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Zuletzt aktualisiert: 26.03.2011 um 19:09 UhrKommentare

Kunst ist sein liebstes Elixier

Der Strabag-Manager Wilhelm Weiß (67) besitzt eine der größten privaten Kunstsammlungen des Landes. Das Krankenhaus Spittal zeigt einen Teil seiner mehr als 2000 Werke als Dauerleihgabe mit therapeutischen Nebenwirkungen.

Wilhelm Weiß in seinen privaten Gemächern in Spittal a. d. Drau

Foto © EH, WeißWilhelm Weiß in seinen privaten Gemächern in Spittal a. d. Drau

Mit Wilhelm Weiß durch das Spittaler Krankenhaus zu flanieren kommt einer spannenden Entdeckungsreise gleich. "An dieser Wand sehen Sie ein Werk von Max Pfeiffer-Watenphul, dort hängt ein Roman Scheidl, Namen, die vielleicht nicht so geläufig sind", sagt der 67-jährige Führer mit vorauseilender Nachsicht. Gleich um die Ecke befindet sich der Besucher wieder auf vertrautem Terrain, bei Bildern von Markus Prachensky, Valentin Oman oder Arnulf Rainer.

Insgesamt sind es rund 120 Werke zeitgenössischer Kunst, die das Spittaler Krankenhaus zur größten durchgehend geöffneten Galerie des Landes Kärnten machen. Denn im Gegensatz zum Neuhauser Liaunig-Museum oder dem MMKK in Klagenfurt ist hier eine Besichtigung praktisch rund um die Uhr möglich und noch dazu gratis. Zu verdanken ist dieser Kunstgenuss per E-Card dem Strabag-Manager Wilhelm Weiß, der einen Teil seiner privaten Sammlung dem Krankenhaus Samonigg als Dauerleihgabe zur Verfügung stellte. Durchwegs zur Freude der Patienten und Mitarbeiter des Hauses, wie die Erfahrungen der ersten drei Jahre zeigen. "Die Primarärzte reißen sich regelrecht um die Bilder", erzählt Weiß von immer neuen Anfragen, ob er nicht auch andere Abteilungen "kunsttherapeutisch" versorgen könnte. Auswahl hätte der Sammler jedenfalls genug. Mehr als 2000 Gemälde, Grafiken und Skulpturen hat der zweifache Familienvater bisher zusammengetragen, längst zu viele, um sie in seinen Wohnungen in Spittal und Wien angemessen präsentieren zu können. Dort hat sie Weiß großteils archiviert, nur ein Teil schaffte es an die Wände oder wie eine Figur des Bildhauers Otto Eder vor die Spittaler Wohnungstür.

Schwierige Anfänge

"Ich muss in der Umgebung von Kunst leben, sonst bin ich nicht glücklich", sagt der gebürtige Donauschwabe über sein "Lebenselixier". Das war nicht immer so. "Ich musste als Kind für meinen Vater oft Porträt sitzen, während die anderen Buben Fußball gespielt haben", erinnert sich Weiß an die "vielen unangenehmen Stunden", die er vor der Staffelei seines Vaters Stefan still halten musste. Dieser war gelernter Kirchenmaler und hinterließ ihm hunderte Zeichnungen und Gemälde, darunter eine schöne Ansicht von Steinfeld im Drautal, wo seine Eltern nach ihrer Vertreibung aus der serbischen Batschka ein neues Zuhause gefunden hatten.

"Meine erste Erwerbung war ein Bild von Karl Stark. Ich hab's in seinem Atelier in Radlach gekauft", erzählt der einst mittellose Absolvent der Lienzer Handelsschule über den Beginn seiner Sammlerkarriere. Das war vor ungefähr 35 Jahren. Seither ist sein Kunstschatz unter liebevoller Duldung seiner Frau Maria beständig gewachsen.

Ob er sich wie Rudolf Leopold oder Herbert Liaunig das eine oder andere Bild vom Mund absparen musste? Weiß: "Ein Selbstporträt von Karl Anton Fleck habe ich zum Beispiel in zehn Monatsraten abgestottert. Und bei Frau Bohunovsky kaufte ich einmal ein Bild von Max Weiler auf Raten. Aber sonst war das finanzielle Risiko gering, weil ja auch mein Gehalt gestiegen ist."

Letzteres hat der höchst aktive Pensionist ("Ich betreue noch einige Projekte") Hans Peter Haselsteiner zu verdanken, dessen Strabag-Konzern er in führender Position mit aufgebaut hat, von anfänglich 70 Verwaltungsmitarbeitern auf mittlerweile 1200. Auch in puncto Kunst zogen die beiden an einem Strang und begannen "vor gut 20 Jahren" anstelle der obligatorischen Baustellenfotos moderne Kunstwerke in die Büros zu hängen. "1700 bis 1800" davon adeln heute rund 50 Standorte des Baukonzerns.

Pärchen am Sofa

Als Mitbegründer des seit 1992 vergebenen "Strabag Art Award" hat Wilhelm Weiß auch so manche Künstlerkarriere beflügelt. Etwa jene des in Wien lebenden Iraners Daryoush Asgar. Von ihm hängen im Krankenhaus Spittal gleich mehrere Bilder. Eines davon (siehe oben) zeigt ein offenherziges junges Pärchen auf einem roten Sofa. Weiß hätte es bereits mehrfach verkaufen können, lehnte aber stets dankend ab. "Das Bild soll bleiben, wo es ist", stellt der Kunstsammler klar.

Zur Freude der Oberkärntner Patienten und vielleicht sogar zu deren rascheren Genesung.

ERWIN HIRTENFELDER

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