"Aber nicht um jeden Preis"
Ein K(r)ampf um Ephesos: Franz Glaser, Archäologe am Kärntner Landesmuseum, über die Intrigen gegen seine Schülerin Sabine Ladstätter und den möglichen Ausstieg Österreichs aus seiner millionenschweren Prestigegrabung in der Türkei.
Was sagen Sie als Doktorvater zu den Intrigen gegen Sabine Ladstätter, die offenbar mit allen Mitteln als neue Grabungsleiterin von Ephesos verhindert werden soll?
FRANZ GLASER: Intrigenspiele haben in Ephesos eine lange Tradition. Ich beobachte das seit meiner Studienzeit. Es hat dort immer wieder gravierende Konflikte gegeben. Das hat zum Teil damit zu tun, dass hier sehr viele Archäologen sehr eng miteinander leben müssen. Und es hat auch mit dem hohen Prestige der Ausgrabung zu tun. Das sieht man unter anderem daran, dass im großen Stil Sponsorgelder hinein geflossen sind, etwa für Rekonstruktion der Celsus-Bibliothek. Ephesos ist heute auch ein beliebtes Ziel von Kreuzfahrten. Den Türken bringt das enorm viel Einnahmen, weil das in die Hunderttausende Besucher geht.
Ladstätter wird vom ehemaligen Ephesos-Chef Stefan Karwiese fachliche Inkompetenz vorgeworfen, andereseits wird sie auch für die deutschnationale, antitürkische Gesinnung Ihres Vaters Fritz Schretter verantwortlich gemacht. Ist in der 113-jährigen Grabungsgeschichte jemals so tief in die unterste Schublade der Diffamierung gegriffen worden?
GLASER: Ich kann nur sagen, dass ich auf Sabine Ladstätter sehr stolz bin. Sie hat eine Stelle bei der Akademie der Wissenschaften bekommen aufgrund ihrer Arbeit über den Hemmaberg. Sie ist habilitiert in Klassische Archäologie, ist also durchaus dem Kollegen Karwiese um einen Schritt voraus, denn der hat sich in Numismatik habilitiert und nicht in der Archäologie. Sie hat hier die höchstmögliche Qualifikation erreicht und wurde von zwei von insgesamt drei ausländischen Gutachtern an die erste Stelle gereiht. Was ihre Einstellung betrifft, so hat sie sicher keine nationalen Vorurteile. Im Gegenteil: Sie hat sich sogar mit der Völkerwanderungszeit und der slawischen Keramik befasst.
Gehört hierzulande bereits Courage dazu, sich mit solchen Fragestellungen zu beschäftigen?
GLASER: Ja, ich glaube da gehört schon Mut dazu. Ihre Dissertation ist in den Denkschriften der Akademie der Wissenschaften erschienen, während sie in Kärnten kein Echo gefunden hat.
Glauben Sie, dass Kritiker wie Karwiese ein persönliches Interesse an dem Job in Ephesos haben?
GLASER: Ob er sich beworben hat, weiß ich nicht. Darum kann ich auch nicht sagen, ob er ein persönliches Interesse hat. Auf jeden Fall hat es ihm sicher nicht gefallen, das er 1998 als Grabungsleiter abgelöst wurde.
Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung im diplomatischen Tauziehen ein?
GLASER: Nach meinen Beobachtungen, wie Österreich gegenüber der Türkei agiert, würde ich eher skeptisch sein. Es wird wahrscheinlich, wie schon in anderen Fragen, einen Rückzieher geben.
Das heißt, man wird Ladstätter fallen lassen und einen anderen Kandidaten ins Rennen schicken?
GLASER: Das befürchte ich.
Was gibt ihnen Anlass zu dieser Befürchtung?
GLASER: Ein österreichischer Lehrers in Istanbul musste zum Beispiel seine Schule verlassen, weil er im Unterricht nur erwähnt hat, dass es die Minderheit der Kurden gibt. Daraufhin hat die türkische Seite seine Ablöse gefordert. Den Begriff der Kurden gibt´s in der Türkei offiziell nicht, die heißen dort nämlich Bergtürken.
Von türkischer Seite wurde inzwischen ein interimistischer Grabungsleiter eingesetzt und mit dem Entzug der Grabungslizenz gedroht sollte Österreich auf Ladstätter beharren. Wäre die Aufgabe von Ephesos für die heimische Archäologie wirklich so schlimm?
GLASER: Für das Image Österreichs in der internationalen Forschung ist die Ephesos-Grabung natürlich ein wichtiger Faktor, aber nicht um jeden Preis.
Der Bundesrechungshof hat zuletzt die mehr als sechs Millionen Euro teure Überdachung der Hanghäuser kritisiert. Fritz Krinzinger musste daraufhin als Grabungschef gehen. Wäre es nicht vernünftiger solche Summen anderswo zu investieren?
GLASER: Man könnte natürlich sagen: Wenn die die Türken auf stur schalten, dann investiere ich in Griechenland. Das ist ein EU-Land, da könnte man EU-Projekte machen. Aber wir bräuchten das Geld auch zu Hause. Allein die Restaurierung und Erhaltung der freistehenden Mauerreste im alpinen Bereich ist für uns ein Riesenproblem.














