Kärntner des TagesHeinz Ortner: "Hofnarr" der Mächtigen

Heinz Ortner offenbart in seinem Buch „Macht Mensch“ Spielregeln für den Weg an die Spitze.

© Kulmer
 

Menschen, die Macht haben, sollen sie positiv nützen. Und dabei vor allem Mensch bleiben, Glaubwürdigkeit und Haltung bewahren, ohne sich zu verleugnen und ohne andere Menschen zu unterdrücken. So stellt sich Heinz Ortner (52) Verantwortungsträger mit „natürlicher Autorität“ vor, die idealistisch und begeisterungsfähig geblieben sind, Freude am Führen haben und gemeinsam mit anderen Menschen etwas bewegen, um die Gesellschaft zu gestalten.

Gibt es diese Macht-Menschen, die nichts mit Diktatoren gemein haben? Ortner, der Jahrzehnte lang als Politikberater, Coach, Medientrainer und Kabinettschef in der Landesregierung Erfahrung gesammelt hat, lernte viele von ihnen kennen und interviewte sie für sein Buch „Macht Mensch“. Seine eigenen Erfahrungen ließ der Jurist aus Zell am See, der als Jugendlicher gerne Karl-May-Nachfolger geworden wäre, auch ins Buch einfließen. Er möchte „gute Leute“ ermuntern, „sich nicht zu schade zu sein“, Verantwortung zu übernehmen.

„Wir brauchen Frauen und Männer an der Spitze, die Orientierung geben, für Ziele kämpfen und Widersprüche überwinden können“, sagt der Leiter der Kärntner Verwaltungsakademie, der als 22-Jähriger im Sommer ein Studentenhotel in Klagenfurt leitete und sich schon damals in den Wörthersee verliebte, in dem er nun seit 25 Jahren von Mai bis Oktober badet, auch bei einer Wassertemperatur von 15 Grad. Sein Buch schrieb der stolze zweifache Vater, der von seiner „großartigen“ Gattin Margit tatkräftig unterstützt und je nach Stimmungslage gebremst oder ermuntert wird, täglich morgens von 6 Uhr bis 6.30 Uhr vor der Arbeit.

Abends wurde die handschriftliche „Krakelei“ auf Band diktiert und später ins Reine geschrieben. „Gute Stimmung, Kommunikation und Humor sind beim Führen wichtig“, betont der extrovertierte „Sprachdenker“, dem beim Reden „alles Mögliche“ einfällt und der die „Neugierde auf Menschen“ als Antriebsfeder bezeichnet. „Ich sammle Begegnungen“, sagt der Segelbootbesitzer, der Biografien liebt, von Isabel Allende und Gioconda Bellis „Republik der Frauen“ schwärmt. Lachen ist ihm ebenso wichtig wie ein Happy End im Film oder die „provokative Therapie“, die er bei seiner Coach-Ausbildung in Konstanz gelernt hat.

Das „liebevolle Karikieren der Weltsicht des Klienten“ wendet er auch bei Politikern an. Weil er so „harmlos und teddybärig“ aussehe, könne er sich vieles erlauben. „Die Hofnarr-Rolle spiele ich für mein Leben gern“, sagt der Autor. „Wir brauchen mehr Hofnarren in der Gesellschaft“.

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