KlagenfurtMaskenbrunnen sorgte für Entrüstung

Vor 20 Jahren wurde der Kogelnik-Brunnen aufgestellt. Warum das neue Wahrzeichen von Klagenfurt für einen Aufschrei unter Architekten gesorgt hat und was der Heiligengeistplatz damit zu tun hat.

"Der Gesang": Kiki Kogelniks Vermächtnis für Klagenfurt © Markus Traussnig
 

Baukünstler gegen Behübscher: So wurde – rückblickend betrachtet – das Match von Außenstehenden wahrgenommen, das sich Architektenkammer und Klagenfurter Verschönerungsverein vor 20 Jahren geliefert haben. Am Ende des heftigen Kulturdisputs hatte die Landeshauptstadt ein neues Wahrzeichen: den Kiki Kogelnik-Brunnen namens „Der Gesang“.

Vor ziemlich genau 20 Jahren, am 30. September 1997, fing der 4,30 Meter hohe Bronzemasken-Brunnen aus Sölker Marmor zu plätschern an; vor der Landhausfassade, nur wenige Meter östlich des neugestalteten Heiligengeistplatzes. Dass Klagenfurt eine Sehenswürdigkeit besitzt, die zu Kogelniks Hauptarbeiten im öffentlichen Raum zählt, hat die Stadt der damaligen Obfrau des Verschönerungsvereins zu verdanken: Lotte Spinka.

Die Grand Dame der Klagenfurter SPÖ und erste Frau im Stadtsenat – Spinka verstarb vor zwei Jahren im Alter von 96 Jahren – hatte die Idee, im Landhauspark einen Brunnen zu errichten. Sie war mit der weltbekannten Künstlerin Kiki Kogelnik befreundet und konnte sie für diesen Auftrag gewinnen, der rund zwei Millionen Schilling teuer war.
Es gab für das Projekt – Vorbild war Kogelniks Freyungsbrunnen in Bleiburg – aber auch kräftigen Gegenwind. Das Kärntner Kulturgremium fühlte sich bei der Auftragsvergabe überfahren, Architekten monierten heftig. „Das war ein richtiger Kulturstreit“, erinnert sich Kurt Peterle, langjähriger SPÖ-Vizebürgermeister und Stadtrat, der heute noch Mitglied des Verschönerungsvereins ist.

Wird seit Jahrzehnten diskutiert: Soll der Heiligengeistplatz Busbahnhof bleiben? Foto © Helmuth Weichselbraun
Dass ein Brunnen nach den Plänen einer renommierten, internationalen Künstlerin aus Kärnten einen Proteststurm in der Kärntner Kulturszene hervorgerufen hat, liegt aber in einem Langzeitproblem vergraben: der Gestaltung des Heiligengeistplatzes, eines Herzensraumes von Klagenfurt.

Kurt Peterle, von 1979 bis 2001 Mitglied der Stadtregierung, weiß noch genau: „Während meiner gesamten Amtszeit hat es darüber Diskussionen gegeben.“ Dabei ging es – so wie auch heute wieder – immer um diese zwei Fragen: Soll der Heiligengeistplatz zentraler Busbahnhof bleiben bzw. wie soll der Platz gestaltet werden?

Der ehemalige Pestfriedhof, dann Fischmarkt und seit den 1950er Jahren Busbahnhof, wurde von den Architekten Gasparin & Meier – sie haben den Wettbewerb gewonnen – erfolgreich umgestaltet und 1995 neu eröffnet. Eine „Gstätten“ gab es allerdings noch zu entfernen bzw. umzubauen: den gegenüber des Heiligengeistplatzes gelegenen Landhauspark.

"Gstätten" Landhauspark, kurz nach der Neugestaltung des Heiligengeistplatzes im Jahr 1996 Foto © KK/Gasper
Und hier wurde Lotte Spinka aktiv. Es gab nämlich Ideen und es wurde darüber diskutiert, den verwilderten Garten vor dem Landhaus pflastern zu lassen. Die Architektur des neu gestalteten Heiligengeistplatzes hätte sich quasi über die Straße Richtung Osten fortsetzen sollen. – Der Verschönerungsverein hat dies trotz Protesten zu verhindern gewusst.

Zur Person

Kiki Kogelnik (1935 - 1997) gehörte mit Maria Lassnig und Arnulf Rainer zur jungen, österreichischen Avantgarde. Die gebürtige Bleiburgerin studierte in Wien an der Akademie der bildenden Künste.

In den 1960er Jahren ging sie nach New York und schloss sich der Pop-Art-Gruppe um Roy Lichtenstein und Andy Warhol an. In den 1970er Jahren fing sie an mit anderen Materialien wie Glas und Bronze zu arbeiten. Heute noch weltbekannt ist sie für ihre "Venetian Heads", Köpfe, die aus Glas gefertigt sind.

Kogelnik war vom Brunnen-Projekt für Klagenfurt begeistert. In der Kleinen Zeitung sagte die Künstlerin 1996: "Anstatt der drohenden Gestik des Lindwurms und dem maskulinen Herkules habe ich an einen fröhlichen, leichten und vielleicht auch etwas weiblichen Brunnen gedacht."

Den Namen "Der Gesang" für den Brunnen erklärte Kogelnik so: "Das Wasser, das aus den Mündern der Masken fließt, soll den Gesang verkörpern." Die Fertigstellung ihres Brunnens, der insgesamt rund zwei Millionen Schilling gekostet hat, konnte Kogelnik leider nicht mehr erleben. Sie starb am 1. Februar 1997 in Wien.

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