KlagenfurtWie viel Großstadt ist Klagenfurt?

Jetzt ist es amtlich – Klagenfurt hat 100.316 Einwohner und ist damit Großstadt. Aber kann die Stadt wirklich halten, was dieser Titel verspricht?

Vom Kreuzbergl aus hat man einen wunderschönen Blick auf Klagenfurt
Vom Kreuzbergl aus hat man einen wunderschönen Blick auf Klagenfurt © Weichselbraun
 

Die neuesten Zahlen der Statistik Austria bestätigen, was die Stadt schon vor zwei Jahren jubeln ließ – Klagenfurt hat die 100.000-Einwohner-Marke geknackt und darf sich wie Wien, Graz, Linz, Salzburg und Innsbruck „Großstadt“ nennen. Aber wie viel Großstadt steckt wirklich in der Landeshauptstadt? Und wo happert es noch, damit die Klagenfurter sich auch tatsächlich als „Großstädter“ fühlen dürfen?

Was dafür spricht

Das Wörtherseestadion. Borussia Dortmund und der FC Chelsea waren schon hier, die deutsche Nationalmannschaft kommt bald: Selbst nach der „Euro 2008“ hat man in Klagenfurt Topmannschaften zu sehen bekommen. Aber auch die „Masters of Dirt“ und nicht zuletzt Elton John und Robbie Williams haben gezeigt: Im Stadion sind nach Anlaufschwierigkeiten Veranstaltungen zu sehen, die den Namen „Event“ wirklich verdienen und um die uns andere – auch größere – Städte beneiden. Einer der „Großstadt-Plätze“ in Klagenfurt.

Umfrage: Warum ist Klagenfurt (k)eine Großstadt?

Der Lakeside Park. Geisteskraft auf ein paar Tausend Quadratmetern gebündelt, das ist der Lakeside Park. Und gerade weil Außenstehende keine Ahnung haben, was in den riesigen Containern abläuft, geben sie der Stadt eine Spur Urbanität und Zukunftsgewandtheit. Hier sichert man Jobs, die in den kommenden Jahrzehnten Kärnten eine Perspektive geben können.

Der Europapark. Central Park, Hyde Park, Europapark. Was die weltweite Bekanntheit betrifft, ist der Vergleich zugegebenermaßen ein bisschen übertrieben, aber mit seinen 22 Hektar Fläche ist der 1965 eröffnete Park nicht nur der größte in der Stadt, sondern auch einer der größten in ganz Österreich. Und er ist einer Großstadt würdig und den Klagenfurtern ebenso wichtig, wie die anderen Genannten den Londonern und New Yorkern.

Klagenfurt: Wie viel Großstadt ist Klagenfurt?

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Kleine Zeitung/Helmuth Weichselbraun
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Der Wohnbau. Es gibt Stadtteile in Klagenfurt, da hat man den Eindruck, die Stadt will bald die 200.000-Einwohner-Marke knacken. Jeder freie Acker wird mit mehrstöckigen Wohnbauten „entwickelt“. In Harbach wird derzeit sogar an einem neuen Stadtteil gebaut, 900 Wohnungen sollen bis 2030 entstehen. Es wird gebaut wie in einer Großstadt – inklusive Immobilienblase.

Die coolen Läden. Ob Mamiladen, Suestar, Kunststätte oder Katzenkaffee: Die Innenstadt punktet mit kleinen aber feinen Fachgeschäften. Mit originellen Ideen und exzellenter Qualität hat auch Klagenfurt großstadtverdächtige Läden zu bieten. Wer bitte braucht da noch Starbucks und Filialen anderer Ketten?

Was dagegen spricht

Die Lokale. Die Reisegruppen, die die Stadt auch sonn- und feiertags gerne besuchen, wissen es: Es gibt gastlichere Städte. „Sonntag Ruhetag“ steht an der Eingangstür. Ein Mittagessen? Eine Torte? Ein Kaffee? Nicht unmöglich, aber auch keine leichte Aufgabe. Aber nicht nur bei der Sonntagsöffnung gibt es Abzüge für die „Großstadt“. Kaffeehauskultur? Nahezu inexistent. Coole Lokale zum Ausgehen? Deutlich Luft nach oben.

Der öffentlicher Verkehr. Wer das Glück hat, in der Nähe einer Haltestelle zu wohnen und ein Leben zu haben, das zu den Fahrplänen passt, der wird dem folgenden Satz vehement widersprechen: „Der öffentliche Verkehr in der Großstadt Klagenfurt ist ausbaufähig.“ Aber zum Glück ist Klagenfurt klein genug, um vieles zu Fuß zu erledigen oder mit dem Rad zu fahren. Geht alles schneller als auf den nächsten Bus zu warten.

