Bezirks- und Gemeindesuche
Susanne Dermutz' Bild von Frauen ist preisgekrönt
Die 64-jährige Susanne Dermutz bekommt am Mittwoch den österreichischen Staatspreis für Gleichberechtigung verliehen.

Foto © KLZ/Susanne HasslerSusanne Dermutz
Als ihre Mutter als junge Schneidermeisterin in der Zwischenkriegszeit einen Modesalon in Wien übernehmen sollte, billigten das ihre Eltern nicht und sie wurde nach Hause beordert. Doch Susanne Dermutz' Mutter ließ sich nicht unterkriegen und machte ihren eigenen Salon auf. "Ihr Ziel war von Anfang an die Unabhängigkeit von Familie und Ehemann. Das hat sie auch mir mitgegeben", erzählt die ehemalige Pflichtschullehrerin und jetzige Erziehungswissenschaftlerin an der Uni Klagenfurt. Die 64-Jährige bekommt am Mittwoch einen der sechs Käthe-Leichter-Preise für Frauen-, Geschlechterforschung und Gleichstellung in der Arbeitswelt in Wien verliehen.
Einen Stolperstein der Emanzipierung sieht Dermutz heutzutage in der gesellschaftlichen Individualisierung. "Die wirkt sich unweigerlich auf die Gleichberechtigung aus", sagt die Klagenfurterin, die ebenso das Zentrum für Frauen- und Geschlechterstudien als auch die seit den 1980ern bestehende Frauenberatungsstelle in Völkermarkt ins Leben gerufen hat. "Jede Frau fokussiert sich auf sich und sieht nicht mehr das Wir." Unverständnis zeigt die alleinerziehende Mutter von Lena (26) und Zora (24) bei den boomenden Schönheitsoperationen. "Da setzen wir uns jahrelang gegen Genitalverstümmelung ein und westliche Frauen zahlen für Intim-OPs."
Die gebürtige Steirerin, die seit über 30 Jahren in Kärnten lebt, sieht sich als Europäerin. Nicht zuletzt seitdem ihre Tochter Zora in Barcelona an der Kunstuniversität Modedesign studiert. "Ich besuche sie so oft es mir möglich ist", sagt die begeisterte Konzert- und Theatergeherin, die gerne mit Walkingstöcken das Klagenfurter Kreuzbergl erkundet.
Im nächsten Jahr verabschiedet sich Dermutz "planlos" in den Ruhestand. "Ich nehme mir bewusst nichts vor. Und schau' einfach, was passiert." Doch ganz so ratlos ist die Türkeiliebhaberin nicht wirklich: "Ich möchte noch viel mehr reisen, um im Fremden das Eigene zu entdecken."
Features
Auszeichnung
Käthe Leichter (1895-1942) war die erste Frauenreferentin der Arbeiterkammer sowie wissenschaftlich und politisch im Interesse der Frauen tätig.
Der österreichische Staatspreis würdigt Leistungen im Bereich der Wissenschaften, der Frauenbewegung und der Herstellung von Geschlechtergerechtigkeit.








