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Gerhard Fillei & Joachim Krenn: Die Marathon- Filmer
Vor 15 Jahren fiel die erste Klappe für das Filmprojekt von Gerhard Fillei und Joachim Krenn. Jetzt kommt ihr Psychothriller "New York...November" ins Kino.

Foto © KLZ/TraussnigGerhard Fillei & Joachim Krenn
Job gekündigt, Kamera gekauft, Flug nach New York gebucht, Kamera weg, Drehbuch geschrieben, Filmrechte weg, zweimal fast pleite, Filmrechte zurück, Förderer gefunden, Film beendet, Kinopremiere! Die atemraubende Geschichte von Joachim Krenn, Gerhard Fillei und ihrem Kinoprojekt ist ein Film zum Film.
Knapp 15 sehr emotionsgeladene Jahre Arbeit hat das Duo aus Kärnten in seinen Psychothriller investiert. Jetzt läuft "New York . . . November" ab 30. November in den Kinos an. "Wir sind 1997 davon ausgegangen, dass wir in zwei Jahren fertig sind", sagt Joachim Krenn, geboren in Wolfsberg und seit seinem zehnten Lebensjahr filmverrückt. Super-Acht-Filme, analoge Fotografie, siegreiche nicht-kommerzielle Wettbewerbsfilme - seine Leidenschaft entwickelt sich früh.
Mit 16 Jahren traf er in der HTL Ferlach Gerhard Fillei aus Villach. "Es war zwischen uns sofort eine Intensität da", erinnert sich Fillei, der damals Goldschmied lernte und die Ausbildung abschloss. Krenn brach seine Büchsenmacher-Lehre ab. "Ich hab eines Tages die Schultasche gepackt. Es war nicht mein Ding", erzählt der 47-Jährige, der Dekorateur wird und zum Firmenchef aufstieg: "Da konnte ich meine Zeit einteilen, Drehbücher schreiben und filmen."
Fillei arbeitete im Künstlerhaus Salzburg und bei der Studiobühne Villach. Der Kontakt zwischen den Beiden riss nie ab. Die Pläne, die sie während der Schulzeit gemeinsam geschmiedet hatten, werden nie vergessen. Mit 31 Jahren las Krenn von einem Workshop für Filmemacher in New York. Die Freunde, die mittlerweile Familien hatten, entschieden sich, zu kündigen und in die USA zu reisen.
Im Gepäck hatten sie eine Arri-Film-Kamera, die sie in ihrer New Yorker Schule deponierten - ein Fehler, wie sich später herausstellte. Ernüchternd erkannten die "Kärntnermen" in New York, dass der Kurs für blutige Anfänger ist. Reine Zeitverschwendung. Der Schulrektor sah das anders. Er wollte für den Ausstieg 1000 Dollar zusätzlich zum gezahlten Schulgeld und behielt die Kamera als Pfand. "Eine Bekannte hat uns aus der Klemme geholfen. Wie in einem schlechten Film haben wir die Kamera zurückgeklaut." Filmstar Marketa Kimbrell (spielt in "Der Pfandleiher" von Sidney Lumet) erfuhr von der Geschichte und öffnete den Kärntnern die Türen zu ihren Vorlesungen an der New-York-University in Sachen Regie und Schauspiel - kostenfrei.
"Das ist eine der Begegnung, die uns Kraft gegeben hat", gestehen die Kreativen, die nie aufgeben wollten. Während des USA-Aufenthalts warfen die Beiden auch ihr Drehkonzept über Bord, als sie die Nachricht von einem der schwersten Banküberfälle in Amerika hörten. TV und Radiostationen berichteten von drei Tätern, zwei wurden erschossen, der Dritte nie gefunden. Später sprach die Polizei nur von zwei Tätern. Der mögliche dritte Mann aber ließ Krenn und Fillei nicht mehr los. Der Unbekannte wird die Hauptfigur ihres Psychothrillers.
In ihrer fünften Drehphase 2001 in NY gaben sie die Rechte an ihrem Film an eine Produktionsfirma ab. Mit dem Vertrag wollten sie Geld lukrieren. Das Duo drehte ohne Rechte weiter, nahm unzählige Jobs an, um Geld für Film und Familie zu verdienen - sieben Jahre lang. Bis die nächste schicksalsträchtige Begegnung auf sie wartete - jene mit Carl Hollmann. Der Filmproduzent half ihnen, die Rechte zurück zu erwerben. Der Knoten platzte, jetzt ging es Schlag auf Schlag. Komponist Sascha Selke, der auch 1998 mit der Filmmusik angefangen hat, schrieb sie 2008 in ein paar Nächten fertig und nahm sie im Superklang mit dem Hongkong Symphony Orchestra auf. Die Postproduktionen des Films wurden in New York, Berlin und Zürich beendet.
"New York . . . November" ist ein Film über die Sehnsucht nach einem selbstbestimmten Leben", sagen Fillei und Krenn, ein Leben, wie sie es führen.
Features
Joachim Krenn
Steckbrief. Krenn wurde 1964 in Wolfsberg geboren. Verheiratet mit Gaby, gemeinsam zwei Söhne (Sebastian, Lukas). Joachims Eltern leben in Wolfsberg. Die ganze Familie sowie Schwester und Bruder haben die Filmidee unterstützt - auch finanziell.
Gerhard Fillei
Steckbrief. Fillei wurde 1963 in Villach geboren, ein Bruder. Verheiratet mit Sigrid, zwei Söhne (Benjamin, Samuel). Mama Fillei lehrte Gerhard Selbstverantwortung. Die Skepsis des Vaters ist verschwunden und hat Raum für Verständnis geschaffen.
Film-Chronologie
1996. Kündigung der Jobs, 1997. Ankunft in New York, Drehbuch, Drehbeginn, zwei intensive Drehphasen 1998. Schnittbeginn (im Filmclub Villach), Studiodreharbeiten in Kärnten 1999. Dritte Drehphase in NY, Studiodrehs in Kärnten mit US-Darstellern
2000. Vierte Drehphase New York, Schnitt und Tonarbeiten
2001-2007. Fünfte Drehphase NY, Verlust der Rechte, Schnitt, Jobs im Kunstbereich, Dreharbeiten in Kärnten, Co-Produzent Carl Hollmann kommt ins Spiel
2008. Rückerwerb der Rechte, letzter Dreh in NY, Musikaufnahmen in Hongkong
2009. Postproduktion Berlin, Zürich
2010. Deutsche Synchronfassung
2011. Kinostart Österreich








