Bezirks- und Gemeindesuche
Man hört von ihm aus London
Michael Kasper (53) aus Klagenfurt berichtet zum zehnten Mal von Olympia. Er leitet in London das fünfköpfige Radio-Team des ORF.

Foto © Gepa
Hotel Posthaus. Am Stadtrand von Lüttich. Irgendwann Ende der 1980er-Jahre. Michael Kasper ist bei einem seiner ersten Formel-1-Wochenenden. Alleine, dass er dort hingekommen ist, war schon so etwas wie eine Beförderung. Sein ORF-Kollege Heinz Prüller hat ihn als Assistenten mitgenommen. Das tat er normalerweise nicht gerne.
Auch das McLaren-Team war im "Posthaus" abgestiegen. Und Kasper erinnert sich, als sei es gestern gewesen. Als die damaligen McLaren-Stars Alain Prost und Gerhard Berger zum Abendessen gekommen sind, habe Prüller in der Sekunde Messer und Gabel fallen lassen und sich um ein paar Wortbrocken der beiden bemüht. "Da habe ich mir gedacht, wenn ein Heinz Prüller das kann, kann ich es auch. Es hat mir irgendwie verdeutlicht, dass du als Sportjournalist immer und überall - rund um die Uhr - arbeiten musst", sagt Kasper heute.
Das Damals . . .
Die fast untertänige Demut eines Heinz Prüllers vor Sportstars hat sich Kasper nicht abgeschaut. "Aber ich bin ein Fan eines jeden Sportlers in jeder Sportart", sagt er. Bereits als 16-Jähriger hat Kasper für die Kleine Zeitung als freier Mitarbeiter begonnen. Sein Herr Papa, Leo Kasper, war der legendäre, langjährige Sportchef der Kleinen Zeitung. "Ich habe tausende Fußballspiele gesehen. Man musste sich noch in der Kabine die Aufstellungen zusammentragen", sagt Kasper lachend.
Beim ORF begonnen hat der heute 53-Jährige unter Radio-Legende Edi Finger. Aber als seinen "ganz großen Mentor" bezeichnet er Heinz Prüller, nach Fingers Tod einige Jahre Leiter der Radio-Sportredaktion. Heute ist Kasper selbst Sportchef-Stellvertreter. Und in London leitet er bei seinen zehnten Olympischen Spielen das fünfköpfige Radio-Team des ORF, unter anderem auch mit dem Kärntner Toni Hönigmann.
Kaspers große Liebe gehört immer schon dem Eishockey (Cousin Peter Kasper ist Eishockey-Manager). Seit über zwei Jahrzehnten ist aber auch noch der Radsport hinzugekommen. Seine erste Tour de France war gleich eine historische, als 1989 Greg LeMond neun Sekunden vor Laurent Fignon gewonnen hat. Georg Totschnigs Sieg auf der großen Pyrenäen-Etappe 2005 gehört zu den aufregendsten Momenten, die der gebürtige Klagenfurter erlebt hat. Damals haben sogar die großen Zeitungen "L'Equipe" und der holländische "Telegraaf" über Kasper als "zweitglücklichster Mann auf dem Berg neben Georg Totschnig" geschrieben.
. . . und das Heute
Michael Kaspers Gattin Elisabeth kommt ebenfalls aus Kärnten - und zwar vom schönen Klopeiner See. Die beiden Kinder haben mehr oder weniger das Sport-Gen des Herrn Papa geerbt. Der 19-jährige Sohnemann spielt Fußball beim SK Breitenfurt, die 14-jährige Tochter hat am Wiener Konservatorium eine Tanzausbildung begonnen.
Die Entwicklung des Radio-Journalismus vom Zerschrauben von Telefonhörern, um Interviews zu übertragen, bis zu den heutigen digitalen Soundfiles beschreibt Kasper als "erdrutschartig". Ansonsten hat sich für den begeisterten Segler bis heute nichts geändert. "Ich schätze nach wie vor und ausnahmslos jede Leistung eines Spitzensportlers."








