KlagenfurtTödlicher Bootsunfall: Zwei Versionen des Herganges

Bootsführer und Erstangeklagter widersprachen einander zum Auftakt des Prozesses.

Prozess Motorbootunfall Wörthersee Landesgericht Klagenfurt April 2018
Richter Matthias Polak führte den Vorsitz © Traussnig
 

Die Befragung der Angeklagten im Prozess um den tödlichen Bootsunfall (zum Live-Artikel) am Wörthersee hat zwei stark divergierende Beschreibungen des Unfallhergangs ergeben. Während der Erstangeklagte darauf beharrte, das Opfer habe ins Lenkrad gegriffen und er sei kein "Eindrehmanöver" gefahren, widersprach der Zweitangeklagte. Auch im Zeitablauf beim Unfall selbst ergaben sich gravierende Unterschiede.

Staatsanwalt Christian Pirker wollte vom angeklagten Niederösterreicher wissen, ob das Opfer sich an ihm festgehalten habe, als dieser ins Lenkrad gegriffen hätte. Das verneinte der Angeklagte. Als der Eingriff erfolgt sei, habe er gerade in eine leichte Rechtskurve gelenkt, das Opfer habe daraus eine scharfe Rechtskurve gemacht. Ob er die Hand am Gashebel gehabt hatte, bevor er über Bord gegangen sei, könne er nicht mehr sagen. Der Sachverständige wollte dann wissen, warum es dem Angeklagten beim zweitem Griff des Opfers ins Lenkrad nicht mehr gelungen sei, das zu verhindern. Der Angeklagte meinte dazu, das Opfer habe da offenbar wesentlich kräftiger zugepackt.

Motorboot-Prozess: Unternehmer kam unter Schiffsschraube

Der Angeklagte sagte, das Boot sei "katapultartig" nach links gekippt, als er von Bord gegangen sei, zuvor sei es eine scharfe Rechtskurve gefahren. Richter Matthias Polak wies ihn darauf hin, dass er vorher ausgesagt habe, er sei unmittelbar nach dem Griff ins Lenkrad schon durch die Luft geflogen. Der Angeklagte meinte, es sei eine Ausnahmesituation gewesen, als sein bester Freund plötzlich nicht mehr da gewesen sei.

Bootsführer fühlt sich "nicht schuldig"

Der Bootsführer bekannte sich bei der Vernehmung durch Richter Polak ebenfalls nicht schuldig. Er sei für den Zustand des Bootes verantwortlich gewesen, habe auch vor der Abfahrt alles kontrolliert. Die erste Strecke sei er gefahren, er sei aber davon ausgegangen, dass der Angeklagte an diesem Tag das Boot noch lenken würde. Der Richter wollte dann wissen, ob er nicht bemerkt hätte, dass zum Essen mehrere Flaschen Wein bestellt worden seien, in Hinblick auf eine mögliche Alkoholisierung des Erstangeklagten. Das verneinte der 33-Jährige, er habe auch keine offensichtlichen Anzeichen von Trunkenheit bemerkt.

Zur Fahrweise des Angeklagten meinte der Klagenfurter, dieser sei zügig gefahren, auch einige Manöver wie Achter, es habe aber nie gefährlich gewirkt. Der Richter hielt ihm darauf seine eigenen Aussagen vor der Polizei vor. Dort habe er ausgesagt, er selbst wäre solche Manöver nie gefahren. Auf Nachfrage konzedierte er auch, dass der Erstangeklagte sogenannte "Power turns" gefahren sei. Gewarnt habe der Bootslenker die Insassen nicht, es hätten sich aber alle festgehalten, auch er selbst.

Einen Versuch des späteren Opfers, dem Angeklagten ins Lenkrad zu greifen, habe er nicht wahrgenommen, erklärte der 33-Jährige auf Nachfrage des Richters. Eine derartige Aktion wäre ihm aller Wahrscheinlichkeit nicht entgangen. Auch hätte er ihn angewiesen, Derartiges zu unterlassen, wenn es vorgekommen wäre. Er sagte auch, der Angeklagte sei "Eindrehmanöver" gefahren, was dieser in seiner Vernehmung bestritten hatte. Dabei habe er aber keinerlei Probleme gehabt, sich festzuhalten und sie daher auch nicht als gefährlich eingestuft.

