Kärnten

"Höchste Eisenbahn" im Kampf gegen den Bahnlärm am Wörthersee

Die baltisch-adriatische Achse wird immer konkreter – und am Wörtherseeufer wächst angesichts der drohenden Güterzuglawine die Nervosität.

Güterzug-Lawine bedroht Tourismus am Wörthersee-Nordufer © Peter Kimeswenger
 

In nicht einmal zehn Jahren, nach Fertigstellung von Koralm- und Semmeringtunnel, sollen täglich 290 Züge auf der neuen Hochleistungsstrecke durch Kärnten in den Süden rollen. Darunter, wie Wirtschaftskammer-Präsident Jürgen Mandl bereits warnte, 100 Güterzüge. Auf Klagenfurt, Villach und die Tourismusgemeinden am Wörthersee-Nordufer kommt eine unvorstellbare Lärmlawine zu.

Gegen diese Bedrohung stemmt sich die Initiative „Rettet den Lebensraum Wörthersee“. Hinter ihr stehen die Gemeinden Velden, Pörtschach, Techelsberg und Krumpendorf sowie Wirtschaftskammer, Tourismusverband Pörtschach und Wörthersee Tourismus GmbH. Sie wurde im Dezember des Vorjahres bei Landeshauptmann Peter Kaiser vorstellig und übergab dabei zusätzlich einen Forderungskatalog an die ÖBB. Doch bis jetzt zeigten die Bemühungen keine konkreten Ergebnisse, weshalb man jetzt Druck aufbaut. „Unsere Existenz und Gesundheit stehen auf dem Spiel“, sagt ihr Sprecher Christoph Neuscheller, „wenn entsprechende Maßnahmen ausbleiben, gehen wir auf die Barrikaden.“ Nachsatz: „Und wenn wir uns an die Schienen ketten müssen, um uns Gehör zu verschaffen.“

Als Erstes will man kurzfristige Maßnahmen: Geschwindigkeitsreduzierung; Lärmschutzwände; Schienenschmieranlagen und Schienenstegdämpfer; leise Güterwagen nach dem Modell Deutschland (was dort u. a. mit einem lärmabhängigen Trassenpreissystem verknüpft ist).

Noch Kapazitäten

Im Büro von Landeshauptmann Kaiser verweist man auf ein Gespräch bei Infrakstrukturminister Jörg Leichtfried im Juni, dessen Kernaussage die Initiative wenig freuen wird: Auf der Wörtherseestrecke gäbe es bei der Auslastung noch Luft nach oben. Kaiser drängt darauf, dass die ÖBB die problematischen Streckenteile in Kärnten in den ÖBB-Rahmenplan 2025-2040 aufnehmen. Zudem werde bis 2017 gemeinschaftlich mit ÖBB und Ministerium ein Aktionsplan Lärmschutz mit einem Bündel von Maßnahmen erarbeitet werden. Dafür, erinnert man, hätten die ÖBB 2013 50 Millionen Euro versprochen.

Die Initiative „Rettet den Lebensraum Wörthersee“ wird sich damit allein aber nicht zufrieden geben. „Langfristig“, so Christoph Neuscheller, „ist das Lärmproblem nur mit einer neuen Trasse, für den Güterverkehr, aus der Welt zu schaffen.“

Zwischen 22 Uhr und 8 Uhr ist das Erstellen von Kommentaren nicht möglich.
Danke für Ihr Verständnis.

joektn
0
6
Lesenswert?

Zu spät

Die mögliche Umleitungsstrecke durch das Rosental wird mit 1.1.2017 im Abschnitt Weizelsdorf - Rosenbach stillgelegt.

Da hätten sie sich früher drum kümmern müssen

Antworten
georgXV
0
4
Lesenswert?

Österreichische Bummel Bahnen

es ist aber sicherlich kostengünstiger diese Strecke wieder zu aktivieren, als kilometerlange Tunnels hinter dem Wörthersee zu bauen !!!

Antworten
ulrichsberg2
1
3
Lesenswert?

Der effektivvollste und günstigste Streckenausbau wäre:

Die ÖBB Wörthersee Strecke zu den Anrainern hin mit Schallwänden wohnenswerter und die Seeseite durch Plexiglas sichtfrei ausbauen.

Antworten
gratej
0
1
Lesenswert?

Rechnung

Noch billiger ist es, alles beim alten zu lassen.
290 Züge, also knapp alle 5 Minuten.
Vor allem Nachts die lauten, alten Güterzüge.
Nichts mehr mit " is schon still uman See"
Der Bahnschranken Waidmannsdorfer Strasse wird immer wieder aufgehen, um ein paar Autos queren zu lassen.
Und die AnrainerInnen werfen vertröstet oder ignoriert.
Sind ja nur KärntnerInnen, also in Wien nicht relevant.
Und LG und Bgm bekommen die Gelegenheit, zu zeigen, ob sie ihren BürgerInnen oder der Partei verpflichtet sind. Kanzler, Infrastrukturministerin, Landeshauptmann und Bürgermeisterin treffen sich ja parteiintern.

