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Zuletzt aktualisiert: 01.02.2012 um 20:12 UhrKommentare

Probleme fordern ihn

Arno Bammé (67), Wissenschaftler aus Krumpendorf, ist Mitglied des neu gegründeten "Amtes für Arbeit an unlösbaren Problemen" in Berlin.

Für Soziologe Arno Bammé ist so schnell nichts unmöglich: "Es braucht nur die richtige Zeit und Querdenker"

Foto © TraussnigFür Soziologe Arno Bammé ist so schnell nichts unmöglich: "Es braucht nur die richtige Zeit und Querdenker"

Der kleine Bär fragt den Tiger: "Siehst du Land dort in der Ferne?" Sein Freund antwortet: "Ich seh' es nicht. Doch säh' ich's gerne!" Der Frosch, der auch im Boot sitzt, sagt jedoch: "Ich sehe 100.000." So steht es auf dem Brillenetui von Arno Bammé.

Und als hätte der Soziologe am Institut für Technik- und Wissenschaftsforschung an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt beabsichtigt zu dem Janosch-Druck gegriffen, ist er für jedes unlösbare Problem offen. Bammé ist nämlich Mitglied des Berliner "Amtes für Arbeit an unlösbaren Problemen und Maßnahmen der hohen Hand".

Auf Initiative des deutschen Künstlers und Kunsttheoretikers Bazon Brock beschäftigen sich Bildende Künstler, Philosophen und Wissenschaftler seit Dezember 2011 mit scheinbar unlösbaren Problemen wie der Finanzkrise, der Kernenergie und dem Bevölkerungswachstum. "Mit unserem heutigen Wissen können wir diese Probleme nicht lösen", sagt Bammé. "Die Wissenschaft und auch unsere Gesellschaft orientieren sich zu viel an der Vergangenheit, als dass in die Zukunft gedacht wird." So hatten zum Beispiel die Griechen die Fantasie vom Fliegen.

Der Mythologie nach flog Ikarus mit Wachsflügeln gen die Sonne und verbrannte. "Völliger Blödsinn, heute weiß man: Je näher man der Sonne kommt, desto kälter wird es. Und auch das Fliegen ist durch die Technik möglich geworden", erklärt der 67-Jährige. Und so stolpern auch heute Menschen über unlösbare Probleme. "Ich glaube, mir gefällt der Gedanke eines solchen Amtes deshalb so gut, weil es völlig chaotisch ist, mir neue Perspektiven eröffnet und mich zudem aus dem Uni-Trott entführt. So entstehen meist die besten Ideen", sagt der gebürtige Deutsche, der Ende der 1960er an der freien Universität in Berlin studierte und seine Lebensgefährtin Ingrid im Sinne der 68er-Bewegung kennen und lieben lernte.

Seit einigen Jahren findet der Krumpendorfer Entspannung bei Kreuzfahrten wie etwa nach New York oder Grönland. Und erst recht beim Schwimmen: "Warum denken Sie, wohne ich in Krumpendorf und nicht in Graz, wo wir auch einen Universitätsstandort haben?" Der Wörthersee hat es Bammé nun einmal angetan.

ESTHER FARYS

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