Interview

Schütz-Oberländer: "Wir sind beim Bus am Scheideweg"

Trotz Sparkurs sollen mehr Klagenfurter Bus fahren. Wie Stadtwerke-Vorstand Sabrina Schütz-Oberländer diesen Spagat schaffen will.

 „Die Busse müssen genutzt werden, sonst sind sie nicht rentabel“, betont Sabrina Schütz-Oberländer
„Die Busse müssen genutzt werden, sonst sind sie nicht rentabel“, betont Sabrina Schütz-Oberländer © Helmuth Weichselbraun
 

Die Klagenfurter sind Busmuffel, haben Sie kürzlich festgestellt und dass Sie das ändern möchten.

SABRINA SCHÜTZ-OBERLÄNDER: Ja. Bei uns nutzen zwölf Prozent der Bevölkerung den Bus, nur die Burgenländer sind noch schlechter. Natürlich sind in Wien mit 73 Prozent die Leute massiv mit dem öffentlichen Verkehr unterwegs, aber auch kleinere Städte wie Innsbruck, Salzburg und Graz sind alle über 60 Prozent und das ist für mich ein Anreiz, die Klagenfurter und die Einpendler mehr auf die Öffentlichen Verkehrsmittel zu bringen.

Wie passt das zusammen? Mehr Leute sollen Busfahren, aber durch Einsparungen, wie etwa der umstrittenen Kürzung der Linie 31, macht man es unbequemer.

SCHÜTZ-OBERLÄNDER: Genau das ist das Thema. Derzeit fahren vor allem Schüler, Pensionisten und Frauen mit Kinderwagen mit dem Bus. Wir müssen andere dazu bekommen, sonst ist es einfach nicht rentabel. Das heißt, wir müssen Linien einsparen oder größere Umläufe fahren und es wird unattraktiv. Das ist eine richtige Spirale. Der Mobilitätsmasterplan Kärnten hat das Ziel vorgegeben, 20 Prozent auf den Öffentlichen Verkehr, 40 Prozent Radfahrer und Fußgänger und nur mehr 40 Prozent Individualverkehr zu bekommen. Diese 20 Prozent müssen wir auch in Klagenfurt erreichen.

Wie soll das gelingen?

SCHÜTZ-OBERLÄNDER: Das wird ein Gesamtkonzept sein, das im Austausch mit allen Stakeholdern wie Bevölkerung und Politik erarbeitet werden muss. Vom Leitbild werden wir sicher auch erfahren, was die Bürger wünschen. Doch wenn wir einen attraktiven Fahrplan erstellen, muss er auch genutzt werden. Wir haben rund 16,6 Millionen Euro Umsatz, sieben Millionen werden durch die Stadt Klagenfurt ausgeglichen. Wir sind an einem Scheideweg. Im Extremfall gäbe es in Zukunft nur mehr einen bedarfsorientierten Schulbusverkehr. Ich glaube nicht, dass das die Klagenfurter Bevölkerung wünscht.

Fahren Sie selber mit dem Bus?

SCHÜTZ-OBERLÄNDER: Ich wohne nur fünf Minuten vom Betrieb weg, daher bin ich eher mit dem Rad oder zu Fuß unterwegs. Aber im Winter wird es auch der Bus sein.

Im Jänner 2017 tritt die neue Parkordnung in Kraft, die es Autofahrern einfacher machen soll. Ist das für den Öffentlichen Verkehr kontraproduktiv?

SCHÜTZ-OBERLÄNDER: Als Anbieter des öffentlichen Verkehrs sehe ich es schon so. Wenn man sich entschließt, den Individualverkehr mehr aus der Innenstadt zu bannen und höhere Parktarife einführt, ist es für viele ein Anreiz, das Auto stehen zu lassen. Eine Bus-Monatskarte kostet 30 Euro. Das ist durchaus attraktiv.

Die Stadtwerke waren zuletzt immer wieder negativ in den Schlagzeilen unter anderem mit der teuren Schnitzelsemmel im Bad und dem HCB-D im Trinkwasser. Sie sind erst kurz im Amt, haben Sie sich gedacht, dass Sie eine Baustelle übernommen haben?

