"Ich habe sicher keinen Todestrieb in mir"
Josef Martinz würde das Millionen-Honorar Birnbachers kein zweites Mal mehr unterschreiben. Der ÖVP-Chef über die entbrannte Obmann-Debatte und das Überleben der Partei.
Herr Landesrat, treten Sie als ÖVP-Obmann zurück?
JOSEF MARTINZ: Nein.
Haben Sie in den letzten Tagen daran gedacht?
MARTINZ: Nicht ein einziges Mal. Weil ich mit einem guten Team breit aufgestellt bin - am Montag übrigens vier Jahre lang als Landesrat. In der Zeit habe ich die Partei umgebaut und für die Landtagswahl aufgestellt.
Jetzt werden Sie von Ihren eigenen Parteikollegen in Frage gestellt - ist das ein Schock für Sie?
MARTINZ: In Frage gestellt wurde ich höchsten von Einzelnen. Eine Obmann-Debatte gibt es nicht.
Wenn der Klagenfurter Bürgermeister Harald Scheucher meint, dass ein Köpferollen erst Sinn macht, wenn man einen Nachfolger hat, ist das ziemlich heftig.
MARTINZ:Es besagt aber auch, es gibt keinen Besseren, also bin ich für die ÖVP der Beste. Es hat auch niemand einen Kronprinzen gesucht. Ich bin im Oktober mit großer Mehrheit als ÖVP-Obmann wiedergewählt worden.
Mit 94 Prozent. Damals sagten Sie wörtlich: "Wir haben uns weder ins Handtascherl der Frau Schaunig noch in die Westentasche des Herrn Haider stecken lassen." Jetzt stecken Sie bis über beide Ohren im Brieftascherl des Herrn Birnbacher. Wie wollen Sie aus dem Schlamassel des skandalösen Millionen-Honorars für ihren Steuerberater herauskommen?
MARTINZ:Die Kritik dreht sich um das ganze Geschäft mit dem Hypo-Verkauf. Das begann schon vor einem Jahr, als bereits der Verkauf innerparteilich stark kritisiert wurde. Er hat sich aber als absolut richtig erwiesen. Niemand mehr kann heute sagen, dass dieser Verkauf schlecht war.
VP-Leute sagen, der Hypo-Verkauf sei Ihnen zu Kopf gestiegen.
MARTINZ: Nein. Ich habe damals wirklich nicht gut geschlafen, weil es ein hoch sensibles Geschäft war für das Land. Es gab nur ein ganz kurzes Zeitfenster, um dieses Vermögen für den Zukunftsfonds sicherzustellen. Darauf werde ich Wert legen: Der für Kärnten wichtige Zukunftsfonds ist direkt verbunden mit Josef Martinz. Zinsen gibt es nur, weil es den Josef Martinz gibt.
Derzeit wird mit Martinz das Birnbacher-Honorar verbunden.
MARTINZ: Die Kritik über die Honorar-Abrechnung ist jetzt berechtigt. Hinterher weiß man immer mehr. Ich gebe zu, dass ich das unterschätzt habe. Ich hätte es nicht so gemacht, hätte ich gewusst, dass Birnbacher direkt mit mir persönlich verbunden wird...
...er ist ja Ihr Steuerberater!
MARTINZ: Er ist aber nicht mein Sohn wie der Wiedenbauer Junior, der die Stadt Klagenfurt beriet. Jeder hat einen Steuerberater. Ich weiß auch nicht, wer alles den Herrn Pöschl als Steuerberater hat.
Na, der Landeshauptmann. Jörg Haider und Sie haben bei zwölf Millionen Euro als Honorar mit keiner Wimper gezuckt.
MARTINZ: Als wir es unterschrieben, war es die Halbierung dessen, was die Hongkong-Shanghai-Bank gekostet hätte.
Erst unter Medien-Druck hat Birnbacher teilweise verzichtet. Die sechs Millionen, die er jetzt kriegen soll, sind noch immer hoch. Verhandeln Sie nochmal mit ihm?
MARTINZ: Nein, es ist verhandelt. Mich stört viel mehr die von BZÖ und SPÖ beschlossene Wandelanleihe, die als Kredit über 50 Millionen Euro kostet.
Wegen der Verbandelung mit Birnbacher ist Ihre Reputation dahin, kritisiert auch ihre Partei.
MARTINZ: Das war keine Verbandelung, sondern eine Vertrauensfrage für das Hypo-Geschäft. Ich habe ja keinen Selbstvernichtungstrieb. Man hat mir die Reputation vor einem Jahr beim Verkauf mehr abgesprochen. Jetzt setze ich auf das Positive des Erlöses im Zukunftsfonds.
Ihr Krisenmanagement war erbärmlich, wurde kritisiert. Ihr Wirtschaftsbund-Chef Franz Pacher sagte, mit Ihren Beratern wäre er ein Todeskandidat.
MARTINZ: Noch einmal: Ich habe sicher keinen Todestrieb in mir. Mir ging es mit dem Verkauf um etwas Gutes für das Land. Dass die Geschichte mit Birnbacher - gerade auch durch Ihre Zeitung - so eine Dimension kriegt, habe ich unterschätzt. Es ist normal, dass dann im Parteivorstand über Strategie und Fehler diskutiert wird. Dass wir die Kommunikation verbessern müssen, nehme ich als Auftrag mit.
Haider lacht. Sie machen alles für ihn, er hat Sie in der Hand. Das BZÖ legt zu, während die ÖVP bei neun bis elf Prozent liegt.
MARTINZ: Es gibt keine Umklammerung von Haider. Wir haben mit der SPÖ viel probiert, von den Talschaftsverträgen bis zu den Mieten. Mit Haider haben wir den Hypo-Verkauf gemacht, aber das ist alles. Haider und Schaunig machen zusammen jedes Budget. Davon redet keiner. Wir haben unseren eigenen Kurs, auch mit tollen Projekten, vom Schulstartgeld bis zum Kindergartengeld. Das sind 825 Euro pro Kind im Jahr. Haiders "Teuro" ist bloß ein Hunderter.
Sie verkaufen es schlecht. Was werden Sie morgen dem ÖVP-Parteivorstand berichten, wie sie bis zur Wahl den Turbo zulegen?
MARTINZ: Natürlich wollen wir es besser darstellen, dass wir die Familienpartei sind und das Kindergartengeld von uns kommt, und nicht vom BZÖ. Wir stellen uns gegen die Rekordverschuldung und Gebührenerhöhungen. Und wir üben Kontrolle aus, zum Beispiel beim Spendenskandal in Banda Aceh, den wir mit aufgedeckt haben. Wir sind die Partei für Familien, Wirtschaft und Kontrolle.
Jetzt sind Sie für die Fünf-Prozent-Hürde im Landtag - weil Sie um den Einzug zittern müssen?
MARTINZ: Nein, weil das lebendige Demokratie ist. Ich bin nach dem Wahldesaster vor vier Jahren als Neuer ÖVP-Obmann angetreten, damit wir stärker werden. Das habe ich im Kopf, und nicht, dass wir verlieren.













