Bezirks- und Gemeindesuche
Jetzt muss es ohne Franz Stockinger "wettern"
Nach fast 40 Jahren Wetterdienst geht ZAMG-Klagenfurt-Chef Franz Stockinger in den Ruhestand. Und hat viel vor.

Foto © KLZ/TraussnigFranz Stockinger
Als Meteorologe hat Franz Stockinger zwar einen guten Draht zum Himmel. Das hat ihn aber nicht davor bewahrt, sich übers Wetter zu ärgern. "Vor 15 Jahren hatte ich zu Ostern Sonne vorhergesagt und dann gab's Regen. Ein bekannter ORF-Moderator hat mich noch Jahre später damit aufgezogen."
Zum Glück ist Stockingers Fehl-Prophezeiung ganz und gar untypisch für seine 40 Dienstjahre bei der Erdbeben- und Wetter-Zentrale ZAMG. Denn wenn er in Kürze die Pension antritt, schallen ihm aus kundigen Politikermündern Attribute wie "Wetterfrosch Nummer eins" (Landesrätin Prettner) oder Komplimente wie "Sein Wetter-Wissen und seine Wetter-Erfahrungen sind einzigartig" (Landeshauptmann Dörfler) hinterher.
Einen Teil seines Wissens hat der 65-Jährige in der Antarktis erworben: "In einem Südsommer, von September bis März. Pinguine, Robben, Orcas in unserer Bucht, überwältigendes Licht im Inneren der Gletscher." Man spürt die sanfte Sehnsucht . . .
1978 kam der gebürtige Oberösterreicher nach Kärnten. Zuvor in Innsbruck hat er nicht nur studiert, sondern auch seine Erdbeben-Premiere erlebt: "Ich habe mit Freunden vor dem Goldenen Dachl gesessen, als plötzlich die Lampen wackelten. Ich dachte: Das gibt's doch nicht - wir haben ja noch gar nichts getrunken."
Überhaupt durchzieht die scheinbar (im übertragenen Sinn) trockene Welt dieses Mannes, der lieber lächelt als lacht, eine unerwartete Heiterkeit. Da heißen die Mittelmeertiefs schon mal "unsere Feinde". Oder: "Die Meteorologen sägen ständig an dem Ast, auf dem sie sitzen. Weil sie die Wettermodelle perfektionieren wollen, bis sie selbst überflüssig sind." Auf einer Fensterbank sitzen Wetterfrösche und scheinen die Tätigkeit der Wissenschaftler zu ironisieren.
Dabei gehören Geodynamik und vor allem die Meteorologie zu den Top-Wissenschaften: Die neuen Computer leisten hunderte Billionen Rechenoperationen pro Sekunde, Satelliten liefern die Daten und die Knoten des Mess-Netzes in Österreich liegen nur noch 2,5 Kilometer auseinander. Ferne und Nähe haben es den Wetterexperten angetan, Prognosen zu den nächsten Stunden und weit entfernten Tagen.
Natürlich weiß Stockinger, was beim Klimawandel auf uns zukommt: "Häufigere, längere und heißere Hitzeperioden. Mehr Extremereignisse, die intensiver verlaufen. Größere Schäden. Mehr Hitzetote." Beunruhigender Nachsatz: "Viele Experten sagen, es sei fünf nach zwölf!"
In seiner Zeit als ZAMG-Klagenfurt-Chef hat Stockinger ein effektives und sympathisches zwölfköpfiges Team geleitet. Die Meteorologen haben die Öffentlichkeit schon bisher erfrischend offen und kompetent über das Wetter informiert. Dass das so bleiben wird, macht Stockingers Abgang erträglicher.
Der aber freut sich. Mit seiner Lebensgefährtin kann er sich jetzt verstärkt Büchern, Opern und Konzerten widmen - und seinem Lieblingshobby, dem Bootfahren. Der Höhepunkt: "Nachts mit dem Kajak durch die Kanäle von Venedig, ab und zu ein Blick in hell erleuchtete Palazzi. Wenn man das doch nur fotografieren könnte!"









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