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Zuletzt aktualisiert: 30.10.2011 um 20:15 UhrKommentare

Mit der Sprache baut er Brücken

Pfarrer Sepp Lagger übertrug - mit Bischof Michael Bünker - die Evangelien in Kärntner Dialekt, um damit mehr Menschen zu erreichen.

"Wenn du im Dialekt redest, vermittelst du, dass du ein Mensch bist", sagt Sepp Lagger

Foto © Peutz"Wenn du im Dialekt redest, vermittelst du, dass du ein Mensch bist", sagt Sepp Lagger

Sepp Lagger hat dieser Tage viel zu tun. Nicht nur am Montag, am Reformationstag, denn der Oberkärntner ist nicht nur evangelischer Pfarrer der Glaubenskirche in Wien-Simmering. Nebenbei jobbt er auch als Übersetzer von Bibeltexten.

Weil der Seelsorger aus Leidenschaft, der es "schön" findet, "wenn die Leute in die Kirche kommen, weil es keinen anderen Grund gibt, hinzugehen als den, dass man das will", Tag und Nacht mit Menschen zu tun hat, weiß er auch, wie man so manchen von ihnen am besten erreicht: "Über den Dialekt", erklärt er, "denn viele Leute haben in der Schule schlechte Erfahrungen gemacht." Die Hochsprache erinnere sie daher "an ungeliebte Lehrer, an Besserwisser", sagt er: "Wenn du dagegen im Dialekt redest, vermittelst du, dass du ein Mensch bist."

Der Dialekt sei "eine ganz gute Brücke", meint Lagger und spricht seinem Chef Bischof Michael Bünker aus der Seele. Weshalb die zwei, die auch Studienkollegen und Freunde sind, einen Versuch gestartet haben: "An einem 10. Oktober lasen wir Bibeltexte erstmals im Kärntner Dialekt", sagt Lagger. In Wien, nicht in Kärnten. Aber "es gab so viel Applaus." Bei einer "langen Nacht der Kirchen" machten "Vorstadtpfarrer" (Lagger) und Bischof die gleiche Erfahrung.

Aus "einer Spielerei" wurde Ernst. Das Duo übersetzte erst das Markus-Evangelium. Teile von Lukas-, Matthäus- und Johannes-Evangelium erschienen jetzt im Kärntner Dialekt. Inklusive Hörbuch, gelesen von den Autoren. Bünker übertrug Texte in die Mundart des Gegendtals, Lagger ins Liesertalerische.

"Ich hatte das Bild meiner Großmutter vor mir und ihre Sprache im Ohr", sagt Lagger. Einen anderen Teil seines Vokabulars hat er "vom Bau", wohin er als Tischlersohn Möbel lieferte.

In der Bibel und in der Sprache der Kindheit sind die Autoren sattelfest: "Den ersten Dialekt vergisst man nie", so Lagger.

ELISABETH PEUTZ

Buch und Hörbuch

"Umadum a liachta Schein" ist das "Kärntner Evangelium" im Dialekt von Michael Bünker und Sepp Lagger.

Das Hörbuch liegt dem Buch, das mit Bildern von Künstlern aus dem Atelier de La Tour illustriert ist, bei. Aus Lukas-, Matthäus- und Johannes- Evangelium lesen die Autoren.

Verlag Heyn, 22 Euro.

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