Bühne frei für die Stücke von morgen
Da sind dramatische Auftritte sicher: Das Stadttheater Klagenfurt vergibt am Sonntag den ersten Dramatikerpreis und bittet das Publikum zum Urnengang.
Über ein volles Haus jubelte das Stadttheater Klagenfurt, als sich die Creme de la Creme der Kärntner Autoren zweimal zum Lesemarathon traf. Mit einem bereits an seinem ehemaligen Arbeitsplatz St. Gallen erprobten Autorentag versucht nun Pflegerl-Nachfolger Josef Köpplinger den Faden auf andere Art aufzunehmen: Im Zweijahresrhythmus soll über neue Stücke und moderne Dramatik geredet werden. Ob und wie stark man damit Publikum anlocken kann, wird sich weisen.
Zum Thema
Ja, nein, vielleicht.
"In St. Gallen ist das gut gelaufen," wirkt Sylvia Brandl zuversichtlich. Die Dramaturgin, die 1992 mit der denkwürdigen "Kabale und Liebe"-Inszenierung von Regisseur Martin Kusej nach Klagenfurt kam und ein Jahr darauf endgültig am Stadttheater landete, hat sich in den letzten Wochen in die Stücke von 130 Autoren kamen hineingekniet. Aus den drei Stapeln "Ja", "Nein" (da landeten die Kärntner), "Vielleicht" hat sie mit Patrick Steinwidder und der Berliner Dramaturgin Petra Thöring sechs Stücke für das öffentliche Finale am Sonntag ausgewählt. Dabei achteten die Vor-Leser besonders "auf die Aufführbarkeit der Stücke". "Manches war zu klein für die große Bühne und dann doch wieder zu groß für das Studio," erklärt Brandl, die trotz der Themenvielfalt "darüber erschüttert war, wie viele über die neue Armut in Deutschland schreiben".
Dramatikerpreis.
Im Endeffekt rittern nun drei Frauen und drei Männer (siehe links) um den mit 5000 Euro dotierten Dramatikerpreis, mit dem die Möglichkeit einer Uraufführung verbunden ist. In das, was also eventuell in einer der nächsten Saisonen auf das Publikum zukommt, wird man am Sonntag zumindest hineinhören können. Lotte Ledl, Alexander Lhotzky, Jens Schnarre & Co. lesen mit verteilten Rollen Ausschnitte aus den sechs Bühnenwerken. Die Jury (Autor Felix Mitterer, Autor und Regisseur Bernd Liepold-Mosser, Schauspielerin Birgit Doll etc. unter dem Vorsitz von J. E. Köpplinger) muss sich dann auf einen Gewinner bzw. eine Gewinnerin einigen. Das Publikum hat in der Pause die Wahl: 400 Stimmzettel hat Sylvia Brandl für diesen Urnengang vorbereitet. Das wird spannend. Egal ob Jury und Publikum denselben Favoriten haben oder nicht.
Jugendthema.
Sylvia Brandls Favorit spielt schon in einer anderen Liga: Als Dramaturgin steckt sie zurzeit ganz tief in den Vorbereitungen für das Jugendstück von Igor Bauersima "norway.today". Das Stück, in dem der 38-jährige Erfolgsautor die letzten Stunden zweier jugendlicher Selbstmordkandidaten auslotet, hat am 26. April Premiere. Die Band für die Bauersima-Produktion hat man übrigens im Klagenfurter Jugendzentrum "kwadrat" gefunden: "Neoterist" (was soviel heißt wie Sprachschöpfer oder Erfinder neuer Wörter) steuern den Song "I drop my heart" bei. Angesprochen werden sollen Jugendliche ab 16. "Schau'n wir, ob dieser Plan aufgeht," ist Sylvia Brandl neugierig.
Features
Dramatikerpreis
Autorentag im Stadttheater Klagenfurt am 20. April, 11 Uhr.
Lesungen aus den nominierten Stücken (ab 11 Uhr); in der Pause (ab 12.30 Uhr) Publikumswahl; italienisches Buffet (7 Euro).
Preisverleihung um 13.30 Uhr.
Die Jury
Jury besteht aus: Andreas Beck (Schauspielhaus Wien), Sylvia Brandl, Heiko Cullmann, Josef Köpplinger (Stadttheater Klagenfurt), Birgit Doll (Schauspielerin), Bernd Liepold-Mosser (Autor, Regisseur), Felix Mitterer (Autor), Petra Thöring (Berlin).