SCHÜTZ-OBERLÄNDER: Das würde ich so nicht sagen. Wir sind ein Energieversorger und Infrastrukturanbieter. Es ist einfache die Branche mit Wasser, den Netzen und der Mobilität und als zentraler Freizeitanbieter. Dadurch diskutiert jeder mit – mit gutem Recht. Denn der Klagenfurter ist der Kunde.

Das Image der Zuverlässigkeit ist in diesen Bereichen enorm wichtig. Hat das durch die Diskussion um den abberufenen Vorstand gelitten?

SCHÜTZ-OBERLÄNDER: Wir haben gerade die Diskussion rund um das Wasser gehabt. Und das ist ein gutes Beispiel dafür, dass die Stadtwerke verlässlich sind und zukunftsorientiert denken, wie man an den Karawanken sieht.

Das sehen viele anders. Warum wurden die Wasserreserven in den Karawanken bisher nicht erschlossen?

SCHÜTZ-OBERLÄNDER: Wir haben einen Bedarf von 8,5 Millionen Kubikmeter pro Jahr, der gedeckt ist. Allein 4,2 Millionen Kubikmeter kommen von der Wasserschiene St. Veit. Doch in naher Zukunft werden wir geologische Untersuchungen durchführen.

Wären Sie im Gegensatz zu Ihren Vorgängern 2014 mit den HCB-D-Werten offensiv an die Öffentlichkeit gegangen?

SCHÜTZ-OBERLÄNDER: Im Nachhinein kann man immer gescheiter sein. Wie auch bei der Mobilität ist mir der Austausch mit der Bevölkerung wichtig.

Der wäre dann auch bei der Planung eines neuen Hallenbades wichtig?

SCHÜTZ-OBERLÄNDER: Derzeit haben wir ein top gepflegtes Bad, doch in den nächsten fünf bis zehn Jahren werden wir Überlegungen anstellen müssen. Im Leitbild werden wir sehen, welche Wünsche es gibt. Ich bin noch nicht einmal 100 Tage im Amt und habe schon sechs verschiedene Bäderkonzepte gesehen. Doch wir werden vorsichtig vorgehen müssen und schauen müssen, was leistbar und rentabel ist, damit es uns nicht wie Villach ergeht.

Dabei wird auch die Stadtpolitik kräftig mitreden wollen. Generell gibt es von der Politik immer wieder Vorstöße, die Stadtwerke von einer AG in eine GmbH umzuwandeln, um mehr Einfluss zu nehmen. Wie sehen Sie das?

SCHÜTZ-OBERLÄNDER: Das Hallenbad ist eine Eigentümerentscheidung. Unabhängig ob AG oder GmbH. Die Herausforderung ist, die Strategie wirtschaftlich umzusetzen. Auch bei großen Industriebetrieben gibt es immer einen Eigentümer, dem der Vorstand verpflichtet ist.

Schließen die Wünsche der Politik mitunter wirtschaftlichen Erfolg aus?

SCHÜTZ-OBERLÄNDER: Ich habe das bisher nicht erlebt.

Kommentare (9)

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ghfklgjr
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Eine Bus-Monatskarte kostet 30 Euro

Jaa - aber nur für "Hauptwohnsitz in Klagenfurt (Nachweis durch aktuellen Meldezettel)" - für alle anderen kostet die Monatskarte € 44,-!
Im Vergleich in Wien - wo die Distanzen mehr als doppelt so groß sind und das Streckennetz im Vergleich Klagenfurt perfekt ausgebaut ist, kostet eine Monatskarte € 48,-
Hier passt die Relation in keinster Weise - darum braucht man auch nicht über die geringe auslastung jammern.
-
Thema Hallenbad - vor einigen Jahren hieß es schon, das Hallenbad ist an das Ende der Betriebslebensdauer angekommen und jetzt liest man:
"Derzeit haben wir ein top gepflegtes Bad, doch in den nächsten fünf bis zehn Jahren werden wir Überlegungen anstellen müssen."
Aha - in 5-10 Jahren muss man erst einmal Überlegungen anstellen - und dann?
Von Planung - Bau - bis Fertigstellung sind es nochmal 5 Jahre.
Was jetzt? Haben die Experten damals alle geirrt?

