noch nicht allzu langer Zeit in Lainz 3000 Menschen untergebracht waren. Da wächst die Zahl der Unglücke und der Skandale, die nach außen dringen."

Vorbild Kärnten möglich? Vogt hält 50-Betten-Heime für eine ideale Größe und würde Sozialreferentin Schaunig (die er zum Thema Gesundheit und Pflege berät) gratulieren, "wenn sie das zusammenbringt". Kärnten würde sich mit dieser Lösung einmal in einem Bereich als "vorbildlichst in Österreich" in Szene setzen. Im Gegensatz zu seinem vormaligen Wirkungsgebiet Wien, das er mit Heimen mit immer noch 350 Plätzen als "rückschrittlichst" einstuft.

WOLFGANG RAUSCH

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