20 ° C
Graz

Zeltlager Krumpendorf

„Wir kamen her, um zu überleben“

Die Flüchtlinge im Krumpendorfer Zeltlager sind voll dankbarer Hoffnung. Beamte vor Ort loben friedliche Stimmung und Kooperationsbereitschaft.

Zu Hause haben die Flüchtlinge viel Gutes über Europa gehört
Zu Hause haben die Flüchtlinge viel Gutes über Europa gehört © KLZ/Markus Traussnig
 

Man darf nicht hinein, begegnet ihnen aber auf den Straßen in der Nähe des Zeltlagers. Die Flüchtlinge in Krumpendorf integrieren sich mühelos und unauffällig ins bunte Straßenbild der Hochsaison. Sie sind meist jung, beeindrucken durch gepflegtes, sympathisches Äußeres, sprechen Englisch, was ihre Bildung verrät und sind Neugierigen gegenüber meist freundlich und offen. Manche lassen sich auch fotografieren, wie Mohammed und Odai, die zu Hause in Syrien Wirtschaft studiert haben. Doch dann sei die Situation durch Krieg und Terrorismus so gefährlich geworden, dass sie ihres Lebens nicht mehr sicher waren. „Wenn du aus dem Haus gehst, weißt du nicht mehr, ob du zurückkommst.“ Flucht sei der einzige Ausweg gewesen. Zwei Monate habe sie gedauert und eine Menge Geld gekostet.

Von Österreich haben sie gehört, dass es hier „nice people“, nette Leute gebe, daher würden sie gerne Deutsch lernen und hier bleiben, bis der Krieg vorbei ist. Viele Familien in Syrien schicken die besten ihrer Söhne in die Flucht, damit wenigstens sie überleben und vielleicht später den Zuhausegebliebenen das Überleben ermöglichen können.

Mirivani hat in Syrien Literatur studiert, bevor der Krieg alle Perspektiven zerstörte. Er und sein Freund hoffen, ihre Familie irgendwann nach Europa holen zu können. Sie haben zu Hause nur Gutes über die EU gehört. „Man sagt, hier sind alle Länder gut, friedlich und demokratisch“.

Video3 (f25fb7e9)

Europa sei „ein guter Platz“, meinen auch zwei junge Schicksalsgenossen, die anonym bleiben wollen. „Wir hatten keine Wahl, wir mussten fliehen. Wir wären sonst nicht mehr am Leben.“ Nicht nur ihre Arbeitsgrundlage als Hotelangestellter und Taxifahrer sei durch den Krieg zerstört worden, sondern auch ihre Familie. Beide haben Opfer im engsten Kreis zu beklagen und traumatische Erlebnisse hinter sich. Dass es auch in Österreich soziale Probleme und Menschen gibt, die fürchten, dass ihnen Flüchtlinge einen Job wegnehmen, können sie sich überhaupt nicht vorstellen. „Wir sind doch keine Konkurrenz, wir sprechen nicht einmal Deutsch.“

Vier Monate Flucht

Hasmad hat in seiner Heimat Afghanistan, wo er Chauffeur war, den Terror der Taliban erlebt. Er sehe dort keine Überlebenschance, sagt er und zeigt auf seinen Fuß mit der Schusswunde. Vier Monate lang war er auf der Flucht. Das Zeltlager findet er „good“, in Traiskirchen habe er auf der Wiese geschlafen. Doch alles sei besser als die Todesangst, die er zu Hause erlebt hat.

„Die Flüchtlinge sind äußerst dankbar und sehr kooperativ“, sagt Otmar Roschitz, Polizeibeamter des Innenministeriums vor Ort. Den ganzen Tag höre man nur „Danke“. Von den Einheimischen und der Gemeinde werde jeden Tag Hilfe angeboten. Freiwillige hätten Deutschkurse organisiert. Mittlerweile konnte man die Flüchtlinge neu einkleiden. „Vielen sind die Flipflops an den Füßen zerfallen.“ Bekleidung können sich Flüchtlinge mit 40 Euro Taschengeld im Monat nicht leisten.

Einige sieht man mit Rädern das Camp verlassen. „Eine Spende der Bevölkerung“, sagt Dietmar Tschudnig vom Innenministerium. „Sie wechseln sich ab mit dem Fahren.“ Die Zusammensetzung der Insassen sei sehr vielschichtig. „Vom Ziegenhirten bis zum Philosophieprofessor ist alles da.“ Was sie alle eint, ist die Hoffnung auf Menschenwürde und ein besseres Leben.

