Fresacher: "Zu viele Zwischenhändler in der Kunst"
Regisseur Gerhard Fresacher klagt: "Es gibt zu viele Zwischenhändler in der Kunst" und einen Mangel an guten neuen Stücken.
"Es gibt zu viele Zwischenhändler in der Kunst." Darüber beklagt sich der aus Niederösterreich stammende Regisseur und bildende Künstler Gerhard Fresacher, der zur Zeit in Klagenfurt ein Stück von Werner Kofler inszeniert. Daher gebe es auch zu wenig gute neue Stücke. Die Uraufführung von "Versuche, das Land des Lächelns kaputtzumachen. 1. Versuch." gibt es am 5. Mai im Klagenfurter "Volxxhaus" zu sehen. Für Fresacher ist der Kärntner
Autor Kofler einer der besten Prosaschriftsteller des Landes, wie er
im APA-Interview erklärt.
Verärgert. "Es ist eine Schande, dass Autoren wie Kofler von keinem Theater beauftragt werden, ein Stück zu schreiben", ärgert sich Fresacher. Wirklich guten Leuten werde vom arrivierten Theaterbetrieb einfach nicht die Chance gegeben, an die großen Häuser zu kommen, meint der 1972 in Horn in Niederösterreich geborene Regisseur, der zuletzt ein Stück von Josef Winkler auf die Bühne gebracht hat. Dabei sei es gerade in Kärnten enorm wichtig, dass man Koflers Texte dramatisiere. "Man muss die Distanz des Publikums zu diesem Lesefestveranstalter höchster Güte verringern."
Angriffslust. Kofler ist angriffslustig, sein literarischer Furor erinnert an Thomas Bernhard. Der Villacher hat die Literatur als "Verbrechensbekämpfung" tituliert, seine eigenen Stücke als "Irrsinnskunststücke" und "Racheakte" bezeichnet. Der 61-Jährige übt in seinen Texten Kritik an der Zerstörung der Umwelt, an den Medien, aber und vor allem auch an der gelebten Verdrängung der
Nazi-Vergangenheit Österreichs. Auch "Versuche, das Land des Lächelns
kaputtzumachen. 1. Versuch." kreist um Erinnerungen, ist eine Collage
aus Unmengen an Textmaterial.
Auswahl. Die Auswahl hat Fresacher vorgenommen: "Da hat man zuerst einmal eine unglaubliche Menge an Textmaterial, aber kein Stück." Er habe daraus Texte ausgesucht, die man Figuren zuordnen könne und dann dem Ganzen die Struktur eines Theaterstücks gegeben. Am Ende soll die klassische Form eines Stücks herauskommen, eine szenische Lesung werde es jedenfalls nicht werden. Warum er die klassische Form auf die Bühne bringen will, erklärt Fresacher so: "Das Publikum ist neugierig, wenn es kommt, und du musst einfach sein Interesse wecken."
Vorstellungen. Insgesamt sind neun Vorstellungen des "klagenfurter ensemble" sind in Klagenfurt geplant. Von 2. bis 6. Juni wird die Truppe ein Gastspiel in Wien absolvieren, wenn es denn gelingt, die Finanzierung sicherzustellen. "5.000 Euro fehlen uns noch, ich möchte aber unbedingt, dass dieses Stück in Wien gespielt wird." Ebenfalls in Planung ist eine Slowenien-Tournee, die Übersetzung ins Slowenische liegt bereits vor.
Features
"klagenfurter ensemble"
"Versuche, das Land des
Lächelns kaputtzumachen. 1. Versuch."
von Werner Kofler.
Inszenierung:
Gerhard Fresacher.
Uraufführung:
Klagenfurter
Volxxhaus
am 5. Mai.
Weitere Termine:
7., 8., 9., 10., 13., 14., 16.
und 17. Mai.