Die Industrie. Klagenfurt hat eine florierende Industrie – allerdings nur eine Verwaltungsindustrie. Würden die Jobs der öffentlichen Hand und ausgegliederten Rechtsträger wegfallen, sehe es mit dem Arbeitsmarkt und dem Einkommensniveau in der Stadt düster aus. Wer auf einen guten Job in der Industrie spitzt, schielt nach Villach.

Der Uni-Campus. Studieren in Klagenfurt? Nein, danke. Viel zu wenig los. Die Geisterstadt, die sich Campus schimpft, versucht krampfhaft dazuzugehören. Doch die rund 11.600 Studenten gehen nach ihren Kursen lieber ihre eignen Wege und pfeifen auf Uniwirt & Co. Gemeinschaftsgefühl? Fehlanzeige. Das Uni-Viertel ist nur eines: maßlos überteuert.

Die (Jugend-)Kultur. Freilich, im Stadttheater gibt es große Oper und großes Theater, im „Stereo“ immer wieder tolle Konzerte und natürlich sind die neuesten Filme auch in den Klagenfurter Kinos zu sehen. Aber ehrlich, im Vergleich mit dem kulturellen Angebot der anderen österreichischen Großstädte möchte man in Klagenfurt schon die eine oder andere Träne vergießen.

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Danke für Ihr Verständnis.

orbil
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Für ein Drittewelt-Schwellenland wie Kärnten


ist diese Haupt-Stadt genau passend. Jeder bekommt was er verdient und wählt!

Und Entwicklungshilfe ist nach dieser Landespleite auch dringend notwendig, für Generationen.

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CuiBono
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Eine Großstadt?

NEIN - wirklich nicht.

Einst ein hübsches Städtchen zum Wohlfühlen, nunmehr nur mehr ein einvernehmlich von Wirtschaft und ALLEN politischen Parteien in den letzten Jahrzehnten restlos herunter gewirtschaftetes schuldenüberladenes Provinzkaff, das nicht einmal mehr in der Lage ist, die laufende Infrastruktur in Ordnung zu halten.
Garniert mit einer mehr als inferioren Verwaltung und ausgelagerten und sich verselbständigenden Hilfs- und Versorgungsbetrieben.

Und was das Schlimmste ist:
keinerlei Aussicht auf Besserung in den nächsten Jahren!

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gintonicmiteis
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Was (noch) dagegen spricht.

Die Politik. Während in anderen Großstädten (besonders Deutschland) politische Entscheidungen mit Blick auf lange Sicht und zum Vorteil der Bevölkerung getroffen werden, scheinen Klagenfurts Politiker mehr ihren persönlichen Empfindungen (bzw. parteipolitischen Vorteilen) zu folgen. Hinzu kommt eine (nicht unbegründetet) stete Vermutung von Freunderlwirtschaft. Das hat auch zur Folge, dass es im Stadtrat an Managerpersönlichkeiten mangelt und der Anteil an themenfremden, willenlosen Politgünstlingen in Gemeinde- und Stadtrat allgemein sehr hoch ist.

Das (leider) dafür spricht.
Die Größe der Verwaltung. Klagenfurt überbietet andere vergleichbar große Städte im ganzen deutschsprachigen Raum bei der Zahl der öffentlich Bediensteten bei weitem - mit phänomenal hohen Gehältern bei mäßigen Leistungen. Das mag eine Folge der (siehe oben) Parteibuchpolitik sein, die sich auch im Magistrat durchzieht: einen Job für meine Leute, dafür einen Job für deine Leute... am Ende bezahlts eh wieder der Steuerzahler.

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wjs13
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Grossstadt?

in einem sicher: Die Zahl an Ampelkreuzungen entspricht einer 200.000-Einwohner-Stadt.
Einfallstrassen, die als Verkehrshindernisse konzipiert sind, aber auch Radwege, die weit ausserhalb des Stadtzentrums enden, haben mit einer Grossstadt wenig gemein.
Es werden nur diese riesigen Ziehharmonikabusse angeschafft, die fast leer fahren, dann wird wieder der Fahrplan zusammengestrichen, anstatt kleine Shuttlebusse anzuschaffen und die Frequenz zu erhöhen. Dann könnten auch die vernachlässigten Orte an den Stadtgrenzen angefahren werden, anstatt Ebenthal, das sich seit Ewigkeiten gegen die Eingemeindung wehrt.
Aber da Grossstadt jetzt nicht mehr ein Mehr an Mitteln bedeutet, ist es sowieso leeres Stroh dreschen.

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