KlagenfurtDer lange Weg zum wärmenden Kraftwerk

2006 gab es erstmals Pläne in Klagenfurt ein Kraftwerk zu errichten, mit dem man auch die Stadt heizen soll. Der Weg zur Umsetzung war lange und schiwerig

Seit gestern offiziell in Betrieb: Das Biomasse-Heizkraftwerk
Seit gestern offiziell in Betrieb: Das Biomasse-Heizkraftwerk © KLZ/Markus Traussnig
 

Nachhaltig nennen die Biomasse die einen, „schöpfungsverantwortlich“ nennt sie der Klagenfurter Dompfarrer Peter Allmaier, der dem Werk bei der Eröffnung seinen Segen erteilte. Unter der Hundertschaft, die sich im Festzelt vor dem Werk scharte, war auch der in Unfrieden gegangene Ex-Stadtwerke Vorstand Romed Karré. „Es ist nun so, wie ich mir das 2012 vorgestellt habe“, meinte er mit sichtlicher Genugtuung.

Ebenfalls unter den Gästen: Gottwald Kranebitter. Einst war er Hypo-Vorstand und als solcher Kreditor der RZ-Gruppe von Dietmar Riegler und Otto Zechmeister. Als diese ihre Heizwerke im Zuge der Heta-Sanierung abgeben musste, sprang der Industrielle Cornelius Grupp ein. „Ich habe die drei ein wenig motiviert, sich als tragfähige Partner zu finden“, sagt Kranebitter, der heute Mitglied des Aufsichtsrats von Grupps CAG Holding ist.

Blick in das Werk

Bis zu 160 LKW – im Sommer freilich weniger – fahren Tag für Tag in die weitflächige Lagerhalle im Osten des Heizkraftwerks ein und kippen die Biomasse ab. Rohstoff, der aus einem Umkreis von 250 Kilometern stammt, „und der weder als Papier noch als Brett verwendet werden würde“, wie Geschäftsführer Otto Zechmeister anmerkt. Aus diesem „Abfallprodukt“ generiert man im Werk eine Wärmeleistung von 50 Megawatt die Klagenfurt warm hält und speist nebenbei 10 Megawatt Ökostrom ins Netz.

Laut den Betreibern ist es das weltweit effizienteste Biomassewerk, der Wirkungsgrad liegt bei über 100 Prozent. Der Grund: Man konnte wegen der Klagenfurter Nebellage kein Standardwerk errichten. „In anderen Werken wird die Abluft mit 60 Grad Temperatur hinaus geblasen, das ist dann der sichtbare Qualm. In Klagenfurt aber mussten wir den rauchenden Kamin unbedingt vermeiden“, erklärt Thomas Schupanz, Techniker der RZ-Gruppe. Daher kühlt man nun die Abgase nochmals ab und wärmt mit der so entzogenen Energie das rückläufige Fernwärmewasser neuerlich auf. In Richtung Stadt, wo es auf die derzeit 27.000 angeschlossenen Haushalte verteilt wird, pumpt man es dann wieder mit 120 Grad.

Auch bei den Abgasen ist man durch eine neuartige Verfeuerungstechnik umweltschonender als andere Werke. „Gesetzlich erlaubt wären zehn Milligramm Staub pro Kubikmeter, wir erreichen drei“, sagt Regelungstechniker Markus Jeitler. Ein Umstand, den man laut Grupp nicht auch kommenden Generationen schulde. „Ich bin Unternehmer in der sechsten Generation, ich kann nur nachhaltig arbeiten.“

Cornelius Grupp (Bildmitte) ließ sich von Geschäftspartnern und der Politik für sein Engagement in Klagenfurt feiern
Cornelius Grupp (Bildmitte) ließ sich von Geschäftspartnern und der Politik für sein Engagement in Klagenfurt feiern Foto © KLZ/Traussnig

Ein Einstandsgeschenk brachte Klagenfurts Bürgermeisterin Maria-Luise Mathiaschitz mit: eine neue Anschrift für das Heizwerk. Künftig firmiert man unter der Adresse „Energiestraße 1“. Landeshauptmann Peter Kaiser lobte den „Weitblick jener, die von Anfang an dieses Werk errichten wollten.“

Klagenfurt: Biomasse-Heizkraftwerk Ost in Betrieb genommen

Dass ein Heizwerk nicht ohne Biomasse funktionieren kann, weiß auch Landwirtschaftskammer-Präsident Johann Mössler und bekräftigte: „Die Kärntner Bauern werden ihren Beitrag leisten, schließlich wollen wir auch die Wertschöpfung in der Region halten.“

Die wichtigste Fragen für Kunden klärte Stadtwerke Vorstand Clemens Aigner: Wie viel wird das Heizen pro Jahr kosten? „Man kann mit rund 100 Euro pro Monat für ein durchschnittliches Einfamilienhaus rechnen.“ Durch langfristige Verträge mit der der RZ Gruppe sei man weitgehend unabhängig von Preisschwankungen.

Widerstand seit 2006

Max Felsberger gehört zu jenen Menschen, die gestern die Eröffnung des Biomasseheizwerkes feierten, ohne eingeladen gewesen zu sein. Der Ebenthaler engagierte sich ab 2006 – gemeinsam mit dutzenden Mitstreitern – gegen den Plan eines Gas-Dampf-Kraftwerks im Osten Klagenfurts. Der damalige Bürgermeister Harald Scheucher propagierte das Projekt ökologischen und meteorologischen Einwänden zum Trotz. Als der Verbund, der das Werk errichten wollte, mit einer baugleichen Anlage im steirischen Mellach finanziellen Schiffbruch erlitt, wurden doe Pläne endgültig ad acta gelegt. Für die Bio-Masse-Variante war der Weg damit aber noch nicht frei. Zwischenzeitig wurde auch der Plan gewälzt, Klagenfurt mit der Abwärme des St. Veiter Funderwerks zu heizen. „Letztlich zeigt dieses Beispiel aber, dass man mit dem Widerstand einer Bürgerinitiative durchaus etwas erreichen kann“, sagt Felsberger.

 

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eagle68
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Zensur?

Gestern waren noch drei kritische Kommentare zu lesen, heute sind sie verschwunden! Ist das die neue Meinungsfreiheit der Klztg?

Ob das so "Öko" ist wenn bis zu 160 LKW pro Tag zuliefern, d.H. 320 Fahrten zusätzlich auf den ohnehin schon stark belasteten Straßen in und um Klagenfurt bin ich mir nicht so sicher. Die betroffenen Anrainer an den Zufahrtsstraßen werden es sicher danken!

Interessieren würde mich auch wie viel Biomasse aus dem Ausland (Slowenien, Kroatien) zugeliefert werden muss! Rechnen tut sich das Ganze sowieso nur auf Grund der hohen Ökostromförderung. Die Betreiber sollen sagen was sie bekommen.

Die Stromerzeugung ist deshalb auch kein Nebenprodukt! Es ist umgekehrt, die Fernwärme ist das Nebenprodukt! Diese Tatsache wurde aber immer verschwiegen!

Für Solarpionier R.K. (Greenone Tec) ist das auch nur ein Wahnsinn!

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archiv
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4
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???

- Wer kennt die "strengen Auflagen" der Behörde?

- Wie geht es weiter, wenn die "Ökostromförderungen" auslaufen?

- Warum wird die Fernwärmeversorgung nicht billiger?

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