„Welle der Solidarität ist über See geschwappt“

Jahre lang hat die beim Krumpendorfer Pfarrgemeinderat angesiedelte Gruppe mit dem Motto „Lust auf Gerechtigkeit“ Vorbereitungsarbeit geleistet für das, was nun alle bewundern, obwohl es selbstverständlich sein sollte: die Akzeptanz von Menschen, die hierher kommen, weil sie Hilfe brauchen. In den Pfarrgemeinderatsausschuss „Dienst am Nächsten“ integriert, folgt die 20-köpfige Gruppe unter der Leitung von Harald Grove, der eng mit Pfarrer Hanspeter Premur zusammenarbeitet, der Prämisse: „Wer auch immer anklopft, wir haben ein Ohr für ihn“.

Das Pfarrfest am Sonntag sei ohne öffentliche Ankündigung und ohne Plakate in eine Solidaritätskundgebung für die Flüchtlinge übergegangen, freut sich Premur. Die Musikguppen hätten gratis in der Waldarena gespielt, die Singgemeinschaft Krumpendorf habe spontan mitgemacht und kurzerhand ihr Jahreskonzert dorthin verlegt, 1000 Leute und 60 Flüchtlinge seien gekommen. „Es war ein Wunder“, staunt Premur heute noch über den „unglaublichen Moment.“ Die „Welle der Solidarität“, die über den See geschwappt sei, habe Spenden in der Höhe von mehreren Tausend Euro an Land gespült.

„Die Toleranz in Krumpendorf ist vorbildlich“, freut sich auch Bürgermeisterin Hilde Gaggl, die keinen Grund sieht, darum Aufhebens zu machen. „Bei uns herrscht völlige Normalität“. Weder Einheimische noch Touristen seien in irgendeiner Weise betroffen, es sei nichts Auffallendes zu bemerken. „Es ist nicht notwendig, künstlich Spannung zu erzeugen“, appelliert sie an Medien und Sensationslüsterne. Im Ort herrsche friedliche Harmonie wie immer.

ELKE FERTSCHEY

Wir bitten um Ihr Verständnis, dass zu diesem Artikel keine Kommentare erstellt werden können.

Forenregeln lesen
Anniefrid75
2
9
Lesenswert?

Wahnsinn, welche Kommentare man hier lesen muss.... Unmenschlicher geht's nicht mehr...

Antworten
Karawankenpetzi
16
8
Lesenswert?

Wir kamen her um zu überleben !?

Überlebt hätten Sie auch in der Türkei, Bulgarien, Serbien, Bosnien, Kroatien und Slovenien das sind die Länder die man durchreisen muß um von Syrien nach Österreich zu kommen !!

Antworten
Vrbin
4
13
Lesenswert?

Ein großes Lob

der KLZ für die Berichterstattung
allen Helfern und Spendern
der Bürgermeisterin

Antworten
Kopfschüttler
8
8
Lesenswert?

liebe KLZ

bitte bei berichten über Ausländer und Asylanten das Forum gar nicht öffnen.
Denn das lockt hier nur die Hetzer und rechts-denkenden an.

Antworten
Anniefrid75
2
6
Lesenswert?

Wie recht Sie haben...

Antworten
Karambesi
15
11
Lesenswert?

Alles studierte und ...

Ärzte Dipl. Ing. und sonst noch was,und alle jung. Wie naiv unsere Politiker sind. Die zimmern sich ihre Antworten schon in ihrem Heimatland zurecht. Habe kein Vertrauen mehr in unsere Politik. Der Staat fährt gegen die Wand.

Antworten
cattinara
12
11
Lesenswert?

nein, es ist auch die Rede von Ziegenhirten - die Frage ist nur, wie können die sich die sehr teure Flucht leisten???

Antworten
alkemah
10
2
Lesenswert?

Warum flüchten alle anstatt ihr Heimatland zu verteidigen??? Warum werden die Frauen mit Kinder zurückgelassen?? Alles vorausgeplante Sache!!!

Antworten
lawine213
7
0
Lesenswert?

alkemah. weil die frauen die ersten 2 jahre

das haus nicht verlassen dürfen ! (laut Religion)

Antworten
alkemah
0
0
Lesenswert?