Antworten
noodleover
0
6
Lesenswert?

Ui, die Wörthersee Gemeinden u. WK sind aufgewacht!

Betreffend Lärmentwicklung sollten sie sich bei der St. Kanzinaner Bürgerinitiative informieren ! Die Bahnlärmerzeugung musste massiv reduziert werden!

Antworten
wjs13
3
6
Lesenswert?

Böser Strassenverkehr und gute Eisenbahn

beim Lärm den leere Güterzüge verursachen wird auf 100 dB nicht viel fehlen. Bahnanrainer sprechen von leichten Erdbeben die die Deckenleuchten pendeln lassen.
Bei mehr als 12 Zügen, davon mehr als 4 Güterzügen, wird 2025 der Nordufer Fremdenverkehr zu Grabe getragen.
Danke Soziverkehrsminister für die "Luft nach oben".

Antworten
joektn
3
8
Lesenswert?

Re: Böser Strassenverkehr und gute Eisenbahn

Und wenn dann der ganze Güterverkehr auf die Straße verlagert wird mit "leisen LKWs" dann geht die nächste Diskussion los dass zuviele LKWs unterwegs sind.

Ein einziger Güterzug ersetzt im Schnitt rund 30 LKW.

Antworten
Zongher
9
2
Lesenswert?

Kein Problem!

Der Wörthersee kann ohnehin sinkende Grundstückspreise und Wohnkosten vertragen.

Antworten
joektn
5
13
Lesenswert?

Wie lange gibt's die Strecke schon?

Wer sich neben einer Bahn ansiedelt muss damit rechnen dass da auch was fährt. Zudem sei angemerkt dass der Tourismus rund um den Wörthersee ohne die Bahn nie das geworden wäre was er heute ist. Viele Existenzen gibt es nur wegen der Bahn.

In den letzten Jahren wurde die Wörtherseestrecke eh schon beinahe komplett eingehaust und von Lärmschutzwänden verschandelt...

Antworten
Amadeus005
4
2
Lesenswert?

Kärnten wird besser mit der internationale Wirtschaft verbunden

Und wen stört das? Die Wirtschaftskammer. - Finde den Fehler.

Antworten
Sand2
7
6
Lesenswert?

Untertunneln

Ein zweigleisiger 300 km/h-Tunnel ohne jegliche Haltestelle von Villach Hbf bis Klagenfurt Hbf wäre nicht der erste 40 km lange Eisenbahntunnel der Welt. Fahrzeit Klagenfurt-Villach max 10 Minuten. Den Lokalverkehr nach Töschling, Velden und Pörtschach erledigt tagsüber ein fahrerloser Schienenbuss/Bim im Zwei- bis Dreistundentakt.

Antworten

Bei der Erstellung von Kommentaren haben Nutzer rechtliche Bestimmungen (z. B. Privat-, Strafrecht), die Netiquette und Forenregeln einzuhalten. Was wir in diesem Forum nicht dulden: Beschimpfungen, Verspottungen, Belästigungen, Ehrbeleidigungen, Verhetzung, Diskriminierung in jedweder Form, Rassismus, Aufrufe zu Gewalt oder gar Selbstjustiz. Beiträge, die diesen Bestimmungen zuwiderlaufen, werden bei Kenntnis gelöscht, Nutzer im Wiederholungsfall gesperrt. Zudem behalten wir uns die stundenweise oder völlige Schließung von Foren vor. Wir weisen Sie darauf hin, dass wir auch keine Links zu anderen Websites akzeptieren.
Als Nutzer stimmen Sie der Speicherung der von Ihnen angegebenen Daten (Stamm-, Verkehrsdaten, etc.) ausdrücklich zu. Die angegebenen Daten werden an staatliche Stellen (z. B. Polizei, Gericht) bei Untersuchung von vom Nutzer verbreiteten Materialien, oder sonst vorgenommenen ungesetzlichen Aktivitäten, weitergegeben. Weiters werden angegebene Daten (Name und Adresse) an sonstige Dritte bei Verletzung von Rechten oder sofern deren Rechtsverletzung nachvollziehbar behauptet wird (zB gem. § 18 Abs. 4 ECG), weitergegeben. Mit der Erstellung von Kommentaren stimmen Sie dem ausdrücklich zu und verzichten auf die Geltendmachung von jeglichen Ansprüchen. Siehe dazu auch unsere Forenregeln/Betriebsbedingungen in den AGB.