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Zuletzt aktualisiert: 02.10.2011 um 19:24 UhrKommentare

Die "Straßenjournalistin" mit dem scharfen Blick

Die 29-jährige Ivana Martinovic leitet die neue Biber-Journalismusakademie. Die Villacherin lehrt vor allem "Zuhören".

Die gebürtige Bosnierin Ivana Martinovic hat ihre Chance genutzt und fördert jetzt Jung-Journalisten mit Migrationshintergrund

Foto © KK/BiberDie gebürtige Bosnierin Ivana Martinovic hat ihre Chance genutzt und fördert jetzt Jung-Journalisten mit Migrationshintergrund

Die wahren Geschichten liegen auf der Straße. Man muss nur genau hinsehen. Ivana Martinovic (29) musste das nicht erst lernen. Als die Villacherin mit bosnischen Wurzeln 2006 beim neuen Wiener Stadtmagazin "Biber" andockte, war sie voller "Geschichten, die ich loswerden wollte".

Fünf Jahre später ist Biber (www.dasbiber.at) ein Riesenerfolg. Frech und unkonventionell schreibt "die schärfste Redaktion des Landes" (Eigendefinition) über Themen aus der Sicht von "neuen Österreichern". Mittwoch wurde die Biber-Akademie für junge Autoren mit Migrationshintergrund aus der Taufe gehoben. Martinovic und der frühere Kleine Zeitung-Autor Thomas Frank leiten das Projekt. Pate stand Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz.

"Ich gebe Chancen weiter, die ich selbst hatte", sagt Martinovic. Doch es brauchte Zielstrebigkeit, diese Möglichkeiten zu nützen. Seit 1991 lebt die gebürtige Bosnierin in Österreich, die ersten Jahre in Villach. Da kennt sie jeden Winkel, da hat sie aber auch erfahren, was es heißt, zugezogen zu sein. "Kinder können grausam sein", sagt Martinovic. "Ich wusste: Deutsch zu lernen ist die einzige Chance, etwas aus meinem Leben zu machen."

Beim Studium in Wien entdeckte sie Erstaunliches: "Villach hat es geschafft, dass sich ein Migrantenkind zu Hause fühlt. Wien nicht." Zu sehr schotten sich die Nationalitäten ab - für Martinovic ein lohnendes Thema. Für Aufsehen sorgte ihr Artikel über nationalistische Zuwanderer-Graffiti. "Straßenjournalistin" nennt sie sich.

Welche Storys sie am meisten berührten? "Jene von Frauen, die sich opfern, um ihren Kindern ein besseres Leben zu bieten." Akademikerinnen aus fremden Ländern, die sich in Österreich als Hilfsarbeiterinnen verdingen. "Es gibt viele solcher Fälle".

Man muss halt genauer hinsehen ...

WOLFGANG RÖSSLER

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