Liebeer lawine, wo haben sie diesen blödsinn aufgegriffen??

Antworten
livornese
7
5
Lesenswert?

Unglaublich...

wie die Medien versuchen, eine Meinung über die Asylpolitik zu etablieren und wie der Bevölkerung hier eingeredet wird, was die Mehrheit über die Thematik denkt. Komischerweise aber - egal mit wem man spricht - kein einziger vertritt diese Meinung.

Antworten
Anniefrid75
12
14
Lesenswert?

Man kann bei einigen von Ihnen hier nur hoffen, dass Sie niemals in die Situation kommen mögen, das eigene Land aus Angst vor dem Tod verlassen zu müssen..... Die wenigstens von uns können sich auch nur im Entferntesten in die Lage dieser Menschen versetzen - aber mit dem Urteilen sind alle ganz schnell! Manch einer sollte sich wirklich schämen!

Antworten
KaraNirwan
12
13
Lesenswert?

Nice People = naiv

Nice People glauben jede abenteuerliche Geschichte über Ausbildung und Flucht. Nice People wundern sich, dass jemand, der kostenlos Unterkunft und Verpflegung genießt, dankbar und kooperativ ist.
Nice People werden irgendwann ein böses Erwachen erleben, wenn die Realität zuschlägt.

Antworten
HeinrichDerGroße
16
26
Lesenswert?

@Nahabidere und @atila1

Das größte Problem, welches wir im Staat haben, sind die "Kleingeister", die sich permanent vor'm verhungern und verfolgt werden fühlen.
Jeder hat mehr als genug zum Leben, aber das Wenige, welche diese Menschen brauchen, ist auch noch zu viel.
Diese Armseeligkeit (nich nur)im Herzen macht mir mehr Sorgen.
Ihr solltet mal mit euren Großeltern sprechen, wie es war, als die vom Krieg heim kamen...

Antworten
lawine213
8
2
Lesenswert?

heinrich...... dann erklär mir mal bitte , wie die so armen leute

zu marken-klamotten-schuhen und den neuesten Smartphones kommen ???

Antworten
atila1
15
16
Lesenswert?

ach Heini,

eben diese Großeltern sind geblieben und haben uns eine Zukunft gegeben. Aber bist du wirklich so kleingeistlich um zu glauben das viele dieser sogenannten Flüchtl. heimkehren. Ach ja, und sind unsere Großeltern abgehauen und haben Frau und Kind zurückgelassen?

Antworten
HeinrichDerGroße
0
8
Lesenswert?

@atila1 / Volnar...

..ach ja! Die Geschichte zu halbieren geht nicht. Lernt die Geschichte, dann diskutieren wir weiter. Ich bin ein spätes Kriegskind und glaube zu wissen, wovon ich spreche.
Es hat in Europa zigtausende vertriebene und verschleppte Menschen gegeben, die mit Spenden begannen, ihr Leben in unserer Heimat oder in anderen Staaten Europas neu aufzubauen.
Beeilt eich, manche Zeitzeugen könnten noch leben! Aber wenn man eine Sache sooo eng sieht wie manche hier, dann mag die Rechnung für diese Poster wohl stimmen.

Antworten
Volnar
8
13
Lesenswert?

Nein Teile unserer Großeltern sind in den Krieg gezogen und haben nen Wahnsinnigen unterstützt und haben Kind und Kegel zu Hause gelassen. Anstatt nach dem 1.Weltkrieg unser Land aufzubauen haben sie sich lieber zuerst die Köpfe gegenseitig eingeschlagen und sind dann in weiterer Folge in den Krieg gezogen, der unserem Land viel Leid und Armut gebracht hat.

Aber es waren auch unsere Großeltern die 1956, 180.000 Flüchtlinge aus Ungarn aufgenommen haben und es waren unsere Großeltern die 1968, 162.000 Flüchtlinge aus Tschechien/Slowakei aufgenommen haben. Unsere Großeltern haben nämlich gewußt wie es ist, nichts zu haben und in ständiger Angst zu leben. Unsere Großeltern haben diese Leute unterstützt obwohl es ihnen zu dieser Zeit sicher schlechter gegangen ist als uns jetzt.

Antworten
HeinrichDerGroße
0
1
Lesenswert?

