Nachtkritik

Tanzen mit und ohne Unterleib

Stadttheater Klagenfurt: Heidelinde Weis und Nikolaus Barton bieten in Richard Alfieris "Sechs Tanzstunden in sechs Wochen" Bewegungstherapie. Auch für Herz und Hirn.

© Stadttheater Klagenfurt/Karlheinz Fessl
 

"Ich bin nicht verrückt, ich bin Italiener. Wir benehmen uns immer so," sagt Michael. "Seit er tot ist, hat sich die Beziehung zu meinem Mann deutlich verbessert," gesteht Lily. Pointenreich, mit etlichen Täuschungsmanövern und Wortgefechten hat Richard Alfieri seine "Sechs Tanzstunden in sechs Wochen" durchchoreografiert. 

Die gutsituierte ältere Dame und der Tanzlehrer, den sie zu sich in die Wohnung im 14. Stock eines  Hochhauses bestellt, sind grundverschiedene Charaktere. Würden sie einander auf Anhieb verstehen, man würde stutzig werden. Wie Regisseur Patrick Schlösser, der am Stadttheater Klagenfurt  in der aktuellen Spielzeit mit Mozarts "Zauberflöte" bereits einen schönen Erfolg landen konnte, die beiden Individualisten Schritt für Schritt zueinander führt, hat  Rhythmus und Stil. Umso mehr, weil Heidelinde Weis die Tanzstunden in einem Sessel konsumiert und sehr anmutig von der Hüfte aufwärts tanzt, während sich Nikolaus Barton in den entsprechenden Kostümen und Dialekten bei Tango, Wiener Walzer etc. austobt.

Dass die beiden zu alten Hadern Themen wie Altern, Einsamkeit, Angst, Vorurteile oder Vertrauen verhandeln, ist wie eine  Bewegungstherapie für Herz und Hirn.

USCHI LOIGGE

 

 

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