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Zuletzt aktualisiert: 21.04.2008 um 20:31 Uhr

"Ich bin der letzte meiner Spezies"

Der Klagenfurter Gold- und Silberschmied Guido Kapsch beklagt das Sterben seines Faches und arbeitet unverdrossen für die Europaschau in St. Paul.

Wer in seine Vita angeben kann, er sei "Goldschmied der Bischöfe Österreichs", der braucht eigentlich keine Auszeichnung mehr. Dennoch hat sich Guido Kapsch nicht schlecht gefreut, als er kürzlich vom Bundespräsidenten das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik erhielt. "Bitte erwähnen Sie das bestenfalls am Rande", gibt sich Kapsch bescheiden. Gesagt, getan.

Ahnung von Wert. Worin bestehen nun die besonderen Verdienste des 57-jährigen Gold- und Silberschmieds? Ein kurzer Blick in sein Klagenfurter Atelier genügt, um davon zumindest eine Ahnung zu bekommen. Umrahmt von alten Möbeln und Gemälden liegt hier auf einem Arbeitstisch die "Krümme" eines Abtstabes, den das Stift St. Paul seinen Händen anvertraut hat. "Eine Augsburger Arbeit um 1800. Das Beste vom Besten. Nicht einmal der Vatikan besitzt zum Teil so wertvolle Arbeiten", schwärmt Kapsch.

Gut überlegt. Bei der Europa-Ausstellung im kommenden Jahr wird der goldene Stab ebenso zu sehen sein wie jene Monstranzen, Kelche oder Tafelmedaillons, die Kapsch in den vergangenen 15 Jahren für das Benediktinerstift restauriert hat. Selbst das unschätzbare Adelheidkreuz durfte er auf Hochglanz bringen. Ein Vertrauen, das sich Guido Kapsch hart erarbeiten musste. "Es hat 20 Jahre gebraucht bis ich die Möglichkeit hatte, in den musealen Bereich einzudringen. Jeder Handgriff muss nämlich drei, vier Mal überlegt werden. Jeder Fehlgriff macht Jahrhunderte an Kultur zunichte".

Metallrestaurator. Nach seiner Ferlacher HTL-Ausbildung hat sich das fünfte von sechs Kindern eines Leobener Richters im Ausland - zwischen Südafrika und Mexiko - zum Metallrestaurator weiterentwickelt - eine Berufswahl, die mangels potenter Auftraggeber selten geworden ist. "Bedarf wäre schon gegeben, aber nicht das Geld, um die Leistungen zu bezahlen. Wenn wir nicht Aufträge aus dem Ausland hätten, wäre es zu wenig", sorgt sich Kapsch um die Zukunft seines Standes und bedauert: "Ich bin der letzte meiner Spezies, der einzige in Österreich, dem man wirklich das Teuerste vom Teuren in die Hand geben kann". Nach seiner Pensionierung "in drei, vier Jahren" dürfte sich daher ein großes Loch auftun.

Papst-Goldschmied. Vor allem für die bereits genannten Bischöfe. Denn sie waren bisher nicht nur Finanziers von Restaurierungen, sondern auch Abnehmer von eigenen Kreationen des Edelhandwerkers. Für Egon Kapellari, wie er ein gebürtiger Leobener, schuf Kapsch "einige Bischofsstäbe", für dessen Nachfolger Alois Schwarz ein schönes Brustkreuz. Selbst der Papst trägt sakralen Schmuck "made by Kapsch". Zum 500-Jahr-Jubiläum der Schweizer Garde erhielt Benedikt XVI. zum Beispiel einen goldenen Rosenkranz geschenkt. Kapsch dekorierte ihn, passend zum Anlass, mit roten Granaten, sprich Karfunkelsteinen.

Horst Skoff und der Fehdehandschuh. Doch Kapsch, der nur einen fixen Mitarbeiter und seine Frau zur Seite hat, arbeitet auch für weltliche Kundschaft. Als er einmal bei einer Ausstellung seinen "Fehde-Handschuh" zeigte, interessierte sich dafür ein "verdächtig aussehender Mann mit Jogger und Plastiksackerl". Der dubiose Kunde entpuppte sich als Horst Skoff. Er zahlte bar und schenkte das Schmuckstück seiner geliebten Ulla Weigerstorfer. Der "Fehdehandschuh" brachte dem Paar allerdings kein Glück. Bald darauf waren der Tennisstar und die Miss World geschiedene Leute. Einer von wenigen Fehlgriffen, die man Guido Kapsch heute vorwerfen kann.

ERWIN HIRTENFELDER

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