WörtherseeGlock muss Bad Saag räumen

Die See-Immobilien-Gesellschaft ließ Bad-Saag-Pächter Robert Glock einen Übergabsauftrag zustellen. Im März muss er das Bad räumen.

2,5 Millionen Euro wurden von Glock in Bad Saag investiert
2,5 Millionen Euro wurden von Glock in Bad Saag investiert © KK
 

Im Lokal selbst herrscht Winterbetrieb. An fünf Tagen in der Woche ist Hubert Wallner für seine Gäste da und kocht, ausgefallen wie heimisch.

Doch im Hintergrund kocht es auch - und zwar ein gehöriger Streit zwischen dem Eigentümer, der See-Immobilien-Gesellschaft des Landes Kärnten, und dem Pächter des Bades, dem Unternehmer Robert Glock. Letzterer hat mit Sub-Pächter Wallner in den letzten acht Jahren ein Team gebildet und aus der G'stätten einen Vorzeigebetrieb gemacht. 2,5 Millionen Euro seien investiert worden, sagt Glocks Anwalt Alexander Todor-Kostic. Eben erst wurde Wallner wieder als „Koch des Jahres“ prämiert.

Dieser Tage jedoch wurde Glock ein gerichtlicher Übergabsauftrag zugestellt. „Eine Formalangelegenheit“, wie Reinhart Zechner, Geschäftsführer der See-Immobilien-Gesellschaft, erklärt. Aber eine, mit der man im März 2018, am Ende von Glocks Pachtvertrag, auch einen exekutierbaren Titel in der Hand hätte, um Glock aus dem Bad zu bekommen.

Belastetes Erdreich

Warum Zechner sich zu diesem Schritt entschlossen hat? „Weil er vertragsbrüchig wurde.“ Glock - so die Ansicht Zechners - hätte sich beim Eintritt in den Pachtvertrag dazu verpflichtet, eine 70 Jahre alte Ufermauer im Bad zu erneuern. „Das war nie der Fall, man wollte Glock nachträglich diese Kosten umhängen“, argumentierte Todor-Kostic hingegen stets und erwirkte mittlerweile ein Urteil am Bezirksgericht, dass seiner Ansicht recht gibt. „Ein Fehlurteil, weil hier nach Mietrecht beurteilt wurde, es aber ein Unternehmergeschäft ist“, sagt Zechner, will sich aber „nicht mehr länger mit dem Fall aufhalten“. Man habe die Pacht mittlerweile neu ausgeschrieben und werde die Mauer auf eigene Kosten errichten. Diese ist vor allem deswegen wichtig, weil das Erdreich des Bades noch immer von der einstigen Miniumfabrik belastet ist und ins Wasser zu fallen droht.

Die Politik ist gefragt, den erfolgreichen Investor Robert Glock zu unterstützen.

Alexander Todor-Kostic, Glocks Anwalt
Todor-Kostic sieht nun den nächsten Rechtsbruch durch die See-ImmobilienGesellschaft. „Wir haben eine Option auf weitere acht Jahre Pacht, diese wird mein Mandant freilich ziehen“, so Todor-Kostic. Zechners Replik: „Das wurde schon behauptet, als ich 2014 die Geschäftsführung übernahm und den Rechtsstreit geerbt habe, wir haben aber im ganzen Haus kein entsprechendes Schreiben gefunden.“ Todor-Kostic fordert nun sogar die Politik auf, „den erfolgreichen Investor Robert Glock aktiv zu unterstützen, anstatt auf Kosten des Steuerzahlers Gerichtsverfahren zu führen“.

 

Wer der neue Pächter werden soll, sei völlig offen, betont Zechner. Es gibt eine Vergabekommission die wirtschaftliche, juristische, touristische und kulinarische Aspekte berücksichtigen werde. „Politiker oder Personen aus deren Umfeld gibt es in dieser Kommission nicht.“ Dass Wallner sich selbst beworben habe, wurde berichtet. Der Koch selbst war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Geringe Jahrespacht

Ändern werde sich mit dem neuen Pächter aber jedenfalls etwas: die Höhe der Pacht. Bisher zahlte Glock nur 20.000 Euro Jahrespacht - auch, weil er sich zu Investitionen in der Höhe von 550.000 Euro verpflichtet hatte. „Wir erwarten jedenfalls, dass wir vom nächsten Pächter mehr bekommen“, so Zechner.
Übrigens: Auch darüber, ob Glock die 550.000 Euro in der vom Land vorgeschriebenen Form investiert hat, wird gestritten. Der nächste Rechtsstreit steht also schon an.

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Danke für Ihr Verständnis.

pink69
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typisch

für Kärnten, eine Farce wie es im Buche steht. Hr. Zechner dürfte hier wohl sehr akribisch und ohne Verhandlungsspielraum vorgehen, wenn man dem Bericht der "Kleinen" Glauben schenken darf. Auf jeden Fall "Bürokratie" in Reinkultur, Neid und Profilierungsgeilheit inbegriffen. Wir gratulieren !

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gintonicmiteis
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im Gegenteil

ich sehe darin endlich mal ein Einhalten von Vereinbarungen jenseits der bisher in Kärnten üblichen Mauschelei und Transparenz in der Vergabe von (doch überraschend günstigem) öffentlichem Gut. Das würde man sich in Kärnten öfter wünschen!

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gintonicmiteis
8
15
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Angebliche mündliche Verträge...

lasst mich raten: diese wurde mal an der Bar bei einem Gläschen Wein ausgehandelt... :o)

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