Angeklagter saß am Steuer

Den Unfall schilderte der 33-Jährige dann so: "Es wurde dann sehr stark eingelenkt, viel stärker als bei den vorherigen Manövern." Dabei sei der Erstangeklagte am Steuer gesessen, sagte er auf Nachfrage des Richters. Er habe sich zuerst noch festhalten können, sei dann aber ins Boot geschleudert worden. Er habe gemerkt, dass das Boot noch in Bewegung gewesen sei. Zuerst habe das Boot geschwankt, "da ist sehr viel Wasser über die Backbordseite eingedrungen". Dann sei das Boot rückwärtsgefahren, und zwar mit hoher Motordrehzahl. "Dann habe ich den Rumpler gehört." Er habe sofort gedacht, es sei etwas in die Schiffsschraube gekommen. Er sei aufgestanden und habe "sofort einen riesigen Blutfleck gesehen". Das Boot sei zu diesem Zeitpunkt noch langsam rückwärtsgefahren, er habe dann den Gashebel sofort auf Null gestellt.

Zwischen dem Einlenkmanöver und dem "Rumpler" vergingen laut dem Klagenfurter nur wenige Sekunden. Als er den Gashebel abgestellt habe, hätte sich der Erstangeklagte im Wasser befunden, etwa zehn bis 15 Meter vom Boot entfernt. Dass er bei der Polizei gesagt habe, der Erstangeklagte hätte den Rückwärtsgang eingelegt, sei eine Annahme von ihm gewesen, gesehen habe er es nicht.

Der angeklagte Niederösterreicher wies die Aussagen des Bootsführers zurück. So habe er nicht einmal gewusst, wie man ein solches "Eindrehmanöver" durchführe und sich erst nachträglich darüber informiert. Für den Nachmittag waren erste Zeugeneinvernahmen geplant.

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Danke für Ihr Verständnis.

zyni
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Ich hoffe,

neutrale Zeugen werden Klarheit bringen.
Verständlich, dass beide zu retten versuchen, was zu retten ist. Und dabei alternative Fakten aussagen.

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pink69
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wenn

man so ein Boot kennt, weiss man was Fakt ist und da gibt es keine alternative Fakten. Alles was da behauptet wird und bis jetzt wurde, ist schlicht und ergreifend Selbstschutz. Wenn nun Zeugen so etwas noch stützen sollten, dann wird es auch a la lounge für die Zeugen eng. Da wird man ganz gehörig aufpassen müssen, dass er Schuß nicht nach hinten los geht. Aber wie bereits gesagt, der SV Bericht wird die Thesen derer, die Ihre Haut retten wollen, völlig entzaubern. Und danach kann man nur hoffen, dass auch die Strafen dementsprechend ausfallen, ohne wenn und aber. Das man hier den eigentliche Bootsführer den schwarzen Peter zuschieben will, schlägt doch völlig dem Faß den Boden weg. Ungeheuerlich so etwas. Kann man nur hoffen, dass dieser sich auch nicht vom sogenannten "Promistatus" der eigentlichen Protagonisten nicht einschüchtern läßt.

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pink69
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für

den Erstangeklagten werden seine Aussagen zum Problem werden...denn so etwas was dieser hier "erzählt" ist nämlich alles nicht möglich. Das bestätigt sicher auch der SV Bericht. Möglich ist so etwas schon...man müsste ein Kunstfahrer sein und auch sehr viel Glück und Zufall mitspielen ...aber das ist eine andere Geschichte. Als Fahrer aus so einem Boot, sitzend in einem Schalensitz, rauskatapultiert zu werden ? das kann nur ein Zauberer, der den Fahrer raus zaubert. Bei aller Liebe...aber das ist schon höchst eigenartig was da am 1. Prozesstag abläuft.../ na ja, es bleibt spannend...,

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