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Kein Frieden auf dem Ulrichsberg

Heftige, aber gewaltlose linke Proteste gegen gestrige Ulrichsberg-Feier. Auch Neonazis unter den Besuchern.

© AP
 
Abgeschirmt von einem Großaufgebot an Sicherheitskräften, fand gestern am Gipfel des Ulrichsberges das traditionelle Kriegsheimkehrer-Gedenken statt. Heuriges Motto: "Nie wieder Krieg."

Am Fuße des Berges protestierten rund 120 Ulrichsberg-Gegner, etliche in Vermummung. Laut Polizei die gleichen, die schon am Samstag Ulrichsberg-Besucher attackiert hatten. Gestern blieben gewaltsame Übergriffe aus, die Polizei hinderte die Protestierer daran, die Zufahrtswege zu blockieren. Unterdessen konnte rund ein Dutzend Rechtsradikaler die Polizeiabsperrung ungehindert passieren. Beamte des Verfassungsschutzes fotografierten die einschlägig Tätowierten zwar, die Organisatoren störten sich jedoch nicht an ihnen.

Kein Regierungspolitiker. Anders als in den Jahren zuvor, mischte sich kein Regierungspolitiker unter die rund 600 Besucher (laut Bundesheer, andere Quellen sprechen von 1000). Die Hauptreden hielten der Klagenfurter ÖVP-Chef und Stadtrat Peter Steinkellner als Ulrichsberg-Obmann, Rudolf Gallob als Präsident sowie der Bundesobmann des Kameradschaftsbundes, Ludwig Bieringer.

"Massenschlächter". Steinkellner hatte in der Vorwoche für Aufregung gesorgt, weil er den ehemaligen jugoslawischen Präsidenten Josip Broz Tito mit Hitler gleichgesetzt hatte. Gestern bekräftigte er diesen Vergleich und legte nach. Mit Blick auf die Demonstranten sagte er: „Wenn jemand Stalin und Tito als Vorbild nimmt, so ist er in einen Topf zu werfen mit anderen Massenschlächtern, egal ob Hitler, Pol Pot oder Stalin.“ Gallob verurteilte die Proteste als „undemokratisch“. Bieringer grenzte sich in seiner Rede scharf vom Rechtsradikalismus ab: „Wir gedenken sicher nicht eines verbrecherischen Regimes.“

Messe auch auf Slowenisch.Bestandteil der Veranstaltung war auch eine ökumenische Messe. Zu einem kleinen Teil war sie in Slowenisch gehalten, was bei einzelnen Besuchern für verhaltenes Murren sorgte.