@volnar...!

Verflixt; ich hab da 2 Namen durcheinand gebracht!
Streichen sie meinen letzten Satz vom Posting um 11.45 h (darunter..!)
Leider!

Antworten
HeinrichDerGroße
0
4
Lesenswert?

@Volnar...

JA!!!! Da sind wir im zweiten Absatz einer Meinung.

GENAU darum geht es! Warum also dann (diese) negative Haltung gegen diese Menschen...?
Trotz der Bemühung meinerseits, ich kann sie nicht verstehen...

Antworten
Nahabidere
19
22
Lesenswert?

Sieh an sieh an, liab sans alle...

Alles gebildete und angesehene Leut die da kommen, wirklich süss. Aber auch wenn wirklich nur ein geringer Teil Amokläufer drunter sind- durchfüttern müss ma's derwegen alle für immer, wenn einmal ja sagst musst immer ja sagen. Aber wir ham's ja. Notfalls erhöh ma halt wieder Motorsteuer und NoVa...

Antworten
xnots1109
3
12
Lesenswert?

Hast

ein Problem mit gebildeten Leuten? Scheinbar. Aber das wundert mich irgendwie bei dir irgendwie gar nicht.

Antworten
atila1
15
20
Lesenswert?

ach, würden doch die Medien

auch täglich über die schreiben, die dies ermöglichen - sprich Steuergeld erwirtschaften unter immer größeren Druck in der Arbeitswelt unsw.
Aber was wird täglich suggestiert, sparen,sparen wo es nur geht. Dann wundern sich die Gutmenschen das sich der Großteil der Bevölkerung immer mehr gefrotzelt fühlen. Bitte wacht doch endlich auf, wir haben selbst genug Probleme - wir müssen sie uns nicht noch reinholen.

Antworten
nafets
13
21
Lesenswert?

Schönschreiben

Zum bier trinken und rauchen in einem grünen krumpendorfer lokal dürften die 40€ reichen.... Wenn man so durch krumpendorf geht, sind die jungen herren echt gut integriert- sehen aus als wären sie urlauber. Tut mir leid liebe kleine zeitung aber weiter denkt von euch keiner! Alles wird schöngeredet bzw. "schöngeschrieben" Wie soll das finanziert werden? Alleine schon die aussage "wir sind auf dem arbeitsmarkt keine konkurrenz, wir sprechen nicht mal deutsch" na was glauben sie wer für den lebensunterhalt dieser männer und den nachgeholten familien weiter zahlen wird? Und bei ca. 300 neuen asylanträgen täglich wirds sicher nicht besser...

Antworten

Bei der Erstellung von Kommentaren haben Nutzer rechtliche Bestimmungen (z. B. Privat-, Strafrecht), die Netiquette und Forenregeln einzuhalten. Was wir in diesem Forum nicht dulden: Beschimpfungen, Verspottungen, Belästigungen, Ehrbeleidigungen, Verhetzung, Diskriminierung in jedweder Form, Rassismus, Aufrufe zu Gewalt oder gar Selbstjustiz. Beiträge, die diesen Bestimmungen zuwiderlaufen, werden bei Kenntnis gelöscht, Nutzer im Wiederholungsfall gesperrt. Zudem behalten wir uns die stundenweise oder völlige Schließung von Foren vor. Wir weisen Sie darauf hin, dass wir auch keine Links zu anderen Websites akzeptieren.
Als Nutzer stimmen Sie der Speicherung der von Ihnen angegebenen Daten (Stamm-, Verkehrsdaten, etc.) ausdrücklich zu. Die angegebenen Daten werden an staatliche Stellen (z. B. Polizei, Gericht) bei Untersuchung von vom Nutzer verbreiteten Materialien, oder sonst vorgenommenen ungesetzlichen Aktivitäten, weitergegeben. Weiters werden angegebene Daten (Name und Adresse) an sonstige Dritte bei Verletzung von Rechten oder sofern deren Rechtsverletzung nachvollziehbar behauptet wird (zB gem. § 18 Abs. 4 ECG), weitergegeben. Mit der Erstellung von Kommentaren stimmen Sie dem ausdrücklich zu und verzichten auf die Geltendmachung von jeglichen Ansprüchen. Siehe dazu auch unsere Forenregeln/Betriebsbedingungen in den AGB.