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Der Kirchtag tanzte, bis die Schuhsohlen löchrig waren
Riesenerfolg mit den Dancing Stars Andy und Kelly Kainz beim Polkaüben. Auf den Publikumstanzböden ließ so mancher seine Schuhsohle. Und gefeiert wurde bis zum Morgengrauen.

Foto © KLZ/Helmuth Weichselbraun
Die Villacher und ihre Gäste haben die fünfte Jahreszeit, also den Kirchtag, wieder in vollen Zügen genossen. Fröhlich wurde in der Altstadt gefeiert, wo "Mister Brezel", Peter Tolazzi, heuer das letzte Mal als Gebäck-Geschäftsführer unterwegs war - die nächste Brezel-Generation scharrt bereits in den Startlöchern. Bereits um 10 Uhr Vormittag gab es am Kirchtagsgelände schon den ersten Höhepunkt: das "Wildsingen" der Sängerrunde Fellach-Oberdörfer. "Es ist quasi illegal, aber ein Pflichttermin für alle Sangesfreunde", erklärte Chorleiter Steffen Sack. Die bekannten Weisen mit der zweiten Bassstimme verstärkt hat übrigens SPÖ-Urgestein Reinhart Rohr. "Ich feiere heuer mein 30-jähriges Sängerjubiläum und bin obendrein seit 25 Jahren eingebürgerter Villacher", so der geborene Stockenboier.
Ebenfalls jubiliert haben einige Mitglieder der Ladermusik, die mit Großbauer Franz Teppan schon seit den frühen Morgenstunden unterwegs waren. Werner Fercher und Herbert Rader blasen quasi den Gmanbauern seit 25 Jahren den Marsch, Harmonikaspieler Josef Gössl musiziert gar seit drei Jahrzehnten. "Und wir werden jedes Jahr besser", waren sie sich einig. Großbauer "Rohr" Teppan stimmte dem zu. "Sensationell, genau so, wie der heurige Kirchtag. Die Brauchtumswoche mit den vielen Programmpunkten war so abwechslungsreich, wie noch nie!" Nur zum Tanzen mit Andy und Kelly Kainz sei er nicht gekommen. "Aber da werden wir uns schon noch was abschauen", lachte er. Kollege "Glas" Jörg Moser wird vor dem nächsten Tänzchen aber noch warten müssen. "Ich muss meine Stiefel immer nach drei Tagen Kirchtagsladen zum Schuster bringen. Das ist so, wie bei einem Pferd - die brauchen ja auch neue Hufeisen!"
Apropos Pferd. Heuer neu im x-fach fotografierten Gespann vor dem geschmückten Bierwagen der Villacher Brauerei war "Jackl" - mit seinen vier Jahren war er das jüngste der eleganten Percheron-Pferde. Wie seine Stallkollegen Adam, Wastl und Bruno, zog er den Bierwagen mehrmals geduldig über den Hauptplatz und ließ sich gerne fotografieren. Abgelichtet wurde dann auch das Gelände - und zwar von oben. "Wir haben aus Duisburg gelernt und heuer erstmals das gesamte Kirchtags-Areal mit mehreren Hubschrauberflügen überwacht", ließ Chefinspektor Günther Lessiak von der Villacher Polizei wissen. Auch sein Schwerpunkt Prävention habe gegriffen und sei bei der Bevölkerung gut angekommen. "Allein am Samstag sind 44 Personen im Streifendienst, insgesamt sorgen 60 Beamte für einen reibungslosen Ablauf", so Lessiak.
Kräftig im Einsatz war auch das Kirchtags-Herz der Kleinen Zeitung, das offiziell bekundet, wie sehr man auf Österreichs größtes Brauchtumsfest steht. So darf man seit Samstag ganz ohne Zweifel auch die Tänzer aus Estland als riesengroße Kirchtags-Fans bezeichnen. "Ein wunderbares Fest, köstliches Bier, freundliche Leute und die Stimmung. Einfach super", freute sich etwa Alvar Bloom. Er und seine Kollegen aus Paide sorgten mit ihrer Kleidung, genannt "Taku Riided", ebenso für Aufsehen, wie das festliche Gewand der "1. Reg. Fanteria" aus dem Veneto. Leider nur von der Ferne miterleben konnte die Wienerin Wilhemine Kollmann den Kirchtag. Sie ließ sich 1954 als Model für das Kirchtagsplakat fotografieren und wurde im Vorjahr nach aufwendigen Recherchen aufgestöbert. "Sie hatte gesundheitliche Probleme", bedauert Kirchtagsgeschäftsführer Johann Presslinger. "Im nächsten Jahr ist sie aber sicher dabei!" Erstmals beim Laden mit der Gman geholfen hat dafür Knecht Georg. Ohne fesche Laderin und mit einem Besen ausgestattet, achtete Ehrenbauer Hans Löscher genau darauf, dass der Bauer in spe artig den Boden kehrte.









