Bezirks- und Gemeindesuche
Eine Familie, die sich was braut
Die Brauerei Hirt begeht ihre heutige 740-Jahr-Feier mit einer Familienzusammenführung: Klaus Möller ist neben Mutter und Schwester im Management.

Foto © Privat"Frau Chef" Astrid Matchett-Krenn mit ihrer Mutter Nelly Möller und ihrem Halbbruder Klaus Möller in der Brauerei
Mit Familienunternehmen ist das so eine Sache. Meist wollen die Jungen nicht, oder ganz anders. Die erbliche Bürde wiegt schwer. Hirt ist da ein Sonderfall. Astrid Matchett-Krenn und ihre Mutter Nelly Möller konnten gar nicht mit einer Übergabe rechnen.
Astrid verbrachte ihr erstes Lebensjahr im Seebad Bexhill, Sussex. Ihre Mutter hatte sich in einen englischen Tabakfabrikanten verliebt. Als Einjährige betrat sie zum ersten Mal das Brauereigelände. Als es ans Nachhausefahren ging, wurde sie krank, war nicht transportfähig und blieb. "Meine Mutter unterstellt mir im Nachhinein, dass ich absichtlich krank geworden bin", sagt Matchett-Krenn heute. Jedenfalls prägte die Krankheit ihre Biografie. Als Lieblingsnichte ihrer Urgroßtante Theresia Mayer erbte Astrid gemeinsam mit ihrer Mutter das Unternehmen, das somit seit 1846 ununterbrochen in Familienbesitz ist.
Das Mädchen wurde in Micheldorf eingeschult, besuchte das Ursulinen-Internat in Wien. Irgendwann kam die Mutter wegen Eheturbulenzen aus England zurück, nach etlichen Auslandsaufenthalten (in der Schweiz, auf Sylt, usw.) auch die Tochter. Der Geruch der Biermaische ließ sie, wie sie sagt, nicht mehr los. Dazu die schöne Gegend. Matchett-Krenn sieht man daher auch nie auf Adabei-Seiten, sondern trifft sie beim täglichen Walken mit Labrador Gustl.
Vorerst übernahm sie den Braukeller, brachte ihn in die schwarzen Zahlen, dann kamen die Kinder Nikolaus (heute 30) und Christian (heute 27, beide unternehmerisch in Rumänien tätig). Seither ist Astrid Matchett-Krenn in Hirt "Mädchen für alles im gehobenen Bereich". Für die 75 Mitarbeiter ist sie die "Frau Chef".
Nun ist die Tochter 59, die Mutter 85. Beiden sieht man ihr Alter nicht an. Letztere fährt noch Auto, spielt Bridge, liest englische Bücher und macht immer noch einen täglichen Rundgang durch die Firma.
Der Besitz wurde in zwei Stiftungen eingebracht. Jene mit den Anteilen der Mutter managt seit Kurzem Astrids Halbbruder Klaus Möller - eine späte Komplettierung des Familienunternehmens. Der 50-Jährige war Manager bei Diamond Aircraft in Wiener Neustadt, vorher bei Porsche Österreich, noch früher Steuerberater.
740-Jahr-Jubiläum feiert die Brauerei heute mit einem Kirchtag. Sie ist damit die wahrscheinlich älteste Österreichs, aber auf einen eventuellen Streit mit Mitbewerbern will sich die Familie nicht einlassen. Man weiß, was man hat.
"Das Ererbte gehört erhalten. Nicht wegen uns, sondern wegen der Arbeitsplätze, wegen der Region", findet Matchett-Krenn, die ihren Hang zur Selbstironie gerne auf T-Shirts des Labels "Louis & Louisa" auslebt. "Das steigende Gesundheitsbewusstsein ist uns da nicht im Weg: Unser Bier ist - in Maßen genossen - ein gesundes Getränk", sagt Klaus Möller, der in Niederösterreich (mit Lebensgefährtin Judith, einer IT-Managerin) und Hirt wohnt und mit VW Tuareg, Zug oder manchmal sogar Flugzeug (er hat den Pilotenschein seit der Matura) pendelt.
Dass Hirt nicht Hunderte Hektoliter mit Gewalt auf den Markt bringen muss, hat die Brauerei längst bewiesen. Zwar weckt man mit Innovationen wie dem Senf Aufmerksamkeit, aber Bier bleibt Bier. "Coca Cola und Red Bull brauchen auch keine Innovationen", sagt Klaus Möller, der gerne Pils und Zwickl trinkt. Seine Schwester nippt gerne am "1270er", sie verträgt nicht so viel Kohlensäure.
Auch für Klaus Möller schließt sich mit seiner neuen, alten Aufgabe ein Kreis. Er kennt die Brauerei von klein auf, war Kellner im Braukeller und sogar Bierführer. Seine ersten drei Worte, so erzählt man es ihm heute, sollen "Papa", "Auto" und "Bier" gewesen sein. Etliche Mitarbeiter sind immer noch da, etwa Betriebsrat Franz.
Und dann? Möller hat keine Kinder. Aber da sind ja noch seine Neffen Nikolaus oder Christian. Mutter Astrid sagt: "Vielleicht kommt ja einer von beiden zurück."









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