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Zuletzt aktualisiert: 31.07.2012 um 18:55 UhrKommentare

Ein Leben für die Familie

Albin Pichler (106!) aus Großkirchheim ist der älteste Kärntner. Der Mölltaler Landwirt geht noch täglich spazieren und hört gerne Radio.

Foto © Kleinsasser

A ls er im Jahr 1906 als jüngster von neun Geschwistern das Licht der Welt erblickte, war die Welt eine andere: Keine Autos, kein Fernsehen, keine Maschinen - alles musste in Handarbeit erledigt werden.

Albin Pichler, der als ältester Kärntner nun seinen 106. Geburtstag feierte, erinnert sich an diese harte Zeit noch sehr genau: "Als ich zwei Jahre alt war, starb mein Vater. Unsere Mutter konnte den kleinen Hof nicht halten und hatte keine andere Wahl, als uns bei Bauern unterzubringen, wo wir für Essen und Gewand gearbeitet haben. Dort hieß es folgen und beten!"

Als Kind erlebte er den Ersten Weltkrieg, arbeitete später als Holzknecht, bis er sich im Jahr 1939 von seinem Ersparten den eigenen Hof vulgo "Untere Gollmitzer" in Heiligenblut kaufen und dann seine Veronika heiraten konnte. Kurz darauf die Einberufung in den Zweiten Weltkrieg: "Als Kugelfutter wurden wir in die Normandie geschickt, wo viele einfach abgeschossen wurden." Pichler überlebte und kehrte nach der Gefangenschaft 1945 heim - im Gefangenengewand. "Das war schwarz mit dem weißen Schandfleck hinten. Alle sind vor uns davongelaufen", erinnert sich der Mölltaler. "Aber meine Frau war froh, dass ich wieder da war." Viel gemeinsame Zeit blieb den beiden allerdings nicht. Seine Gattin starb 1956 an einem Gehirntumor. Pichler blieb mit vier Kindern zurück.

Sonntags in die Kirche

"Seit 56 Jahren bin ich jetzt allein", sagt der 106-Jährige, der seinen Hof 1964 an Sohn Anton übergab und 1995 zu seiner kranken Schwester nach Großkirchheim zog, um ihr im Alltag zu helfen. Nach ihrem Tod lebt er noch heute dort.

Eine Enkelin schaut abends vorbei. Sohn Anton fährt morgens und mittags von Heiligenblut herunter und kümmert sich ums Essen. Außerdem sorgt er dafür, dass sein Vater, der gerne spazieren geht und Radio hört, sonntags in die Kirche kommt. Denn das ist für Pichler auch mit 106 Jahren immer noch Pflicht.

CAMILLA KLEINSASSER

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