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gratuliere
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3
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Experten

Nein die Experte haben sich nicht geirrt, sie haben uns nur verarscht

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CuiBono
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Ein fantastisches Niveau

ist das, auf die Vorständin argumentiert.
Selten habe ich von Managern in gehobener Stellung so einen Blödsinn gelesen, wie ihn Schütz-Oberländer hier verzapft. Eine beliebige Aneinanderreihung von Schlagworten aus der Managementausbildung auf FH-Niveau.

ICH habe den Eindruck, hier spricht nicht eine Managerin, sondern eine hilflose Politfunktionärin.

Aber ja - es ist schon klar, dass bei so einem "Pimperl-Provinz-Energieversorger und Infrastrukturanbieter", der noch dazu eine Allein- also Monopolstellung hat, die "Kunden" der störende Faktor sind.
Den öffentlichen Auftrag berücksichtigend, den Leuten DAS anzubieten, was sie benötigen - das ist fraglos zuviel verlangt.

Also, keine Änderungen bei den StW - alles geht weiter, wie gewohnt. Und die Politik spielt nur allzugerne mit.

Appropos Politik:
schön langsam wird es Zeit für die MLM sich einen lukrativen Versorgungsposten zu sichern, wenn ihre Zeit als BGM von Klagendorf zu Ende geht.
StW-Vorständin vielleicht.
Daher AG, weil GmbH-GF ist wohl zu minder.

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gratuliere
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14
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Sparen bei sich selbst

Die Stadtwerke sollten mit dem Sparen erst einnal bei sich selbst beginnen. Die Leyroutz - Honorare sind plötzlich kein Thema mehr. Mit den gefeuerten Vorständen Peham und Karre wird man sich auf Abschlagszahlungen einigen, natürlich unter strengster Geheimhaltung vor dem Gebührenzahler. Bei Ex-Vorstand Junghans wird man die Dubiose Abschlagszahlung nicht zurückfordern.
Von der Riegler-Zechmeister-Gruppe, die das Fernheizwerk baut, wird man keine Pönale einklagen, obwohl es eine beträchtliche Bauverzögerung gibt.
Der Strompreis wird nicht gesenkt, obwohl die Stadtwerke einen Billigstromanbieter namens pullstrom betreiben, der weitaus günstigere Tarife hat.
Dafür diskutiert man das lebenslange Beschäftigubgsrecht für Stadtwerke Mitarbeiter. Zum Drüberstreuen gibt's einen Lyrikpreis
Aber was tut man, Frau Diektorin Schütz-Oberländer? Klar, beim Versorgungsauftrag sparen und Buslinien streichen..

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Amadeus005
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Weg mit den Parkplätzen für die, die entscheiden

Das heißt für Beamten von Stadt und Land, Stadtwerke, ....

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Amadeus005
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Was haben alle anderen Städte

Straßenbahnen - Noch fragen?
Es wäre ja nicht das erste Mal, dass uns in der Vergangenheit besonders "schlaue" Kärntner die Zukunft verbaut haben.

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pet2458i
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Bus am Scheideweg

generelles Fahrverbot innerhalb des Ringes und das Problem ist gelöst.
was ist dabei so schwierig?

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steel
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Re: Bus am Scheideweg

und jene leute (gar nicht wenige), die innerhalb des rings wohnen und arbeiten parken dann wo? haben sie dafür auch ein konzept?

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pet2458i
3
3
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parken wo

für Anrainer gibt es immer Sondergenehmigung und die pendler sollen die Busse nutzen. es gab schon genug auffangparkplätze und shuttledienste, aber die Leute wollen ja alle bis ins Gebäude wo sie arbeiten fahren !!!

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