Kärntnerin des Tages

Catrin Bolt: Der Alltag ist ihre große Kunst

Künstlerisch-politisches Engagement, serviert mit feiner Ironie: Die Völkermarkterin Catrin Bolt (36) bekommt den Otto-Mauer-Preis.

© Markus Traussnig
 

Catrin Bolt wäre nicht Catrin Bolt, wenn sie nicht auch Preise mit einem kräftigen Augenzwinkern entgegennehmen würde. Die Völkermarkterin wird am 3. Dezember mit dem renommierten Otto-Mauer-Preis ausgezeichnet, begleitend dazu gibt es im Wiener JesuitenFoyer eine Ausstellung. Und Catrin Bolt wird tun, was sie als Künstlerin am liebsten macht: Alltagsgegenstände zweckentfremden und auf humorvolle und ironische Art und Weise umdeuten.

Konkret heißt das: Sie wird ihr eigenes Wohnzimmer, das ihr auch als Atelier dient, in das JesuitenFoyer übersiedeln und die dortige Ausstellungsarchitektur (Tisch, zwei Sesseln, Ausstellungsvitrine) kommt in ihre Wohnung: „Die Menschen dürfen dieses Wohnzimmer auch benützen, sozusagen für ihre Zwecke entfremden“, erzählt die 36-Jährige. Gleichzeitig können Besucher so ganz nah an die Künstlerin herankommen.

Mithilfe von analoger Fotografie, Video, Film oder Installation setzt sich die Absolventin der Wiener Akademie der bildenden Künste seit vielen Jahren mit den Inhalten von Orten und Räumen auseinander und macht über minimale Eingriffe deren Vielschichtigkeit erfahrbar. Oder stellt die Sehgewohnheiten auf den Kopf. Wenn sie etwa das Werfen eines Steines so fotografiert, dass er wie ein Ufo über einer Landschaft zu schweben scheint. Oder, wenn sie weggeworfenes Plastik sammelt, drapiert und bis zu 15 Minuten lang belichtet, um daraus „Plastiklandschaften“ (so der Titel der Serie) zu schaffen. Damit verbunden ist häufig auch ein gesellschaftskritischer Gedanke – im Fall der Plastiklandschaften etwa die um sich greifende Verschmutzung durch das Material.

Plastikfrei

Das Catrin Bolt übrigens normalerweise meidet: „Ich kaufe nichts mehr, das in Plastik eingepackt ist.“ Überhaupt hat die freiberufliche Künstlerin das Einkaufen in Supermärkten gänzlich eingestellt: „Ich will wissen, woher mein Essen kommt.“ Dafür hat sie sich einer „Foodcoop“ angeschlossen, einer Gruppe von Menschen, die direkt beim Erzeuger einkauft. Sogar ihr Plan B hat damit zu tun: „Sollte ich einmal nicht mehr von meiner Kunst leben können, würde ich wwoofen, also als Helferin auf biologischen Höfen mitarbeiten.“

Derzeit muss sie sich darüber keine Gedanken machen, denn der Mauer-Preis ist mit 11.000 Euro dotiert und ihre Arbeiten für den öffentlichen Raum sind gefragt: Bereits 2010 realisierte sie fünf „Orientierungstafeln“ mit Luftaufnahmen aus dem Jahr 1945 auf dem Gelände des Naherholungsgebiets Viehofen (St. Pölten), wo es einst ein Zwangsarbeitslager gab – Catrin Bolt setzte sich beim Wettbewerb gegen 160 Mitbewerber durch. 2014 gewann sie die Ausschreibung für ein Gedenkprojekt für das KZ Gusen, in Wien und Graz hat sie das Mahnmäler „Lauftext“ und „Alltagsskulpturen“ verwirklicht: Dafür hat Catrin Bolt Texte von Holocaustüberlebenden auf die Gehsteige jener Orte aufgetragen, an denen Übergriffe stattfanden. Zurzeit arbeitet Bolt an der Umsetzung von Ehrenmälern für die Soziologin Marie Jahoda und die Romanistin Elise Richter im Arkadenhof der Uni Wien.

Und immer wieder an ihren Fähigkeiten als Pianistin. Die trainiert Catrin Bolt, die auch Mitglied im Wiener Künstlerchor „Kördölör“ ist, regelmäßig an Eduard Holsts „Hexentanz“: „Der ist für mich sehr schwer, aber schon meine Urgroßmutter hat ihn gespielt.“ Von ihr stammt auch das Klavier, das ebenfalls ins JesuitenFoyer übersiedeln wird. Wie auch das gut gefüllte Bücherregal. Derzeit liest die Tochter einer Bibliothekarin übrigens bevorzugt Bücher über die Geschichte der Astronomie.

Zu Person und Preis

Catrin Bolt, geboren 1979 in Völkermarkt. Von 1997 bis 2003 Studium an der Akademie der Bildenden Künste Wien. Lebt als freiberufliche Künstlerin in Wien. Zahlreiche Ausstellungen und Projekte im öffentlichen Raum.
Der Otto-Mauer-Preis (11.000 Euro) wird an Catrin Bolt am 3. Dezember um 19.30 Uhr im
Erzbischöflichen Palais (Wollzeile 2) durch Kardinal Christoph Schönborn übergeben.
Ausstellung anlässlich der Preisverleihung: Eröffnung 4. Dez., 19.30 Uhr im JesuitenFoyer (Bäckerstraße 18). Bis 24. Jänner. Geöffnet Mo./Di. 16-19 Uhr und So. 12-13 Uhr (zwischen 21. Dez. und 9. Jänner geschlossen).

MARIANNE FISCHER

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sagessa
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