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Er will dort sein, wo die Trauer ist
Der gebürtige Nötscher Johannes Staudacher ist Seelsorger und Trauerbegleiter in der Diözese Gurk-Klagenfurt. Sein Buch "Ich werde dort sein, wo du bist" ist ein Leitfaden für Trauernde und Tröstende.

Foto © Weichselbraun"Trauer will fließen, sei es in Tränen, sei es im Sprechen und Erzählen": Johannes Staudacher ermutigt zur Trauerarbeit
Den Ausdruck "Trauer überwinden" mag Johannes Staudacher ebenso wenig wie "Trauer bewältigen". Das würde ja heißen, dass Trauer etwas Feindliches wäre. Und so soll dieses Gefühl trotz seiner Wucht nicht betrachtet werden. "Trauer ist auch etwas Kostbares. Trauer ist nicht nur ein Hindernis, sondern bei aller Schwere auch eine sehr gefühlte Zeit im Leben", weiß Staudacher, Seelsorger mit Schwerpunkt Trauerbegleitung in der Diözese Gurk-Klagenfurt, der seine langjährigen Erfahrungen im Buch "Ich will dort sein, wo du bist" festgehalten hat. "Trauer wird durchlebt und durchlitten", sagt Staudacher, der schon von klein auf eine Nähe zu den Schmerzen des Lebens verspürte und weiß, wie sehr Einfühlsamkeit mit eigener Verletzlichkeit zusammenhängt.
Das jüngste von fünf Kindern einer Arbeiterfamilie in Nötsch im Gailtal - ein Geschwister war bei der Geburt gestorben, worüber die Mutter erst in späten Jahren erzählte - erkannte mit 17 Jahren seine Berufung, als ihm der Glaube "aufleuchtete". Für den Pfarrer von Klein St. Veit, der früher Pfarrer in Tanzenberg und Welzenegg war und eine Hospizausbildung absolviert hat, ist die Tabuisierung der Trauer eine Unkultur. "In der Trauer muss aus dem, der ich war, der werden, der ich in Zukunft sein kann. Dieser schwere Durchgang bleibt mir nicht erspart, wenn ich mit mir selbst eins sein will." Freilich sei Trauer ein Weg und kein Haus, in dem man bleiben solle. "Trauer will durchschritten werden, der Schmerz will durchfühlt werden. Durchschrittene Trauer aber liegt eines Tages hinter uns, durchfühlter Schmerz wird zumeist im Lauf der Zeit stiller."
Staudacher rät nicht zur Ablenkung, sondern ermutigt zur Trauerarbeit. "Trauer nicht auflösen, sondern auslösen, damit sie fließen kann". Damit nicht in uns begraben werde, was leben und sich ausdrücken will. Ein Hindernis sei oft die Umgebung, die aus falscher Scheu und Rücksichtnahme das Thema nicht anschneiden will. Das Wichtigste sei jedoch "zuhören und einfach da sein".
Die Wunde gehöre zum Menschen wie das Zerrissene zur Welt, meint Staudacher, dankbar, dort zu sein, wo die Wunden sind, dort, wo andere nicht sein wollen. "Ich kann Menschen besser trösten als unterhalten", sagt der Suchende, der lieber mit offenen Fragen lebt, als schlechte Antworten zu geben. Warum und ob Gott Eltern ihre Kinder wegnimmt und Menschen früh sterben lässt, kann und will er nicht beantworten. "Der Tod ist oft widersinnig. Zu meinen, der Herrgott wird schon wissen, welchen Sinn alle Tragödien haben, müssen wir verlernen. Gott ist nicht Drahtzieher aller Katastrophen", lässt Staudacher aufhorchen.
Wir sollten Abstand nehmen von der Idee, dass alle Dinge ihren "wunderschönen göttlichen Sinn" haben. "Gott zeigt seine Vollkommenheit nicht darin, dass er alles lenkt, sondern dass er immer mit uns geht". Schweigend mitgehen in Liebe sei auch Aufgabe des Trauerbegleiters.
"Wir finden keine Antworten, aber durch das Hadern und Verzweifeln hindurch Wege zum Leben, zum Vertrauen". Auch das Evangelium Jesu sei keine Antwort, sondern ein Lebensweg. Besonders wichtig sei Jesu' Botschaft von einem liebenden statt rächenden Gott. Da der Mensch für Gott so wichtig sei, könne sein Leben nicht mit dem Tod enden. "Das Wiedersehen ist unsere Hoffnung, aber wie man sich das vorstellen soll, darauf gibt es keine Antwort", meint Staudacher, der den Heiligen Franz von Assisi als Vorbild hat und gerne österreichische Literatur liest, Geigenmusik hört, wandern oder schwimmen geht. Da tankt er Kraft für die Trauerbegleitung. "Die Trauer bleibt beim Trauernden, auch wenn du wieder gehst. Du kannst nicht mit tröstenden Sätzen die Trauer auflösen. Aber der andere wird sich leichter tun, wenn er sich für eine kurze Zeit anlehnen konnte an dich."
Features
Aus dem Buch
Unsere Welt ist nicht durchdrungen von der heilenden Gegenwart Gottes. Es gibt in ihr das Kranke und Geschwächte, Unglück und Not. In diesen Situationen an Gott nicht irre zu werden, sondern ihn und seine Nähe zu suchen - das wäre die große Arbeit des Menschen.








