Springe zu: Inhalt | Hauptnavigation | Seitenleiste | Fußzeile
18. Mai 2013 21:14 Uhr | Als Startseite
Neu registrieren

Bezirks- und Gemeindesuche

Für die Natur am Drücker Sie nimmt Maß Voriger Artikel Aktuelle Artikel: Kärntner des Tages Nächster Artikel Für die Natur am Drücker Sie nimmt Maß
Zuletzt aktualisiert: 06.10.2012 um 19:29 UhrKommentare

Klagloser Aufstieg zum Chefankläger

Friedrich Borotschnik (59) ist der neuer Leiter der Staatsanwaltschaft Klagenfurt. Der Familienvater ist Chef von 20 Anklägern und der erste Kärntner Slowene in dieser Funktion.

Friedrich Borotschnik

Foto © EggenbergerFriedrich Borotschnik

"Um diesen Job beneidet ihn niemand", sagen viele. Friedrich Borotschnik muss herzhaft lachen, wenn er diese Aussage hört. "Ich weiß, ich habe eine schwierige, aber schöne Aufgabe vor mir. Ich freue mich auf diese Herausforderung", sagt der 59-Jährige und führt in sein neues, helles Büro mit Blick auf den Klagenfurter Heuplatz.

Seit Montag ist Borotschnik Leiter der Staatsanwaltschaft Klagenfurt. Einer Behörde, die in letzter Zeit viel Kritik einstecken musste. "Kritik ist mit gebotener Gelassenheit auszuhalten", findet der Chefankläger. Mit Borotschnik, das soll nicht unerwähnt bleiben, schaffte es erstmals ein Mitglied der slowenischen Volksgruppe an die Spitze der Staatsanwaltschaft. Das tue nichts zur Sache, findet der Jurist. "Ich bin ja nicht Chefankläger geworden, weil ich Kärntner Slowene bin." Wenngleich ihm die Volksgruppenangehörigkeit sehr wichtig ist. "Wir Kärntner Slowenen sind ein Teil der Landesgeschichte", betont Borotschnik. Er selbst ist als Sohn einfacher Bergbauern in Feistritz ob Bleiburg aufgewachsen. Danach studierte er in Wien.

"Die Zweisprachigkeit hat mir viele Türen geöffnet", erzählt er. Und meint damit den Zugang zu anderen Sprachen: Neben Deutsch, Slowenisch, Englisch und Serbokroatisch kann er auch Russisch. "Derzeit versuche ich, meine Kompetenz in Tschechisch zu erweitern." Viel Zeit dürfte ihn dafür nicht bleiben: Sein Schreibtisch geht über vor Akten, sein Handy klingelt im Zehnminutentakt. Als junger Ankläger - er begann damals bei der Staatsanwaltschaft St. Pölten - hätte er sich nicht gedacht, dass er irgendwann Chef von 20 Staatsanwälten sein wird. "Das hat sich allmählich so entwickelt. Auch weil ich als junger Ankläger von meinen damaligen Amtsvorgängern viel lernen konnte."

Gewalt und Obduktionen

Am 1. Jänner 1987 begann er bei der Staatsanwaltschaft Klagenfurt. Seine ersten Fälle sind ihm noch immer in Erinnerung. "Wie etwa ein Messerstecher, der mich nach der Urteilsverkündung anspuckte." Unvergessen sei ihm auch eine Frau, die 1995 i, Raum St. Kanzian als vermisst gemeldet war. "Ihre Leiche wurde dann bereits von Tieren zerfressen im Wald gefunden. Diese Dame war von ihrem Partner erwürgt worden, nachdem sie einen Lottogewinn gemacht hatte." Am Tatorte sei ein Schuh entdeckt worden. "Darin war ein Haar, das dem Täter gehörte." Womit Kärnten seinen ersten Fall hatte, der mithilfe der DNA-Analyse geklärt wurde. Gewaltdelikte, sagt Borotschnik, würden ihn nie kalt lassen. "Die Schicksale der Opfer graben sich tief in einen hinein", gesteht der Ankläger. Und die Täter? Sind ihm auch nicht egal. Die seien für ihn mehr als nur Schuldige. "Die Lebensgeschichten, die hinter den Angeklagten stehen und die Umstände, die zu den Taten führen, sind wichtig und oft berührend." Als Ankläger hat er auch schon einige Obduktionen miterlebt. "Der Tod ist mir nichts Fremdes mehr", meint er, "in meinem Beruf begegnet mir der Tod oft." Auch die Wirtschaftskriminalität ist ein wichtiger Teil seines Jobs. "Die Finanzkrise hat vermehrt zu Wirtschaftsstrafsachen geführt", sagt Borotschnik. "Wir Staatsanwälte spüren die Auswirkungen gesellschaftlicher Problemen immer sehr stark."

Erkenntnisse wie diese werden wohl auch im Hause Borotschnik in Feistritz/Rosental oft besprochen: Denn Borotschniks Zwillinge (Sohn und Tochter, 21) studieren ebenso Jus. Seine Gattin ist als Pädagogin familienintern in der Minderheit. "Da steht es 3:1 für Jus," schmunzelt Borotschnik.

Wie es ihm gelingt von der Juristerei abzuschalten? "Ich bin Viel-Geher, Viel-Leser, Viel-Reisender", sagt er. Und schwärmt von Äthiopien, Russland und Kuba, bevor er einen Blick auf seinen Schreibtisch voll Arbeit wirft und trocken anmerkt: "Derzeit reise ich hauptsächlich durch Ermittlungsakten."

MANUELA KALSER

Zur Person

Friedrich Borotschnik studierte Jus in Wien. "Nach dem Gerichtsjahr habe ich in mehreren Gerichten in Wien und Nieder-österreich gearbeitet." Unter anderem war er Richter am Bezirksgericht Floridsdorf.

Für ihn "eher überraschend" erreichte ihn dann das Angebot Ankläger bei der Staatsanwaltschaft St. Pölten zu werden. Bei der Staatsanwaltschaft Klagenfurt war er in den ver-gangenen Jahren als stellver- tretender Behördenleiter tätig.

Kärnten > Klagenfurt

Sonnig Nebel
Klagenfurt
min: 8° | max: 21°
7-Tagesprognose

Aktuelle Leser-Fotos

Kärntner des Tages gesucht

Wir suchen Ihre Vorschläge! Kennen Sie jemanden, der Besonderes leistet? Dann schreiben Sie uns!

 

Babys aus Kärnten



Hochzeiten / Jubiläen

Leserfotos aus Kärnten

Treten Sie mit uns in Kontakt!

 

Verkehrsmeldungen

Foto: ÖAMTC
 

Todesanzeigen

Todesanzeigen aller Bezirke in Kärnten.



Seitenübersicht

Zum Seitenanfang