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Ein geerdeter Diplomat auf Höhenflug

Wolfgang Waldner (56) hebt ab: vor Freude über Ostern daheim im Gailtal, über seine Familie und als Staatssekretär im Außenamt sowieso.

 

Ein bisschen hektisch, aber sehr bewegend, und meine beiden Töchter waren auch dabei", beschreibt Wolfgang Waldner die Angelobung durch den Bundespräsidenten. Keine zwei Stunden später war der neue Staatssekretär im Außenministerium bereits unterwegs Richtung Kärnten. Dass er sich zu Ostern ins Gailtal verzieht, zu den Eltern nach Dellach, war schon lange geplant. Nach seiner Berufung werden es wohl für einige Zeit die letzten ruhigen Tage sein. "Ab nächster Woche habe ich einen vollen Terminkalender," freut sich der 56-Jährige "umso mehr" auf daheim.

Allerdings ist auch sein neuer Job eine Art Heimkehr. Im Juni vor 30 Jahren hat Waldner im Außenamt begonnen. Jetzt "an der Spitze dieses Ministeriums mit fantastischen Mitarbeitern" zu stehen, macht dem bisherigen Chef des Wiener Museumsquartiers (MQ) den Abschied von Österreichs größter Kulturmaschine leichter. Wenngleich: "Ich gehe schon mit einem weinenden Auge." Schließlich hat er mit seinem Team ein Riesenprogramm zum 10-Jahr-Jubiläum des MQ vorbereitet.

Da Waldner für Außenminister Michael Spindelegger "ein Vertreter in allen Belangen" zu sein hat, geht er einmal davon aus, beim großen Festakt im Juni nicht dabei sein zu können. "Aber der Bundespräsident ist Festgast und hat gemeint, er könnte ja dafür sorgen, dass ich eine Einladung bekomme," schmunzelt der Diplomat, der wegen seiner zurückhaltenden und überlegten Art geschätzt wird.

Krafttanken beim Sporteln

Die nötige Ausdauer und Kondition für seinen Job holt sich der sportliche Waldner unter anderem beim Bergsteigen und auf dem Mountainbike. Der Moment, als er Schifahren lernte, war einer der wenigen, wo es mit ihm bergab ging: "Mein Vater hat mich auf einen Hügel bei uns in Dellach gestellt und angeschubst." Etwas anderes als loszufahren blieb ihm da nicht übrig.

Zielorientiert ging der Kärntner auch an seine berufliche Laufbahn heran. Schon als Elfjähriger wusste er, dass er Diplomat werden will. Während der Gymnasiumszeit im Lienzer Internat litt Waldner zwar an Heimweh, während die jüngere Schwester Evelin ihn um die Freiheit beneidete, doch sollte es ihn bald ins Ausland ziehen.

Neben dem Studium nomadisierte der Sprachbegabte (Waldner spricht Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch) als Fremdenführer, erarbeitete sich seine - wie im Bekanntenkreis anerkennend festgestellt wird - "extreme Internationalität". Dass zwischen ihm und seinem Berufswunsch die ungeliebte Diplomatenakademie lag, umging er mit Post-graduate-Studien in Bologna und Grenoble.

Einmal im Außenamt, ließ er sich in die Kulturabteilung versetzen. Eine gute Strategie: "In meinem Jahrgang war ich als Erster im Ausland, als Kulturattaché in Washington beim damals dynamischsten Botschafter" (Thomas Klestil). Zurück in Wien zog Waldner mit Außenminister Alois Mock "als mobiles Büro quer durch die Weltgeschichte", fast ununterbrochen im Flugzeug und dennoch mit beiden Beinen am Boden. Mit 32 Jahren war er Leiter des Kulturinstituts in New York. 1999 wurde er Direktor des damals noch unfertigen Museumsquartiers.

Im Sommer 2008 liebäugelte der geschiedene Wiedergebundene (die jüngere Tochter Valentina lebt bei ihm und seiner Partnerin, die ältere, Antonia, studiert Wirtschaftsrecht) im Gespräch mit der Kleinen Zeitung "mit einer Rückkehr ins Außenministerium in spätestens sechs Jahren". Keine drei Jahre hat es gedauert.

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